Die Ärzte fürchten um ihre Existenz, die Patienten sind genervt. Denn im Gesundheitssystem kommt das Geld nicht da an, wo es gebraucht wird.
Alle sind wütend: Ärzte, die um die Existenz ihrer Praxis fürchten. Patienten, die beim Arzt schnell abgefertigt werden. Einige Patienten haben sogar Vorkasse leisten müssen und sind weggeschickt worden, wenn sie nicht zahlen wollten. Als gelungen kann man die Honorarreform für Ärzte wirklich nicht bezeichnen.
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Es krankt am System - und daher auch in vielen Krankenhäusern und Arztpraxen. (© Foto: AP)
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Trotzdem sprechen viele Gesundheitspolitiker nur davon, dass sie Details der Reform "nachjustieren" müssten. Wer meint, mit ein paar Verbesserungen für einzelne Facharztgruppen auszukommen, liegt jedoch daneben. Der Fehler liegt im System.
Bürokratische Ungetüme
Im Gesundheitswesen soll es in erster Linie um die Patienten gehen. Hinter beschönigenden Begriffen wie Gesundheitsreform oder Gesundheitsfonds verbirgt sich hingegen regelmäßig ein bürokratisches Ungetüm, das die Bezahlung der Ärzte und die Verteilung der Kassenbeiträge verkompliziert, aber kaum die Patienten im Blick hat. Ein Konzept, das sinnvolle Medizin fördert, ist nicht zu erkennen. Die aktuelle Honorarreform bietet den Ärzten erst recht keine Anreize für eine Heilkunde, die den Kranken zugutekommt.
Wird etwa eine Kassenpatientin mit Brustkrebs ambulant beim Gynäkologen behandelt, muss der Frauenarzt viel Idealismus und wenig betriebswirtschaftliches Kalkül mitbringen, wenn er gute Medizin betreiben will. Zur Betreuung gehört es, Ängste und Erwartungen zu besprechen, die Abfolge der Chemotherapie zu erläutern und Perspektiven für den mittlerweile oft günstigen Krankheitsverlauf zu eröffnen. Hinzu kommt die Begleitung während der Behandlung. Pro Quartal bekommt ein Frauenarzt - je nach Bundesland - pauschal zwischen 15 und 35 Euro dafür. Dass sie für diese zeitintensive und menschlich anspruchsvolle Tätigkeit nicht besser bezahlt werden als eine Tankstelle für einen Reifenwechsel, verbittert die Ärzte zu Recht.
Die Patienten haben unter dem Honorarsystem ebenfalls zu leiden. Wenn ein Mensch mit Schwindel zum Arzt kommt, müssten Herz, Hirn, Ohren und Psyche angeschaut werden. Das ist aufwendig. Der Hausarzt begnügt sich womöglich mit einem EKG, der Neurologe mit den Hirnströmen, das irritierte Seelenleben - die häufigste Ursache für Schwindel - kommt in der Regel zu kurz. Der Patient wird von Arzt zu Arzt geschickt, weil keiner die umfangreiche Diagnostik oder ausführliche Gespräche für eine Pauschale von 30 oder 40 Euro auf sich nehmen will. Mancherorts werden Patienten mit banalen Beschwerden schon ins Krankenhaus geschickt. Denn attraktiv für Ärzte sind nur die gesunden Patienten mit ein paar Zipperlein. Die kranken Patienten dagegen werden zum finanziellen Risiko. Die Pauschale deckt nämlich nur eine Behandlung ab. Wer mehrmals kommt, den muss der Arzt zum Nulltarif behandeln.
Privatpatienten bevorzugt
Das gegenwärtige System folgt einer blinden Fortschrittsrhetorik. Medizin ist aber kein Wirtschaftszweig wie jeder andere, in dem mehr Mittel auch mehr Erfolg bringen. Mehr Medizin macht nicht zwangläufig gesünder. Gesundheit ist vielmehr ein Zustand der Selbstvergessenheit, ein "Schweigen der Organe", das sich nicht immer auf Rezept herstellen lässt. Dennoch verfahren viele Ärzte nach dem zynischen Motto: Es gibt keine Gesunden - nur Menschen, die noch nicht ausreichend untersucht worden sind.
