Der Bundesminister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz gilt als der pofilierteste CSU-Politiker in Berlin - doch nicht nur deshalb hat er beste Chancen, Stoiber als Parteichef zu beerben.
Ganz am Ende, als CSU-Chef Edmund Stoiber schon mit dem Rücken zur Wand stand, hat Horst Seehofer noch einmal Loyalität bewiesen.
Horst Seehofer (© Foto: AP)
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Niemals werde er gegen Stoiber antreten - und auch dann nicht, wenn dieser "als Ergebnis einer Zermürbungsstrategie" hinwerfe, sagte der Parteivize noch am Sonntag. In den Tagen danach wurde der 57-Jährige selbst zum Opfer einer Zermürbungsstrategie.
Den Kampf um den Parteivorsitz will er trotzdem nicht aufgeben. Nachdem Stoiber angekündigt hatte, seine Ämter im September niederzulegen, meldete der Bundeslandwirtschaftsminister am Nachmittag seinen Anspruch auf den Parteivorsitz an - beinahe zeitgleich mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber, der als Favorit der CSU-Landtagsfraktion gilt.
Überraschender Vorstoß
Die Offensive Seehofers kam überraschend. Seitdem die Bild -Zeitung zu Wochenbeginn über eine Geliebte des Familienvaters und deren Schwangerschaft berichtet hatte, hatte sich der CSU-Politiker aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Erst zur Grünen Woche an diesem Donnerstag zeigte er sich wieder. Per Zeitungsinterview ließ der Minister wissen, er erwarte, dass mit ihm über den Parteivorsitz gesprochen wird.
Seehofer gilt als der pofilierteste CSU-Politiker in Berlin. Anders als sein Parteifreund und Kabinettskollege Michael Glos hat es Seehofer verstanden, sich etwa in den Affären um Vogelgrippe oder Gammelfleisch bundesweit einen Namen zu machen. Umfragen zufolge zählte er zuletzt zu den beliebtesten Politikern der Republik.
Seit den Indiskretionen über sein Privatleben gilt Seehofer aber als angeschlagen, auch wenn die CSU die Skandalisierung der Intima scharf verurteilte.
Doch Seehofer, der 1980 zum ersten Mal als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Ingolstadt in den Bundestag einzog, ist ein Kämpfer.
2004, als er im Streit über die Gesundheitspolitik von Angela Merkel den stellvertretenden Vorsitz der Unionsfraktion hingeschmissen hatte, galt er als politisch tot. Nur ein Jahr später, im Herbst 2005, kehrte er als Minister ins Bundeskabinett zurück.
Stoiber setzte Seehofer damals gegen den Widerstand von Bundeskanzlerin Merkel durch. Damit habe der "neunte Sozialdemokrat" am Kabinettstisch Platz genommen, stöhnte man damals in der CDU.
Anwalt des kleinen Mannes
Seehofer gilt als zentrale Figur des Sozialflügels in der Union. Seine Wahl zum Parteichef würde damit eine Akzentverschiebung bedeuten.
Sein Verhältnis zu Merkel beschreiben Insider inzwischen als "tragfähig". Die Bundeskanzlerin schätzt es, dass sich Seehofer seit seinem Wechsel im Kabinett loyal verhalten und Profilierungsversuche auf Kosten anderer unterlassen hat. Ob Seehofer aber für Stabilität und Berechenbarkeit steht, ist fraglich.
Die Führungsriege der CSU hat seine Sprunghaftigkeit früher gefürchtet. Vielen in der Funktionärsebene gilt er heute noch als Selbstdarsteller. Die Basis dagegen schätzt den Vater von drei Kindern als unabhängigen Geist, der die Interessen der kleinen Leute nie aus den Augen verloren hat.
(AP/sueddeutsche.de)