Die Welt gedenkt der Toten des Holocaust - und vergisst die Überlebenden: Die Hälfte der 517.000 noch lebenden jüdischen NS-Opfer lebt in Armut.
Vor 65 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Am Mittwoch wird der israelische Staatspräsident Schimon Peres anlässlich dieses Holocaust-Gedenktages, der jedes Jahr am 27. Januar begangen wird, im Bundestag eine Rede halten.
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Bundespräsident Horst Köhler (links) und Israels Präsident Schimon Peres (rechts) besuchten die Gedenkstätte am Gleis 17 im Berliner Grunewald. Peres wird während seines Staatsbesuchs auch die Armut vieler Holocaust-Überlebender ansprechen. (© Foto: Getty)
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Und er wird während seines Staatsbesuchs, zusammen mit einigen eigens dafür ausgewählten Delegationsmitgliedern, auch auf ein bisweilen gern verdrängtes Problem hinweisen - die Lage vieler Holocaust-Überlebender, die sehr oft unter erbärmlichen Bedingungen ihren Lebensabend verbringen müssen. Nach einer neuen Untersuchung sind knapp die Hälfte der 517.000 noch lebenden jüdischen NS-Opfer verarmt.
Mehr als 70 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem rasch danach einsetzenden industriellen Massenmord an den Juden Europas schwindet die Generation der Zeitzeugen immer rascher, die meisten sind inzwischen deutlich älter als 80 Jahre. Meist dreht sich die Sorge darum, dass in absehbarer Zeit niemand mehr authentisch von den Gräueln der NS-Zeit wird berichten können.
"Es darf aber nicht übersehen werden, dass viele, die noch unter uns sind, in Armut und unter unwürdigen Bedingungen leben müssen", sagt Georg Heuberger, deutscher Repräsentant der Jewish Claims Conference (JCC). "Die Überlebenden sollten an diesem Gedenktag im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen."
Ausgeschlossen, traumatisiert, allein
Statistische Berechnungen, die nun die JCC vorgelegt hat, gehen von derzeit noch 516.700 Holocaust-Überlebenden aus, die Gesamtzahl der unter der Armutsgrenze Lebenden wird mit 259.500 angegeben, die meisten von ihnen in Israel (74.000) und in der ehemaligen Sowjetunion (90.000); als arm und zudem pflegebedürftig werden insgesamt 104.000 jüdische NS-Opfer eingestuft.
Die Ursachen dafür sind vielfach ähnlich: von den Nazis von Unterricht und Ausbildung ausgeschlossen, traumatisiert von Ghetto- oder KZ-Haft sowie oft dem Verlust der ganzen Familie in den Gaskammern gelang es vielen Überlebenden nicht, sich nach dem Krieg eine erfolgreiche berufliche Existenz aufzubauen, die ihr Auskommen im Alter sichern konnte.
Diese Problematik war freilich bei den Entschädigungszahlungen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik kaum bedacht worden. Den damals meist jungen Überlebenden ging es um einen schnellen Neuanfang, der Bundesregierung um eine schnelle und finanziell tragbare Lösung.
Mit vielen westlichen Staaten, so auch mit Israel, wurden Globalabkommen geschlossen, mit einer Gesamtsumme sollten alle Forderungen abgedeckt werden; individuelle Einmal- und Rentenzahlungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz kamen vor allem deutschen NS-Opfern zugute. In die Staaten des Ostblocks flossen bis zum Ende des Kalten Krieges keinerlei deutsche Zahlungen.
Erst nach der Wiedervereinigung wurden auch mit den Staaten in Ost- und Mitteleuropa Globalvereinbarungen getroffen. Mehr als 65 Milliarden Euro hat der deutsche Staat auf diese Weise bisher als Wiedergutmachung gezahlt.
Verantwortung für die hochbetagten Opfer
Darüber hinaus helfen auch Organisationen wie die Jewish Claims Conference den Überlebenden. Bei den jährlichen Verhandlungen mit dem Finanzministerium weisen die Vertreter der JCC seit langem auf das Problem der Altersarmut hin; so gewährte die Bundesregierung zum Beispiel 2009 zusätzlich 30 Millionen Euro für die Förderung von häuslicher Pflege, bessere medizinische Versorgung oder den Bau geriatrischer Einrichtungen.
