Hospizgesetz Letztes Geleit

SZ-Grafik; Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Ein neues Gesetz soll die Versorgung Todkranker verbessern und ihnen ermöglichen, daheim oder im Hospiz zu sterben.

Von Kim Björn Becker

Wenn es um die Frage geht, wo und wie die Deutschen sterben wollen, haben die meisten klare Vorstellungen: Am liebsten zu Hause, ohne Schmerzen, im Kreis der Familie. Zumindest was den Ort betrifft, sieht die Wirklichkeit anders aus. Fast jeder Zweite stirbt im Krankenhaus, annähernd jeder Dritte im Pflegeheim. Nur 20 Prozent erleben die letzten Stunden ihres Lebens zu Hause - das ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die zu Wochenbeginn vorgestellt wurde.

Der Zeitpunkt war nicht willkürlich gewählt. An diesem Donnerstag beschäftigt sich der Bundestag mit der Frage, wie Sterbenskranke am Lebensende besser versorgt werden können. Einen Tag, bevor die Parlamentarier über die Regelungen zur Sterbehilfe abstimmen, steht nun zunächst das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im Frühjahr vorgelegte Hospiz- und Palliativgesetz zur Diskussion. Im Gegensatz zur Sterbehilfe gilt eine Zustimmung aber als relativ sicher.

Mit dem Gesetz sollen die Angebote für Sterbenskranke in der letzten Lebensphase gestärkt werden, insbesondere auf dem Land. Zu diesem Zweck will der Gesetzgeber grundsätzlich klarstellen, dass die Sterbebegleitung eine Regelleistung darstellt, die von den Kranken- und Pflegekassen übernommen werden muss. Dies soll Streitfälle verhindern. Konkrete Neuerungen sieht das Gesetz unter anderem bei den etwa 230 stationären Hospizen vor, die sich um die Versorgung von Todkranken am Lebensende kümmern. Zum einen steigt der Tagessatz, den die Krankenkassen einer Einrichtung pro Patient überweisen, von 198 auf 255 Euro. Zum anderen müssen die Kassen künftig einen höheren Anteil der weiteren Kosten übernehmen. Ein Teil soll aber nach wie vor aus Spenden finanziert werden, damit der "Charakter der vom bürgerschaftlichen Ehrenamt getragenen Hospizbewegung erhalten bleibt", wie es im Gesundheitsministerium heißt.

Pflegeheime werden durch das neue Gesetz verpflichtet, in Zukunft mit Ärzten und Apotheken zusammenzuarbeiten, um ihren Bewohnern eine Sterbebegleitung zu ermöglichen. Kritiker rügen die Zustände in vielen Einrichtungen schon lange als unzureichend. Pflegebedürftige in Heimen würden systematisch schlechtergestellt, kritisierte etwa Awo-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker am Mittwoch. Das neue Gesetz bleibe "Stückwerk". Krankenhäusern soll es ausdrücklich möglich sein, ambulante Hospizdienste zu beauftragen. Dies kommt vor allem für Kliniken infrage, für die sich der Aufbau einer eigenen Palliativstation nicht lohnt. Derzeit verfügen etwas mehr als 250 aller 2000 Krankenhäuser bundesweit über eine solche Station.

Schließlich zielt das Gesetz darauf ab, die ambulante Versorgung von Schwerstkranken zu verbessern und es so mehr Menschen zu ermöglichen, dass sie zu Hause sterben können. So können ambulante Hospizdienste demnächst mehr Zuschüsse von den Kassen erhalten, zum Beispiel für Fahrtkosten der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Auf dem Land sollen neu entstehende Hilfsdienste schneller die Arbeit aufnehmen können, indem ein Schiedsverfahren eingeführt wird, um die oft langwierigen Verhandlungen mit den Kassen zu beschleunigen.