Von Christoph Hickmann

Die hessische SPD bereitet sich auf einen personellen Neuanfang vor: Wenn die Wahl vorbei ist, wird die innerparteiliche Auseinandersetzung beginnen.

Es ist eine seltsame Situation für die hessische SPD in diesen letzten Tagen und Stunden vor der Wahl, denn mindestens ebenso gespannt wie auf das (aller Wahrscheinlichkeit nach verheerende) Wahlergebnis wartet man in der Partei auf die dann folgenden Ereignisse.

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Wie geht's weiter für Thorsten Schäfer-Gümbel? Nach der Wahl wird in der Hessen-SPD die Personalfrage diskutiert werden. (© Foto: dpa)

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Es wird für die Sozialdemokraten am Sonntag nicht nur darum gehen, ob sie es über jene 24 oder 25 Prozent schaffen, bei denen sie zuletzt in den Umfragen lagen. Es wird auch (nach Meinung vieler: vor allem) darum gehen, wie es dann weitergeht in der Partei.

Wenn der eigentliche Wahlkampf vorbei ist, wird die innerparteiliche Auseinandersetzung beginnen, der Kampf um die personelle wie inhaltliche Gestaltung des Neuanfangs nach einem desaströsen Jahr 2008.

Zwar dürfte es auch Forderungen nach dem Rücktritt des gesamten Landesvorstands geben, doch das Augenmerk wird sich vor allem auf zwei Personen richten: den Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel und Landeschefin Andrea Ypsilanti.

Schäfer-Gümbel, das ist in seinem Umfeld zu erfahren, will beide Spitzenpositionen für sich beanspruchen - sowohl den Vorsitz des Landesverbands als auch den der Landtagsfraktion.

Er kann dabei auch auf die Unterstützung des überwiegenden Teils bei den Netzwerkern und Parteirechten zählen. Zwar fordern sie von ihm, dem Parteilinken, personell eingebunden zu werden, wollen ihn aber grundsätzlich an der Spitze sehen. Auch aus ihrem Lager wurde ihm in den vergangenen Tagen nahegelegt, seinen Anspruch noch am Sonntagabend zu äußern, möglichst früh - um gar nicht erst die Gefahr aufkommen zu lassen, dass sich bis zur Sitzung des Landesvorstands am nächsten Tag etwaige Konkurrenten ins Spiel bringen.

Voraussetzung dafür ist zum einen ein Ergebnis, das von den Umfragewerten nicht wesentlich nach unten abweicht. Zum anderen kommt einiges auf die Erklärung Ypsilantis an. Die allermeisten erwarten, dass sie noch am Abend beide Ämter zur Verfügung stellen wird.

Es gibt aber auch vereinzelt die Befürchtung, sie könnte sich nicht eindeutig genug äußern. Mitte Dezember hatte sie angekündigt, die Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen.

Noch ein dritter Name fällt derzeit immer wieder: Manfred Schaub, Baunataler Bürgermeister und Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Nord. Der als pragmatisch geltende stellvertretende Landeschef sei der Richtige, um die gespaltene Partei wieder zusammenzuführen, so kolportieren es seine Anhänger - verbunden mit dem Hinweis, dass es sinnvoll sei, Fraktions- und Landesvorsitz auf zwei Personen zu verteilen.

Nach dem zweiten gescheiterten Anlauf Richtung Rot-Grün-Rot hatte Schaub allerdings die Spitzenkandidatur ausgeschlagen, was ihm viele noch übelnehmen.

Schäfer-Gümbel hingegen hat sich durch seinen Wahlkampf Respekt auch bei denen erarbeitet, die seine Kür zum Kandidaten mehr als skeptisch gesehen hatten. Während die Partei einer schweren Niederlage entgegenblickt, hat er bereits gewonnen.

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(SZ vom 17.01.2009)