Doch diese Mittel reichen bei weitem nicht aus, sagen die Verantwortlichen der JCC. Sie reden vielmehr von einer "dynamischen Anpassung" der einst getroffenen Abkommen an die heutigen Bedingungen. "Wir haben die Verantwortung, den hochbetagten Holocaust-Überlebenden zu einem würdigen Lebensabend zu verhelfen", fordert Heuberger. Das Finanzministerium hat bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
Am Dienstag besuchte Peres das Mahnmal "Gleis 17" am Bahnhof Berlin-Grunewald, von dem aus in der NS-Zeit Tausende Juden deportiert wurden. Im Anschluss sprach er mit Kanzlerin Angela Merkel auch über das iranische Atomprogramm. Iran müsse Transparenz schaffen oder mit Sanktionen rechnen, betonte Merkel. Die Welt habe viel Geduld gezeigt - bisher ohne Wirkung. "Die Zeit läuft aus", sagte sie. Peres forderte eine "sehr klare und harte Haltung", betonte aber auch: "Israel bekämpft nicht Iran, wir bekämpfen die Diktatur in Iran."
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(SZ vom 27.01.2010/jab/odg)
Nach Massaker in Haula
Ich stimme Ihnen zu. Man sollte die Politik Israels nicht mit dem Holocaust vermengen. Dass dies die Kritiker Israels regelmäßig tun, stört mich auch. Hinweise a la "Gerade Sie müssten doch wissen..." sind wenig hilfreich.
Auf der anderen Seite ist das Problem aber genau dasselbe. Jede israelische Regierung seit 1948 hat diese beiden Dinge vermischt. Je brutaler und weniger rational nachvollziehbar die Politik des Staates Israel wird desto mehr vermischen sie beides. Kritik an Israel wird von seinen Repräsentanten inzwischen 1:1 mit Kritik am Judentum und Relativierung des Holocaust gleichgesetzt. Es ist also meiner Meinung nach auch an Israel, diese Vermischung zu unterlassen.
Ich stimme Ihnen ebenfalls zu, dass man den heutigen Tag im Sinne der Betroffenen respektieren und ihrer Gedenken sollte. Doch auch hier spielt Perez ebenso wenig mit wie seine Kritiker, denn er benutzt die Toten gegen den Iran, das ist auch nicht besser, als es seine Gegenüber machen.
nachzulesen auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.
Hier heisst es u.a,.ich zitiere: jährlich werden ca. 424 Mio. Euro an Entschädigungsrenten (überwiegend nach dem Bundesentschädigunsgesetz- BEG) und verwandte Leistungen an Empfänger in Israel ausgezahlt. Hinzu kommen weitere erhebliche Entschädigungsleistungen in der Sozialversicherung und im Lastenausgleich.
Die Interessen Israels in Entschädigungs- und Restitutionsfragen werden von der Jewish Claims Conference (JCC) vertreten.
Über die JCC werden Einmalzahlungen und monatliche Renten fürt Härtefälle verteilt, die keine Enbtschädigungen nach dem BEG erhalten haben.--- Ende des Zitats.
Hier hat man also den Bock zum Gärtner gemacht!!
Jüdische Opfer haben Klagen gegen die JCC angestrengt, um an zugesagte Entschädigungen zu kommen.
Das hätten Sie gerne. Aber genau wegen den Betroffenen und dem Nie wieder ist es Notwendig die Israelis vor dem gleichen Tun abzuhalten. Das ist mein Respekt gegenüber den Opfern!
JaAber
aber wir sind es den Opfern dieses Krieges und dieses wahnsinnigen Völkermordens schuldig, die Entschlossenheit und Scheinheiligkeit der künftigen Täter nicht zu ignorieren.
WM2000 schrieb: "Aber die Israelis dürfen schon die Araber mit diesen Waffen abschrecken." Ja, ich finde, Ihre Kritik an der Selbstgerechtigkeit und Verlogenheit, mit der Atomwaffenstaaten andere Staaten an der Atomforschung hindern wollen, ist berechtigt, zumindest logisch nachvollziehbar.
Nur sind weder die jüdischen, noch überhaupt die Opfer des Holocaust mit dem Staat Israel gleichzusetzen oder für seine Politik verantwortlich zu machen. In so fern sind Sie in diesem Forum mit Ihrer Kritik deplaziert, off-topic. Dass der Beitrag zu Peres Rede nicht zur Diskussion freigeschaltet ist, ist kein Grund hierhin auszuweichen.
Indem Sie das tun und die Holocaust-Opfer mit der israelischen Politik vermengen, gebährden Sie sich hier auf Kosten dritter genau so selbstgerecht, wie Sie es an der israelischen Politik kritisieren.
Wie bereits münchner59 aus Sicht der Sinti schrieb: Respektieren Sie doch einfach den heutigen Gedenktag des Holocaust im Sinne der Betroffenen!
Paging