Entsprechende Untersuchungen machen Ärzte vor allem, wenn sie sich separat abrechnen lassen - oder bei Privatpatienten. Gigantische Summen werden so für unnötige Diagnostik und Therapie verschwendet, dabei leiden etwa 40 Prozent der Patienten in Arztpraxen unter psychosomatisch überlagerten Beschwerden, die keiner Labor- und Gerätediagnostik, sondern einer geschulten Gesprächsbegleitung bedürfen.
Dennoch bestellen Ärzte Patienten nach überstandener Krankheit zu oft zu unnötigen Nachkontrollen ein. Krebsmediziner sprechen immer häufiger von Überdiagnose und Übertherapie, da auch Tumore entdeckt und behandelt werden, die nie Beschwerden verursacht hätten. In Fachzeitschriften wird bereits diskutiert, wie schädlich zu viel Medizin ist. Dabei besteht eine ärztliche Kernkompetenz darin, unnötige Diagnostik zu unterlassen und stattdessen die Ressourcen der Patienten zu aktivieren.
Gesundheit ist teuer
Kein Land steckt - neben der Schweiz und den USA - so viel Geld ins Gesundheitswesen wie Deutschland. Von dem Geld kommt jedoch zu wenig dort an, wo es gebraucht wird. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die das Honorar der Ärzte berechnen und verteilen, sind bürokratisch so aufgebläht, dass viele Ärzte mehr Zeit mit der Abrechnung verbringen als mit Patienten. Die KV abzuschaffen, ist derzeit populär. Allerdings muss dann ein System folgen, das die Medizin nicht dem freien Spiel des Marktes opfert.
Eine Option wäre das Modell Norwegen: Dort bekommen Ärzte für jeden Patienten, der sich in ihre Liste einschreibt, eine jährliche Pauschale - egal ob er gar nicht, einmal oder zehnmal kommt. In der Lebenserwartung und anderen Kriterien für gute Gesundheit steht Norwegen besser da als Deutschland. Vielleicht auch deshalb, weil Weniger oft Mehr bringt: Norweger gehen im Durchschnitt dreimal im Jahr zum Arzt, Deutsche hingen 16-mal.
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(SZ vom 10.3.2009/vw)
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Wir Neurologen, Psychiater und Nervenärzte können nur davon profitieren, wenn endlich offengelegt wird: 42 Euro für alles im Quartal pro neurolog. oder psych. Krankenversorgung!! Das ist der Frau MInisterin und dem BGM die nervliche Gesundheit eines Bayern in drei Monaten wert. Nur mal so zum Vergleich: ein einziger Patiententag im psychiatrischen Bezirkskrankenhaus kostet die Solidargemeinschaft mindestens 300 Euro: das bekommt ein niedergelassener Facharzt des Gebiets für 7 Quartale, das mach 1 3/4 Jahre!
ALSO LEGT ENDLICH OFFEN, DANN BEKENNT IHR DEN MORALISCHEN BANKROTT DER MONSTRÖSEN MIßGEBURT GESUNDHEITSFONDS!
Vielleicht hört dann endlich dieses Kesseltreiben gegen Ärzte auf!
Warum diese schwachsinnigen Diskurse über Neoliberalismus und die Heuchelei mit sozialer Gerechtigkeit?
Warum soll Gleichmacherei sozial gerecht sein?
Warum keine leistungsgerechte Bezahlung?
Warum wird der deutsche Arzt mit dem nichtakademischen Durchschnittsverdiener und nicht mit dem Erfolgsakademiker verglichen?
Warum soll ein deutscher Facharzt nicht so gut verdienen wir ein deutscher Notar oder sein englischer, schweizerischer oder schwedischer Arztkollege?
