Mit zahlreichen Veranstaltungen wird heute der Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes gedacht. Bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag rief Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zum gemeinsamen Gedenken in Europa auf.
Eine grenzüberschreitende Aufarbeitung des Holocaust werde jungen Menschen deutlich vor Augen führen, dass die positiven Werte und Traditionen Europas keine Selbstverständlichkeit seien, sagte Thierse in der Gedenkstunde in Berlin.
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"Die Zukunft Europas hängt davon ab, dass sich auch die jungen Generationen mit der Europäischen Union als Friedenswerk und als Wertegemeinschaft identifizieren, ihre Werte verinnerlichen und ein europäisches Bewusstsein entwickeln," Thierse zeigte sich zuversichtlich, "dass jede Generation eigene Wege und Formen des Erinnerns finden kann und finden wird"
"Besonderer Vertrauensbeweis"
Der Bundestagspräsident bezeichnete es als "besonderen Vertrauensbeweis", dass knapp 60 Jahre nach dem Zweitem Weltkrieg in Deutschland wieder 100.000 Juden leben. Die Jüdische Gemeinde in Deutschland sei inzwischen die drittgrößte in Europa, sagte Thierse im Bundestag. Um so bestürzender sei, dass sich hier wieder Antisemitismus breit mache.
An der Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus nahmen auch Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder und weitere Regierungsmitglieder teil.
Als Gastrednerin sagte die Holocaust-Überlebende und frühere Präsidentin des Europäischen Parlaments, Simone Veil, vor einigen Jahren habe Deutschland den 27. Januar, den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, zum Tag des Gedenkens bestimmt. Europa habe sich verpflichtet, "ihm auf diesem Wege zu folgen".
Weitere Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag geplant
Nach der Gedenkstunde im Bundestag wird Thierse am frühen Nachmittag Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Polen empfangen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus engagieren.
Bei einem Festakt im Berliner Abgeordnetenhaus werden am Abend mehrere Deutsche geehrt, die herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland geleistet haben. Die Opfer medizinischer Experimente in Konzentrationslagern stehen im Mittelpunkt des Gedenktages im früheren KZ Sachsenhausen bei Berlin.
Der 27. Januar ist vom früheren Bundespräsidenten Roman Herzog 1996 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt worden. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit.
(sueddeutsche.de/dpa/AFP)
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