Ein Jahr nach seinem Rücktritt beschwert sich Horst Köhler über die harsche Kritik, die damals an seiner Person geübt wurde. Doch das Problem waren nicht diese Attacken, das Problem war Horst Köhler selbst, der die Kritik als Majestätsbeleidigung empfand.
Er sah sich als Opfer eines Rufmords. Nun hat er gerade selbst etwas begangen, was man als Selbstrufmord bezeichnen könnte. Horst Köhler versucht, seine jähe Flucht aus dem Amt vor einem Jahr zu erklären; er lamentiert in der Zeit über die "ungeheuerliche" Kritik, die man an ihm, dem Bundespräsidenten, zu üben gewagt habe.
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Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler versucht, seine jähe Flucht aus dem Amt vor einem Jahr zu erklären - und begeht dabei so etwas wie Selbstrufmord. (© dpa)
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Diese Attacken waren aber eher banal. Sie kamen nach einer harmlosen Äußerung Köhlers über den Schutz der Seewege durch das Militär vor allem von Grünen und mehr noch von der Linken. Wenn nun jeder zurücktreten würde, dem die Linke Unsinn wie Kanonenbootpolitik vorwirft, die Regierung wäre verwaist.
Das Problem war nicht die Kritik. Das Problem war ihr Adressat. Er vermisste Rückhalt, er war gekränkt; er verstand Widerrede offenbar so, als sei er Horst von Hohenstaufen, als Majestätsbeleidigung. Es hätte noch Respekt verdient, wenn er das Amt aus persönlichen Gründen aufgegeben hätte: Es ist zu viel, ich kann es nicht länger tragen. Aber nun will er den Rücktritt als Akt der Verantwortung vor dem Amt verklären - als sei hier eine ehrliche Haut an der Perfidie der politischen Klasse gescheitert.
Auch Bundespräsidenten wie Richard von Weizsäcker, dessen Zeit heute im zarten Schimmer der Verklärung betrachtet wird, haben viel Kritik erduldet - Weizsäcker zum Beispiel 1985 nach seiner großen Rede über die deutsche Kriegsschuld.
Aber eben das ist Aufgabe eines Präsidenten, der über wenig Macht und viel Nimbus verfügt: über den Tag im hektischen Politikbetrieb hinaus zu denken, gar so etwas wie das Gewissen dieser Politik zu sein. Köhler dagegen verkörpert die Politikverdrossenheit im Gewande der gekränkten Unschuld.
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(SZ vom 10.06.2011)
Müll am Fluss
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„Das Staatsoberhaupt blamiert sich mit seinen Afghanistan-Äußerungen." Schrieb damals der SPIEGEL. Und er fragte: "Wie soll er die restlichen vier Amtsjahre überstehen?“
Andere Blätter griffen diese linke Stimmungsmache auf und setzten die Anti-Köhler-Kampagne fort. Und dann tat Köhler ganz unerwartet etwas, was großen Respekt verdient: Er trat zurück.
Die Journalistenschar war enttäuscht, verärgert, wütend. Köhler hatte sich der "banalen" Kritik entzogen. Die beleidigten Leberwürste sitzen heute noch in den Redaktionsstuben und lecken ihre "Wunden".
"Mal ehrlich: Brauchen wir dafür Journalisten - brauchen wir solche?"
Berechtigte Frage/n! Meine ehrliche Antwort: NEIN.
Käppner bezieht sich auf ein umfangreiches Interview mit Köhler in der letzten ZEIT. Liest man das Interview und nicht nur die Schlagzeile ("Die Angriffe waren ungeheuerlich"), auf die sich Käppner bei der Lektüre beschränkt zu haben scheint, dann sucht man lange den Anlass für Käppners Schmähung. Erst am Schluss - in ganzen 5 Prozent des Artikels - redet Köhler über die Angriffe. Der Rest - also 95 Prozent des Textes - handelt von Schwarzafrika, Nordafrika, der Europa-Krise und seinem jetzigen Leben.
Und wenn man nicht nur liest, sondern auch noch den Text versteht, erkennt man, dass Köhler sich keineswegs als beleidigte Majestät fühlte (wie ein Stauferkaiser, wie Käppner bildungsstolz suggeriert), sondern die Beschädigung des Amtes des Bundespräsidenten befürchtete. Dies freilich entsprang einer respektablen und vorbildlichen Sicht eines hohen Amtes in einer Republik.
Aber derlei Aspekte waren Käppner wohl zu wenig reißerisch und zu schwierig, und so fantasiert er sich das Interview eben so zusammen, wie er es gerne hätte.
Mal ehrlich: Brauchen wir dafür Journalisten - brauchen wir solche?
Ja, man sollte meinen, daß er über solchen Beleidigungen stehen sollte.
Aber wie gesagt, es geht nicht darum, ob er drüber steht, sondern um die Beschädigung des Amtes.
Und mit dem "Abperlen lassen" ist das auch so eine Sache. Gegen berufsmäßige Tabubrecher kann man so nicht gewinnen. Also gegen solche, die gekreuzigte Schweine als Kunst betrachten. Oder gegen solche wie Merkel, die vom Papst rotzfrech Distanzierung von "Antisemitismus" fordern. Und dabei höhnisch lachen, weil kein Blitz einschlägt.
Oder eben gegen solche Herrschaften wie Trittin von den Grünen. Die auf nichts Rücksicht nehmen müssen, weil sie kein Prinzip mehr haben außer dem Haß auf alles Deutsche.
Nein, da hilft kein "Drüberstehen". Solchen Leuten gehört links und rechts eine reingehauen. Und zwar nicht von den Beleidigten, sondern z.B. von einem Kollegen aus dem Bundestag. Das wäre mal die viel beschworene "Zivilcourage"
Paging