Interview: Barbara Vorsamer

Neun Prozent der Amerikaner geben in Umfragen an, dass sie niemals für eine weibliche Präsidentschaftskandidatin stimmen werden. Ob sich Hillary Clinton deswegen Sorgen machen muss, erklärt Politikwissenschaftlerin Karen O'Connor.

Karen O'Connor ist Professorin für Politikwissenschaft und Direktorin des Women and Politics Institute in Washington, D.C. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Frauen in der amerikanischen Politik. Zu diesem Thema hat sie mehrere Bücher veröffentlicht.

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Hillary Clinton auf Wahlkampftour (© Foto: AP)

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sueddeutsche.de: Einer Umfrage des Gallup-Instittus zufolge sagen neun Prozent der amerikanischen Wähler, dass sie niemals eine Frau zur Präsidentin wählen würden. In USA sind die Wahlen meistens sehr knapp. Hat Hillary Clinton also überhaupt eine Chance?

Karen O'Connor: Aber natürlich, diese neun Prozent brauchen ihr gar nichts auszumachen. Die meisten dieser Wähler sind weiße, republikanische Männer. Sie haben 2004 auch nicht für John Kerry gestimmt und würden niemals einen Demokraten wählen, auch keinen männlichen.

Für Hillary Clinton ist es ein viel größeres Problem, dass sie als Person so polarisiert. Neben den paar Leuten, die angeben, sie würden keine Frau wählen, gibt es eine Menge Leute, die sagen: "Ich hasse Hillary Clinton, ich werde sie niemals wählen."

sueddeutsche.de: Der Frauenfaktor spielt also eine geringe Rolle im Wahlkampf?

O'Connor: Genau. Ich glaube wirklich nicht, dass es bei den Angriffen auf sie um ihre Kandidatur als Frau geht, zum großen Teil jedenfalls nicht. Die Geschlechterfrage, also das Genderproblem, macht vielleicht fünf Prozent der Angriffe auf Hillary Clinton aus.

Wir sehen allerdings, dass die Republikaner sehr stark auf Hillary Clinton einschlagen. Die republikanischen Kandidaten reden nur von Hillary, Hillary, Hillary.

Bei der letzten republikanischen Debatte war "Hillary" das meist genannte Wort, noch vor "Krankenversicherung" und "Irak". Der abschätziger Ton, den sie dabei anschlagen, wird nicht ohne Wirkung auf die amerikanischen Frauen bleiben.

sueddeutsche.de: Welche Wirkung haben die ständigen Angriffe?

O'Connor: Bei einer Rede des republikanischen Kandidaten John McCain stellte ein Mann aus dem Publikum die Frage: "How are you going to get rid of that bitch?" Anstatt dass McCain sagte: "Entschuldigen Sie bitte, aber das ist eine unpassende Wortwahl, ich respektiere Senatorin Clinton, aber stimme mit ihr in vielen Punkten nicht überein", hat er einfach gelacht.

Ich glaube, dass sich Frauen sehr über diese abschätzige Art der Republikaner ärgern. Wenn sie sehen, wie die Republikaner das immer und immer wieder machen, werden sie darüber nachdenken, ob sie ihre Töchter so behandelt sehen möchten.

Wir wissen, dass sich viele weibliche Wähler erst wenige Tage vor der Wahl entscheiden. Und wenn die republikanische Kampagne den Tenor "bitch" einschlägt, werden die Wählerinnen das abstrafen.

suedeutsche.de: Wie kommt die Kandidatin Clinton bei den amerikanischen Frauen an?

O'Connor: Ganz anders als man es erwarten könnte. Hillary Clinton liegt bei Frauen mit Universitätsabschluss und beruflichem Erfolg in manchen Umfragen sogar hinter ihren Konkurrenten. Dabei gehört sie doch eigentlich selbst zu dieser Gruppe.

Wir spekulieren viel darüber, warum sie bei diesen Frauen so schlecht ankommt. Ich glaube, sie sind der Meinung, dass du deinen Mann rausschmeißen solltest, wenn er dich ständig betrügt - und dass du in der Lage sein solltest, dein Leben auch alleine zu leben, vor allem, wenn du eine erfolgreiche Anwältin und Politiker bist.

Die beruflich erfolgreichen Frauen muss Hillary Clinton wieder von sich überzeugen, wenn sie gewinnen will. In Iowa, wo im Januar die erste Vorwahl ist, zielt ihre Kampagne sehr heftig auf diese Wählergruppe ab.

sueddeutsche.de: Und wie ist es mit den anderen Frauen?

O'Connor: Ironischerweise kommt sie bei alleinstehenden Frauen und bei Frauen mit niedriger Bildung wirklich gut an. Auch die Frauen, die wir in den USA "Soccer Mums" nennen, also Mütter aus der Mittelschicht, können sich für Hillary Clinton erwärmen. Sie haben bisher für George W. Bush votiert, davor haben sie wegen seiner Sozialpolitik für Bill Clinton gewählt.

Sollte 2008 Rudy Giuliani gegen Hillary Clinton antreten, könnte es sein, dass sich die Soccer Mums für Hillary Clinton entscheiden. Berechnungen zufolge muss sie etwa sieben Prozent dieser Frauen für sich gewinnen, um die Wahl für sich zu entscheiden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie O'Connor Clintons Chancen einschätzt.

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