Hexenprozesse Unschuldig

Gefoltert, verurteilt, lebendig verbrannt: In Bernau bei Berlin wurden 25 Frauen und drei Männer wegen Zauberei getötet. Nun, 400 Jahre nach diesen Prozessen, rehabilitiert Bernau diese "Hexen". Das soll auch ein Signal für die Gegenwart sein.

Von Jens Schneider

Die Liste ist lang. Namen von 25 Frauen und drei Männern stehen in der Chronik der Stadt Bernau bei Berlin. Sie alle wurden in Hexenprozessen wegen angeblicher "Zauberei" gefoltert, verurteilt und mitunter bei lebendigem Leib verbrannt. Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1536, der Name Frau Blankenburg wurde notiert. Bald darauf fiel eine Großmutter Meermann der Verfolgung zum Opfer. Im Jahr 1617 wurden in der Stadt vier Frauen als Hexen gequält und hingerichtet.

"Das war der erste Höhepunkt dieser dunklen Epoche", sagt Sören-Ole Gemski. Er ist Historiker und Stadtverordneter der Linken in Bernau und zählte zu den treibenden Kräften einer außergewöhnlichen Initiative: Vier Jahrhunderte später hat die Brandenburger Kleinstadt die 28 Opfer der Hexenverfolgung aus den Jahren bis 1658 jetzt rehabilitiert. "Die Rehabilitation der unschuldig gequälten und hingerichteten Opfer der Hexen- und Zaubererverfolgung in Bernau während des 16. und 17. Jahrhunderts ist ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung", heißt es im Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Man gedenke der Opfer und gebe ihnen damit heute im Namen der Menschenrechte ihre Ehre zurück. Was kurios klingt, hat, wie Gemski berichtet, eine lange Vorgeschichte.

Es wurde sogar diskutiert, die Prozesse von damals wieder aufzurollen

Schon lange recherchierten Heimatforscher, aber auch Bernauer Schüler die Geschichte der Hexenprozesse. Schließlich entstand der Wunsch, Zeichen der Erinnerung zu setzen. Im Jahr 2005 wurde am Henkerhaus an der alten Stadtmauer ein Denkmal zu Ehren dieser Opfer errichtet. Vor gut zwei Jahren setzten die Überlegungen ein, wie man die Verfolgten rehabilitieren könnte. Historiker, interessierte Bürger, auch Vertreter der Kirche diskutierten. Im März erinnerte in einem Gottesdienst in Bernaus St. Marienkirche Ulrike Trautwein, Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche, an das Unrecht gegen die Hexen. Sie sprach von einem Akt der Buße. "Wir erinnern an die ermordeten Menschen, indem wir ihre Namen lesen, ihr Schicksal anschauen", sagte sie in der Predigt. "Wir erinnern an die Schuld, die unsere Vorfahren im Namen unseres christlichen Glaubens auf sich geladen haben." Die Theologin wollte den Schritt auch als Zeichen gegen Stigmatisierungen von Menschen heute verstanden wissen. Auch der Historiker Gemski spricht davon, dass ein Signal gegen üble Nachrede heute gesetzt werde. Der Beschluss passe auch in das Lutherjahr. Es gehe darum, das Unrecht beim Namen zu nennen und die Menschen posthum wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen. Es wurde auch erwogen, die Prozesse aufzurollen, um die Rehabilitation zu vollziehen berichtet Gemski. Doch das sei juristisch schlicht unmöglich.

In der kleinen Stadt ist die Idee anfangs auch belächelt worden. Es habe Gegenwind gegeben, sagt der Historiker. Am Ende stimmten die meisten Stadtverordneten dafür.