14 Millionen Pakistaner leiden unter den Folgen der Flut. Die Regierung ist überfordert. Doch die Taliban im Land wollen auf internationale Unterstützung bei der Krisenbewältigung verzichten. Das Geld fließe nur in die Taschen korrupter Beamter.

Das Militär hat nach den schlimmsten Überschwemmungen seit 80 Jahren in Pakistan zwar die Organisation der Hilfsmaßnahmen übernommen. Doch das politisch unruhige Land scheint mit der Bewältigung der Naturkatastrophe überfordert, die nach UN-Angaben schlimmer ist als der Tsunami 2004 in Asien und das Erdbeben in Haiti Anfang diesen Jahres. Diejenigen, die die Flut überlebt haben, sind nun von einer humanitären Katastrophe bedroht.

Flutopfer in Pakistan, AP Bild vergrößern

Nach den verheerenden Überschwemmungen hat das pakistanische Militär die Führung bei den Hilfsmaßnahmen übernommen - doch die Unterstützung kommt längst noch nicht bei allen Flutopfern an. (© AP)

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Die Vereinten Nationen warnten vor einer "zweiten Welle von Toten". Bislang sei die Anzahl der Toten auf unter 2000 begrenzt. Sollte aber nicht schnell Hilfe geleistet werden, bestehe die große Gefahr, dass viele weitere Menschen an Krankheiten und Unterernährung sterben könnten.

Die dringend benötigte Hilfe aus dem Ausland ist jedoch nicht bei allen willkommen: Die pakistanischen Taliban haben die Regierung aufgerufen, westliche Hilfen zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe abzulehnen. Das Geld fließe nur in die Taschen korrupter Beamter in den besonders betroffenen Regionen, sagte ein Sprecher der radikal-islamischen Bewegung als Begründung.

Die US-Regierung hatte am Dienstag ihre Hilfszusagen um 20 auf insgesamt 55 Millionen Dollar aufgestockt. Offiziell gilt Pakistan immer noch als wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan. In jüngster Vergangenheit waren allerdings geheime Dokumente des US-Militärs ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, die den Verdacht amerikanischer Militärs dokumentieren, der pakistanische Geheimdienst ISI unterstütze die Taliban.

Die Vereinten Nationen planen die größte Hilfsaktion in ihrer Geschichte: Am Mittwoch will Generalsekretär Ban Ki Moon in New York einen Spendenaufruf für die 13 Millionen pakistanischen Flutopfer starten. Moon hofft auf Hilfszusagen über mehrere hundert Millionen Dollar. Die Europäische Kommission hat weitere zehn Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan bereitgestellt.

Die offizielle Katastrophenhilfe für Pakistan ist nach Einschätzung der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland bisher völlig unzureichend. Der Grund sei das schlechte Image des Landes als Terrorstaat. "Im Moment stehen umgerechnet nur 2,40 Euro pro Flutopfer zur Verfügung", kritisierte Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam Deutschland. Nach Zahlen der Vereinten Nationen seien dem Land in den ersten zehn Tagen der Flutkatastrophe weniger als 45 Millionen US-Dollar (rund 32 Millionen Euro) für Nothilfen zur Verfügung gestellt worden. "Das ist extrem viel weniger als bei vergleichbaren Krisen."

Bei dem verheerenden Hochwasser kamen bereits mehr als 1600 Menschen ums Leben, zwei Millionen sind obdachlos. Die Opfer der Naturkatastrophe werfen ihrer eigenen Regierung vor, sie im Stich zu lassen: Präsident Asif Ali Zardari hatte trotz der schweren Überschwemmungen eine Reise nach Europa fortgesetzt und war erst am Dienstag in die Heimat zurückgekehrt.

In der Abwesenheit des Staatschefs traten die Taliban in einigen Regionen als Retter in der Not auf und sammelten so Sympathien in der Bevölkerung.

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(Reuters/jobr/mikö)