Mit der Wahl eines schwulen Priesters zum Bischof habe man sich "von Millionen von anglikanischen Christen in der ganzen Welt getrennt", warnt der konservative Flügel der Kirche.
Der Geistliche Gene Robinson ist trotz heftiger Kritik zum ersten homosexuellen Bischof in der Geschichte der Vereinigten Staaten ernannt worden.
Gene Robinson gefährdet als schwuler Bischof die Einheit der Episkopalkirche in den USA. (© Foto: AP)
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In der historischen Wahl stimmten 62 Mitglieder der Bischofsversammlung der Anglikanischen Kirche in den USA am Dienstagabend für Robinson, 45 gegen ihn, wie der vorsitzende Bischof Frank Griswold in Minneapolis bekannt gab.
Robinson, der seine Homosexualität 1990 öffentlich gemacht hatte, wird künftig die Diözese New Hampshire leiten.
Die Wahl Robinsons könnte die amerikanische Episkopalkirche, die zur Anglikanischen Kirche gehört, vor eine Zerreißprobe stellen. Zahlreiche Konservative haben bereits ihren Austritt angedroht. Es könnte zur Spaltung von Gemeinden und Diözesen sowie schließlich zum Auseinanderbrechen der Kirchengemeinschaft mit derzeit rund 2,3 Millionen Mitgliedern in den USA führen.
Mit der Wahl, kritisierte etwa der Bischof von Pittsburgh, Robert Duncan, habe sich die Kirche "von Millionen von anglikanischen Christen in der ganzen Welt getrennt". Mit seinen Kollegen unter anderem aus Florida, Kalifornien, Texas und South Carolina hatte er gegen die Wahl Robinsons gestimmt.
"Schwierige Tagen" stehen bevor
Das geistige Oberhaupt der weltweit 70 Millionen Anglikaner, der Erzbischof von Canterbury, warnte einem Sprecher zufolge vor "schwierigen Tagen", die nun vor den Anhängern der Glaubensrichtung stünden.
Er hoffe, dass die Episkopalkirche Gelegenheit haben werde, "die Enwicklung zu bedenken", bevor "wichtige und unwiderrufliche Entscheidungen getroffen werden", erklärte Erzbischof Rowan Williams.
Der Amerikanisch-Anglikanische Rat, eine anglikanische Splittergruppe in den USA, erklärte, die Episkopalkirche habe sich vom "historischen christlichen Glauben" verabschiedet und die anglikanische Gemeinschaft "zerschmettert".
Die Anglikanische Kirche in den USA nimmt im Umgang mit Homosexualität eine liberalere Haltung ein als ihre Schwesterkirchen in Großbritannien und anderen anglikanisch geprägten Ländern.
Bereits am Sonntag hatte sich der 56-jährige in einer Vorwahl erfolgreich durchgesetzt.
Vorwurf via E-Mail
Kurz vor der entscheidenden Abstimmung am Montag war jedoch eine E-Mail aufgetaucht, in dem ein Mann Robinson beschuldigte, ihn vor Jahren in der Öffentlichkeit "unangemessen" berührt zu haben.
Die E-Mail hatte in der Kirchenversammlung die wegen der ungewöhnlichen Wahl ohnehin gespannt Stimmung weiter angeheizt. Da an eine ruhige Abstimmung nicht mehr zu denken war hatten die Organisatoren sich zur Verschiebung entschlossen.
Nach nur eintägiger Untersuchung wiesen die Kirchenoberen die Vorwürfe dann als haltlos zurück.
Bereits vor der E-Mail war der Vorwurf laut geworden, die von Robinson unterstützte Beratungswebseite für junge Homosexuelle, "Outright", führe über zwei Verbindungen zu einer Porno-Seite. Dieser Vorwurf wurde von einer einflussreichen konservativen Kirchengruppe unter Führung des Geistliche David Anderson erhoben, die sich klar gegen homosexuelle Bischöfe ausspricht.
Anschuldigungen sind gegenstandslos
Der Leiter der Ermittlungskommission, der Bischof von Massachusetts Gordon Scruton, bezeichnete beide Anschuldigungen jedoch als gegenstandslos.
Die Episkopalkirche ist die zehntgrößte protestantische Konfession in den USA.
Im Vereinigten Königreich, wo die Anglikanische Kirche Staatskirche ist, hatte ein homosexueller Theologe im vergangenen Monat seine Bewerbung um das Bischofsamt der Diözese London zurückgezogen, um der anglikanischen Kirche eine mögliche Spaltung zu ersparen.
(sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa)
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