Nach Stoibers Rückzugs-Ankündigung bringen sich die potenziellen Erben in Stellung. Seehofer kann sich eine frühe, einvernehmliche Lösung noch vor dem Parteitag im Herbst vorstellen - ein anderer prominenter CSU-Politiker hält davon allerdings wenig.

Der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel hat sich gegen eine Vorentscheidung über den CSU-Vorsitz vor dem kommenden Parteitag ausgesprochen.

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Der Abschied fällt Edmund Stoiber sichtlich schwer (© Foto: ddp)

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Bei der Wahl zwischen dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer müssten die inhaltlichen Positionen der beiden als Hauptkriterium einer Entscheidung zu Grunde gelegt werden, sagte Goppel im Deutschlandradio Kultur. "Das werden die Delegierten des Parteitages tun", fügte er hinzu.

Beide Kandidaten stünden für unterschiedliche Schwerpunkte. Huber habe große Erfahrung als jahrelanger Begleiter Stoibers, Seehofer hingegen kenne die Berliner Szene besser. "Jeder von beiden hat Nachholbedarf", sagte Goppel. Er selbst werde "wie andere Delegierte auch zu denen gehören, die sich erst einmal anhören, was der Mensch sagt, bevor man ihn wählt oder nicht wählt", sagte Goppel.

Seehofer hält offenbar eine vorzeitige Einigung über die Nachfolge Stoibers im Amt des CSU-Chefs für möglich: "Es finden einige Gespräche statt", sagte er in Berlin. "Ob wir vor dem Parteivorstand am Montag eine einvernehmliche Lösung erreichen, werden wir sehen." Bereits gestern ließ er jedoch erkennen, dass er auch zu einer Kampfkandidatur gegen Huber bereit wäre.

Tag der Gespräche

Stoiber hat unterdessen die CSU-Spitzen für diesen Freitag zu Einzelgesprächen in die Münchner Staatskanzlei geladen.

Von 13 Uhr an will Stoiber mit CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, Erwin Huber, Innenminister Günther Beckstein, CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann und Landtagspräsident Alois Glück sprechen. Mit Seehofer ist nach Angaben der Staatskanzlei ein ausführliches Telefonat geplant.

Der zweite CSU-Minister im Bund neben Seehofer, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, hat nach eigener Darstellung keine Ambitionen auf den Parteivorsitz. Allerdings zog er am Donnerstagabend den Zeitplan des Rückzugs von Edmund Stoiber in Zweifel.

"Wir werden sehen, wie lange es im Endeffekt dauert", sagte Glos im ZDF. Auf die Frage, ob er selbst als dritter Anwärter ins Rennen um den CSU-Vorsitz gehen wolle, sagte er: "Ich rechne eigentlich nur mit diesen beiden Bewerbern." Den Termin seines zum 30. September angekündigten Rücktritts habe Stoiber selbst gesetzt, so Glos weiter. Der Ministerpräsident könne diese Frist auch wieder überprüfen.

Stoiber gab am Donnerstag um kurz nach 14 Uhr seinen Rücktritt als Ministerpräsident zum 30. September 2007 bekannt. Auf dem CSU-Parteitag im September werde er ebenfalls nicht mehr kandidieren, so Stoiber.

Stoiber begründete seinen Rücktritt mit den Worten: "Der Erfolg und die Geschlossenheit der CSU, das Wohl und die Zukunftsfähigkeit des Freistaats Bayern waren stets mein oberstes politisches Ziel".

Seehofer will es auf Kampfkandidatur ankommen lassen

Unmittelbar nach dieser Ankündigung warfen drei CSU-Spitzenpolitiker ihren Hut in den Ring. Der 63-jährige bayerische Innenminister Günther Beckstein strebt das Amt des Ministerpräsidenten an. Dass er Interesse an diesem Amt habe, sei kein Geheimnis, sagte er im BR.

Um den Parteivorsitz wollen sich Huber und Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer bewerben.

"Ich glaube, dass ich in Berlin den bundespolitischen Anspruch der CSU verkörpern kann", sagte der an der Parteibasis bislang sehr beliebte Seehofer hinzu. Der 57-Jährige schränkte aber ein, er müsse zunächst seine privaten Angelegenheiten ordnen. Dafür brauche er ein bis zwei Wochen, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Seehofer nimmt dabei auch eine Kampfkandidatur gegen Huber in Kauf. um das Amt des CSU-Chefs antreten: "Wir betrachten es beide nicht als Beinbruch, wenn es im September zu einer Abstimmung über zwei Kandidaten käme." Bis zu dem geplanten Parteitag sei aber auch noch Zeit für eine einvernehmliche Lösung.

Landesgruppe gegen offenen Machtkampf

Huber sagte dem Münchner Merkur.: "Ich kandidiere beim CSU-Parteitag für den CSU-Vorsitz." Als langjähriger Generalsekretär und Staatsminister habe er die Erfahrung, um das Profil der CSU als Volkspartei zu erhalten und ihre Gestaltungskraft auf allen Ebenen einzubringen.

Die CSU-Landesgruppe will einen offenen Machtkampf um die Nachfolge von Parteichef Edmund Stoiber verhindern. Der bundespolitische Anspruch der CSU sei unabhängig davon, ob der Parteichef in Berlin oder in München sitze, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Damit deutete sich Einverständnis mit dem "bayerischen Modell" ab, nach dem Erwin Huber Parteivorsitzender werden soll.

Stoiber vermeidet Begriff "Rücktritt"

Wenige Stunden nach Bekanntgabe seines Rückzugs bezeichnete Stoiber seinen Entschluss als wichtig für das Wohl Bayerns und der Partei: "Ich habe die heutige Entscheidung meiner Meinung nach souverän und zum richtigen Zeitpunkt getan", sagte er am Donnerstagabend in Bamberg auf dem Neujahrsempfang der örtlichen CSU.

Während seiner Rede vermied Stoiber das Wort "Rücktritt" konsequent. Stattdessen sprach er stets von der "heutigen Entscheidung". Diese sei geprägt vom Wunsch nach der Geschlossenheit der Partei. Die CSU sei in Bayern "einzigartig". Er werde auch in Zukunft dazu beitragen, dass dies so bleiben könne, sagte Stoiber.

In der Nacht zum Donnerstag hatten Innenminister Beckstein und Wirtschaftsminister Huber nach Informationen aus der CSU gemeinsam mit Landtagsabgeordneten die Absprache getroffen, dass Beckstein neuer Ministerpräsident und Huber neuer Parteichef werden soll.

Die Nachricht über die in Wildbad Kreuth getroffene Absprache sorgte in Teilen der CSU für Empörung und Verärgerung, insbesondere bei den Abgeordneten der CSU im Bundestag und im Europaparlament, die sich übergangen fühlen.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP)