Von Michael Bauchmüller und Susanne Höll

Die hessischen Verhältnisse sind beendet. Klar ist, dass das Land wieder mit einer überzeugenden Mehrheit aus CDU und FDP regiert werden kann - und dass die SPD damit nichts mehr zu tun hat. Wie die CDU ihr Ergebnis schönredet und die SPD Konsequenzen zieht.

Ein Triumph sieht anders aus. Applaus erntet im Konrad-Adenauer-Haus der CDU nur das miserable Ergebnis der SPD. Und das Ergebnis der CDU? Trifft auf gefasstes Schweigen. Während die Liberalen, der mutmaßliche Koalitionspartner an diesem Sonntag, uneingeschränkt jubeln können, muss die Union abermals gut Wetter machen. 36,8 Prozent hatte sie bei der letzten Wahl erreicht, viel mehr ist es auch diesmal nicht. So viel also wie beim schlechtesten Ergebnis seit Jahrzehnten.

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Roland Koch (CDU) wird in Hessen wieder Ministerpräsident - und seine Partei in einer Koalition mit der FDP regieren. (© Foto: Reuters)

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Ronald Pofalla, der vor einem Jahr noch Mühe hatte, aus einer Niederlage bei der ersten Hessen-Wahl vor den Kameras das Beste zu machen, hat dasselbe Problem jetzt mit einer glanzlosen Spitzenposition. "Die CDU hat die Wahl gewonnen", erklärt der CDU-Generalsekretär. "Der Wahlsieger des heutigen Abends heißt Roland Koch."

Klar, das muss Pofalla sagen, dafür wird er bezahlt. Außerdem ist Koch seit vielen Jahren ein enger Freund von ihm. Aber für diese Botschaft wirkt Pofalla doch merkwürdig ernst, und seine Zuhörer brechen nicht in Jubel aus.

Seltsame Stimmung bei der Wahlparty

Es ist ein zwiespältiger Abend für die Unionsanhänger in Berlin. Ja, Roland Koch bleibt. Aber: Nein, die Niederlage von 2008 hat er nicht hinter sich lassen können. Gemessen daran, dass Roland Koch in Hessen auch schon einmal mit einer absoluten Mehrheit regiert hat, ist das alles andere als ein erfolgreiches Comeback.

Der Spitzenkandidat wird wieder Ministerpräsident, obwohl er in absoluten Stimmenzahlen noch schlechter abgeschnitten hat als vor einem Jahr.

Dabei hatten sie so gehofft, dass ein geläuterter, geradezu demütig auftretender Roland Koch aus dem Desaster der Hessen-SPD profitieren könnte. Roland Koch, der um eine polarisierende Kampagne sonst nie verlegen war, blieb diesmal ganz still.

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Gestärkt hat das aber nur die FDP. Die Unionsspitze spricht jetzt von einem "Negativ-Marketing" gegen Koch durch SPD und Grüne - ein bemerkenswerter Vorwurf zum Schutze ausgerechnet des Scharfmachers a.D. Koch.

Doch das Ergebnis in Sitzen und Prozenten ist der Union ohnehin nicht das Wichtigste an diesem Wahlabend, dafür taugt es einfach nicht. 2009 ist Super-Wahljahr, und deshalb ist die Niederlage der anderen schon Erfolg genug. Und diese Niederlage ist evident, das gefällt dem Generalsekretär sichtlich gut.

"Die CDU in Hessen ist genauso stark wie SPD und Grüne zusammen", rechnet Pofalla den CDU-Anhängern in Berlin vor. "Wenn das die Vorlage für die Bundestagswahl ist, nehme ich diese Vorlage gerne auf." Worauf auch im Konrad-Adenauer-Haus mal kurz gejubelt wird. "Wir haben alle Chancen, im Bund nun 40 Prozent plus X zu gewinnen." Für den Rest gibt es ja die FDP.

Es ist ganz offensichtlich: Was für die Union in Berlin jetzt zählt, sind die Botschaften jenseits des Wahlergebnisses. Die SPD hat die in Zahlen gegossene Watschen vom Wähler bekommen. Die FDP wird zunehmend zum lachenden Dritten der großen Koalition.

Und die Union, immerhin, bleibt trotzdem unangefochten an der Spitze. Da darf jetzt keiner entkommen, nichts darf ungesagt bleiben. "Es ist auch eine Quittung für mangelnde Führungskraft von Herrn Steinmeier in der Bundes-SPD", sagt Pofalla. Und umgekehrt natürlich sei der Erfolg der Hessen-CDU auch einer der Bundes-CDU.

Es ist eben alles Ansichtssache: "Vor einem Jahr war der Abstand zwischen CDU und SPD gering, jetzt liegt er bei 14 Prozent." Und da brandet doch etwas wie Begeisterung auf im Konrad-Adenauer-Haus: Das klingt doch gleich nach was. Klingt jedenfalls viel besser als das Ergebnis von Roland Koch.

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