Homophober Verein in Sachsen-Anhalt Töpfern, backen, Schwule heilen

Heilung vom "zwanghaften Gefühl" der Homosexualität: Führende CDU-Politiker Sachsen-Anhalts stehen einem gemeinnützigen Verein nahe, der homophobe Positionen vertritt. Dessen Vorsitzender, ein Pfarrer, kritisiert die Berichterstattung über ihn. Die sei "noch schlimmer als die Stasi".

Von Cornelius Pollmer, Dresden

Das nächste Einführungsseminar bietet Bernhard Ritter im Mai an, der Ankündigungstext verspricht "Schritte zur Freiheit aus zwanghaften Gefühlen". In die Kategorie der zwanghaften Gefühle fällt für Ritter nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks auch die Homosexualität, in Seminaren biete er Menschen deswegen die "Heilung" davon an. Mit dem Seminarangebot des Pfarrers und Homophobie im Allgemeinen wird sich an diesem Freitag nun der Landtag von Sachsen-Anhalt befassen, die Linke-Fraktion hat dies beantragt.

Denn Bernhard Ritter bietet seine Kurse nicht als Privatperson an, sondern als Vorsitzender der Gesellschaft für Lebensorientierung e.V., einem gemeinnützigen Verein mit Sitz im Südharz. In dessen Kuratorium sitzen gleich drei führende CDU-Politiker: Christoph Bergner, André Schröder und Jürgen Scharf. Bergner war Ministerpräsident des Landes und später Ost-Beauftragter der Bundesregierung, Schröder sitzt der aktuellen Landtagsfraktion vor und ist damit Nach-Nachfolger von Scharf.

Berichterstattung "noch schlimmer als die Stasi"

Auch Bernhard Ritter gehörte einmal der CDU-Fraktion im Landtag an, schon zu DDR-Zeiten wirkte er zudem als evangelischer Pfarrer. Als solcher habe er die Staatssicherheit kennengelernt, und zwar im Gefängnis, sagt Ritter. Die aktuelle Berichterstattung über ihn und den Verein aber sei "noch schlimmer als die Stasi, denn die hatte im Umgang mit den Menschen wenigstens noch einen Funken Menschlichkeit".

Auf Twitter sammeln sich Verwunderung und Abscheu über Person und Verein unter dem Hashtag #homoheilergate, sowohl Bergner als auch Schröder haben sich bereits von Ritter distanziert. Der Verein müsse "seine Position zunächst intern klären, bevor ich ihn unterstützen kann", sagte Schröder. Mehr könne man von Schröder nicht verlangen, sagt Katrin Budde, die Landeschefin des Koalitionspartners SPD. Auf Seiten des Vereins aber bestehe weiterhin Klärungsbedarf, "der ist öffentlich gefördert und er führt Projekte mit Kindern durch. Wenn da auch nur mittelbar so kreuzgefährliche Auffassungen wie Homophobie vermittelt werden, dann finde ich das untragbar."

Zu Homosexualität will Ritter nichts sagen

Bernhard Ritter indes fühlt sich umfassend missverstanden. Das Angebot des Vereins sei so reichhaltig, es werde getöpfert und Brot gebacken, unter großem ehrenamtlichen Einsatz, warum greife man da jetzt böswillig einen Aspekt heraus? Von Heilung habe er zudem nie gesprochen, nur von "Änderung, das ist der Begriff, den wir gebrauchen". Kurzum: "Da wird im Namen einer sogenannten Wahrheit Stimmung gemacht."

Zur Wahrheit gehört aber, dass Gerard J. M. van den Aardweg im Beirat des Vereins sitzt, ein Psychologe, der sich mit Homosexualität vor allem unter therapeutischen Gesichtspunkten beschäftigt. Für Bernhard Ritter dürfte auch dies nur ein Aspekt unter vielen sein. Er beklagt eine mediale Kampagne gegen sich. Bietet man ihm an, seine Position zu Homosexualität darzulegen, um Missverständnisse auszuräumen, dann sagt er: "Dazu möchte inhaltlich jetzt nichts sagen."