Von T. Denkler

Mit Sätzen wie "Wieder einer weniger" schmücken Kriegsgegner ein "satirisches" Plakat. Nicht nur der Verteidigungsminister findet das geschmacklos.

Soldaten tragen einen Sarg. Über dem Sarg liegt die Bundesflagge. Rechts daneben stehen vier Sätze, die jeder für sich getrost als Hohn für den verstorbenen Soldaten gewertet werden dürfen. Es beginnt mit: "Die Bundeswehr auf dem richtigen Weg." Es geht weiter mit: "Schritt zur Abrüstung." In der Unterzeile steht: "Wieder einer weniger." Und weil das offenbar noch nicht reicht, setzen die Plakatmacher noch diesen Satz hinterher: "Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, um den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren."

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Das umstrittene Plakat der Berliner Kriegsgegner. (© Foto: sde)

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Das prominent platzierte, aber bereits ältere Plakat kann aus aktuellem Anlass seit Anfang der Woche auf der gemeinsamen Internetseite des Berliner "Büros für antimilitaristische Maßnahmen" (BamM) und des Landesverbands Berlin-Brandenburg der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) wieder heruntergeladen werden.

Die Empörung schlägt hohe Wellen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) nannte das Plakat "geschmacklos und verantwortungslos". Es sei "ein Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen". Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) nannte den Vorgang eine "menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu überbieten ist".

Satire zur "Doppelmoral der Bundeswehr"

Selbst eine Sprecherin der Linkspartei nannte das Plakat "völlig inakzeptabel". Dabei ruft die Linkspartei gemeinsam mit dem DFG-VK regelmäßig zu Friedensmärschen auf - allerdings mit dem gemäßigteren Bundesverband. Diese Verbindung werde auch aufrechterhalten, sagte die Sprecherin.

René Schulz, einer der Sprecher des DFG-VK Berlin, verteidigt das Plakat. Der Eindruck, er freue sich darüber, wenn Soldaten sterben, sei falsch. Das Plakat sei vielmehr als "Satire" zu verstehen, um die Doppelmoral der Bundeswehr zu verdeutlichen, erst Soldaten in den Krieg zu schicken und sie dann als Helden zu verehren, sagte er zu sueddeutsche.de.

In einer von Schulz verantworteten Pressemitteilung im Namen des DFG-VK Berlin-Brandenburg geht er allerdings weiter: "Wer sich als Soldatin oder Soldat dazu bereitfindet, in den Krieg zu ziehen und Menschen umzubringen, soll sich nicht darüber beschweren, dass wir ihr/ihm keine Ehre erweisen." Ehrlos seien vielmehr Politiker, "die Krieg befehlen, aber auch Soldaten, die ihn ohne Not führen".

Viel mehr Sorgen macht Schulz sich offenbar, dass sein Verband mit dem Plakat jetzt ins Visier der rechtsextremen Szene geraten sei. In den einschlägigen Foren sind Kommentare wie diese zu lesen: "Für jeden, der einen solchen Linken aus dem Leben bombt, bin ich dankbar"; "Wenn mir das einer von denen in der U-Bahn sagt, dann wird man ihn aus der U-Bahn raustragen müssen"; "Dem Verfasser wünsche ich vom ganzen Herzen, zum Mordopfer zu werden und dass er keinen findet, der ihn schützen mag."

Der Bundesverband des DFG-VK hat für die Haltung des Landesverbandes indes wenig Verständnis. Bundessprecher Monty Schädel will zwar dem Landesverband keine Vorschriften machen, wie die ihre Arbeit zu machen hätten. Er merkt aber an, dass das keine "angemessene Form der Auseinandersetzung" sei. "Unser humanistisches Weltbild verbietet es, Genugtuung über den Tod eines Menschen auszudrücken." Das scheinen seine Gesinnungsgenossen in Berlin offenbar vergessen zu haben.

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(sueddeutsche.de/pir)