In Hessen muss wieder der Wähler entscheiden. Das hessische CDU-Präsidium sprach sich klar für einen Urnengang aus, wie Ministerpräsident Roland Koch in Frankfurt am Main mitteilte. Umfragen sagen einen Absturz der SPD voraus.

Die hessische CDU tritt nach der gescheiterten Regierungsübernahme durch Rot-Grün für Neuwahlen am 18. Januar ein. Die CDU-Fraktion solle in der nächsten Landtagssitzung den Antrag auf Auflösung des Parlaments stellen, beschloss der CDU-Landesvorstand am Donnerstag in Frankfurt.

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Bei Neuwahlen könnte Roland Koch mit einer Mehrheit für CDU und FDP rechnen. (© Foto: AP)

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Da sich zuvor bereits FDP, Grüne und Linke für Neuwahlen ausgesprochen hatten, gibt es nun eine Mehrheit im Landtag für diesen Schritt. Die SPD hat sich nach dem Scheitern ihrer Vorsitzenden Ypsilanti noch nicht festgelegt.

Der Landesvorsitzende und Ministerpräsident Roland Koch soll bei Neuwahlen wieder als Spitzenkandidat antreten. Koch sagte, alle Gespräche über eine andere Regierungsbildung im gegenwärtigen Landtag hätten keine Perspektive aufgezeigt.

Ypsilanti wollte sich am Dienstag mit den Stimmen von SPD, Grünen und der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Vier Abgeordnete aus ihrer eigenen Partei hatten ihr jedoch zuvor überraschend die Unterstützung verweigert, die Abstimmung wurde daher abgesagt. Kochs Regierung ist bisher nur geschäftsführend im Amt.

CDU und FDP mit Mehrheit

Die CDU folgt mit ihrer Entscheidung der Meinung von fast 80 Prozent der Hessen, die einer Umfrage zufolge für Neuwahlen sind. Würde bereits am Sonntag tatsächlich ein neuer Landtag gewählt, hätten CDU und FDP eine Mehrheit von 52 Prozent, ermittelte Infratest dimap.

Die SPD würde nur noch 27 Prozent erreichen und damit erdrutschartige Verluste um knapp zehn Prozent verkraften müssen. Die CDU könnte mit 41 Prozent der Stimmen rechnen. Das wären gut 4 Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl im Januar 2008. Die FDP käme auf 11 Prozent und würde 1,6 Prozentpunkte zulegen. Die Grünen würden sich um 4,5 Prozentpunkte auf 12 Prozent verbessern, die Linkspartei bei fünf Prozent der Wählerstimmen verharren.

Bei der Wählerumfrage waren 15 Prozent der Meinung, dass Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unter den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen im Landtag versuchen sollte, eine Regierung zu bilden. Bei einer Direktwahl des Regierungschefs würden sich 43 Prozent für Roland Koch aussprechen. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage im September. Andrea Ypsilanti (SPD) würde bei einer Direktwahl 24 Prozent erreichen und damit zwölf Zähler weniger als noch im September.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ergab außerdem, dass 63 Prozent der Bürger der Meinung sind, die vier Abgeordneten hätten richtig gehandelt. 25 Prozent seien dagegen der Meinung, sie hätten der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti ihre Stimme nicht verweigern dürfen.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte zuvor einem Bündnis mit der SPD in Wiesbaden eine Absage erteilt. Koalitionsgespräche halte er derzeit für "schwer vorstellbar", sagte er der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen. Auch die SPD ging am Donnerstag deutlich auf Distanz zu einer Großen Koalition.

"Wir haben ein Problem, mit einer Partei zu verhandeln, die einen Beschluss - mit allen außer der CDU zu sprechen - gegen uns gefasst hat", sagte Koch. Entsprechende Beschlüsse habe die CDU nur gegen extremistische Parteien gefasst: "Ich glaube, das wird die SPD auch nie wieder so machen, aber erst mal ist er in der Welt."

"Wir wollen keine große Koalition"

"Wir wollen keine große Koalition", betonte auch der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Süd, Thorsten Schäfer-Gümbel. Niemand im mitgliederstärksten hessischen SPD-Bezirk halte ein Bündnis mit der Union für zukunftsfähig. Es sei aus Sicht der SPD auch keinesfalls das kleinere Übel.

Der hessische SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt sagte im SWR-Fernsehen, seine Partei werde in der gleichen Aufstellung in den Wahlkampf ziehen wie vor einem Jahr. "Wir werden sicherlich mit Frau Ypsilanti antreten und wir werden - das ist mir noch viel wichtiger - mit den gleichen Inhalten antreten." Die SPD werde für diese Inhalte streiten, "und dann wird man sehen wie das Wahlergebnis ist".

Abweichler attackieren Ypsilanti

Die vier Abweichler in der SPD-Landtagsfraktion gaben Ypsilanti unterdessen in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Schuld an der schwierigen Lage der Landespartei. "Wenn Politik Züge von Religion annimmt, führt das zwangsläufig zum Ausblenden von kritischen Stimmen", sagte die Abgeordnete Carmen Everts. Ypsilanti habe auf ihrem Weg zu einer von der Linkspartei tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung eine "Basta-Politik" verfolgt. Sie sprachen außerdem mit Blick auf die hessische SPD von "Personenkult" und "Stromlinienförmigkeit".

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/segi)