Warum müssen in Germanien immer alle gleich sein, sei es als völkische oder als proletarische Genossen?
Wie heißt die extrem bösartige deutsche Kopfkrankheit, die an alledem schuld ist?
Es sind Neid und Mißgunst,
die einzigen Klammern, die die deutsche Gesellschaft jemals zusammengehalten haben, indem sie die Individuen durch Gruppenzwang kontrollierten
und an diesem deutschen Wesen soll wohl mal wieder die Welt genesen
@sophero hat einen ganz zentralen Punkt angesprochen: Transparenz.
Ist nicht ein System möglich, in dem der Patient vierteljährlich über die von ihm verursachten Kosten informiert wird? Meldet er innerhalb eines Monats lediglich, daß er sie eingesehen hat, bekommt er 0.1% seines Beitrages für das Quartal zurückerstattet.
Ich könnte wtten, daß diese unscheinbare Maßnahme einen Rieseneffekt auf eine Vielzahl von Aspekten unseres kranken Krankensystems hätte... :-)
+
Es ist was faul im Staate Deutschland: In einen Topf wird unheimlich eingezahlt und es kommt jedes Jahr weniger raus, für die Ärzte, für die Patienten(überspitzt). Wo bleibt das Geld?
Ich war so naiv und habe meine Krankenkasse gefragt: Was koste ich jedes Jahr meine Kasse? Das können wir ihnen nicht sagen, das wissen wir nicht!!!
Das erzeugt bei mir die Meinung, das System ist deshalb so intransparent gemacht, damit keiner merkt, wo das Geld bleibt. Landet es etwa an Stellen, die die übliche Gewinnmaximierung auf Kosten von Abhängigen durchführen?
Stimmt der Spruch meines Vaters? Die Tröge bleiben dieselben, nur die Sch.. ändern sich?
Bei so manchen aktuellen Erkenntnissen glaube ich das bald auch.
Und das ist sehr schlecht!
Es gibt in der gegenwärtigen Situation einige Merkwürdigkeit, die logisch nicht wirklich zu erklären sind. So wird über die angeblich ruinös gesunkenen Honorare laut gejammert. Seltsamerweise weiß noch niemand, wie diese in Wahrheit aussehen werden. Im Klartext bedeutet das, dass keiner der Ärzte weiß, wie viel er wirklich verdient. Die Ärzte bekommen nach neusten Zahlen 3,5 Milliarden mehr in diesem Jahr und kein Mensch kann erklären, wo das Geld bleibt. Es gibt auch keine Deckelung mehr, was bedeutet, dass der behandelnde Arzt seine Leistungen durchaus abrechnen kann. Hinzu kommt, dass die immer wieder in die Diskussion geworfenen skandalös niedrigen Sätze Durchschnitt sind. Das bedeutet, dass für einen Patienten, der nur ein Rezept abholt, die gleichen Sätze gelten. Dem Betrachter drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, dass die Bundesärztekammer sich mit ihrer Protest Strategie als Wahlkampfhilfe für die ihr nahe stehende FDP generiert!!
Ein System in dem der Patient zum Arzt geht, nicht weiß was der Arzt verrechnet, wiederum der Arzt nicht weiß was die Kassenärztliche Vereinigung an die Krankenkasse weiterverrechnet und die Krankenkasse für etwas bezahlt obwohl diese auch nicht weiß
ob das alles geleistet wird, kann nicht funktionieren.
Bei den privaten Kassen erhält der Patient die Rechnung, hat damit die Möglichkeit der Kontrolle und diese Rechnung geht direkt an die Krankenkasse.
Ein kaufmännisch und treuhänderisch einwandfreies Konzept, das damit auch funktioniert.
Deshalb mein Vorschlag, daß man dieses System übernimmt und zusätzlich ändert, daß
Gutverdienende ab einer bestimmten Summe privat versichert sein müssen und nicht noch dem Sozialsystem zur Last fallen.
Paging