Ministerpräsident Roland Koch gibt sich selbstbewusst und kündigt an, die Regierung in Hessen zu bilden. Eine Große Koaltion hält er für "fast nicht vorstellbar".
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat seinen Anspruch auf die Regierungsbildung in Hessen angemeldet. Trotz der hohen Verluste bei der Landtagswahl für seine Partei sagte Koch am Montag vor einer Sitzung des CDU-Präsidiums in Berlin: "Zunächst einmal gibt es einen Regierungsauftrag für die stärkste Partei."
Roland Koch:"Dieses Ergebnis ist sehr schwierig. Ob das lösbar ist, weiß kein Mensch heute." (© Foto: dpa)
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Allerdings erwarte er eine zähe Phase der Regierungsbildung. "Dieses Ergebnis ist sehr schwierig", sagte Koch. "Ob das lösbar ist, weiß kein Mensch heute."
Die CDU wurde am Sonntag knapp vor der SPD zur stärksten Fraktion in den hessischen Landtag gewählt, doch hat weder eine schwarz-gelbe noch eine rot-grüne Koalition eine Mehrheit.
Dennoch räumte Koch ein: "Eine Große Koalition ist mit diesem Programm fast nicht vorstellbar." Die SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti müsse sich zudem nun entscheiden, ob sie ein linkes Bündnis eingehen wolle.
In den nächsten Tagen werde Koch darüber nachdenken, was zu diesem Ergebnis geführt hat. "Da sind wir nicht ignorant und unsensibel." Die CDU in Hessen werde bereit sein, Verantwortung zu tragen. "Aber wir sind nicht bereit, unsere Identität aufzugeben", betonte er.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hob hervor: "Roland Koch bleibt Ministerpräsident." Er habe einen klaren Regierungsauftrag. Er werde in Kürze mit der Suche nach einem Koalitionspartner beginnen und Regierungschef bleiben. CDU und FDP lägen deutlich vor Rot-Grün.
Die Forderung der Sozialdemokraten, Ypsilanti zur Ministerpräsidentin zu küren, lehnte Pofalla in scharfer Form ab. "Die SPD soll sich mal nicht so aufblasen", sagte er im ZDF. "Für einen Auftrag an Frau Ypsilanti gibt es überhaupt keine Grundlage. Ich bin sicher, dass das die Sozialdemokraten im Laufe des heutigen Tages lernen."
Die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti könne nur Ministerpräsidentin werden, wenn sie einen "Wortbruch" begehe, sagte Pofalla in Anspielung auf die Ankündigung Ypsilantis, mit der Linkspartei nicht zusammenzuarbeiten.
Unterstützung erhält Koch auch von seinem Parteikollegen aus Niedersachsen: Ministerpräsident Christian Wulff verwies darauf, dass Koch als hessischer Ministerpräsident gebraucht werde. Das Ergebnis vom Sonntag zeige, dass die CDU auf einen "sehr sachlichen, argumentativen Wahlkampf setzen" sollte. Wulff fügte hinzu: "Das ist die Konsequenz für den Bundestagswahlkampf."
Erste kritische Töne an Kochs Wahlkampf kommen aus dem Saarland. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) ließ bereits durchblicken, dass die Union in Hessen zu wenig auf die Themen Wirtschaft und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gesetzt habe.
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis büßte die CDU in Hessen zwölf Punkte ein und kam auf 36,8 Prozent. Sie hat nur noch 3595 Stimmen Vorsprung vor der SPD, die 36,7 Prozent erreichte - das ist ein Plus von 7,6 Punkten gegenüber der Wahl von 2003. Die Linke schaffte mit 5,1 Prozent erstmals den Einzug ins Parlament. Damit ist völlig offen, welche Koalition künftig regieren wird.
Die Grünen erzielten 7,5 Prozent (-2,6 Punkte). Die Liberalen gewannen 1,5 Punkte dazu und kamen auf 9,4 Prozent. Im 110-köpfigen Parlament haben CDU und SPD nun jeweils 42 Mandate, die FDP elf, die Grünen entsenden neun und die Linke sechs Abgeordnete. Bei der letzten Landtagswahl 2003 hatte die CDU mit 48,8 Prozent ihr bisher bestes, die Sozialdemokraten mit 29,1 ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis erzielt. Die Grünen kamen auf 10,1, die Liberalen auf 7,9 Prozent.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(AFP/Reuters/AP/dpa/bica/maru)
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Ich habe das auch durch Zufall erfahren.Der Artikel so ih das noch weiß ist entweder Artikel 100 oder 101. Warum, hm, ich war auch erstaunt, sollte man mal in den Protokollen der verfassungsgebenden Versammlung nachsehen.
Hessen hat aber als einziges Bundesland diesen Artikel. Da sehen Sie mal wieder wie reich unsere BRD ist. ;-)
Danke für die Aufklärung! Wissen Sie, warum das so geregelt ist? Warum wählt man erst geheim und muss sich dann aber doch offenbaren? Welche Überlegung steckt dahinter? - Nicht gut finde ich, dass das unterschiedlich gehandhabt wird in den Bu-Ländern. So eine Sauerei wie in SW wäre in Hessen also nicht möglich.
Mir eröffnet sich nicht die Argumentation, wie kann ich von einer gewonnenen Wahl sprechen wenn mir 12% der Wähler abhanden gekommen sind. Wenn selbst Konservative,
der Gruppe 60+ deshalb nicht zur Wahl gingen, weil sie sich mit der "vulgären" Art des Wahlkampfes von Herrn Koch nicht zurecht kamen. Andere Konservative gingen deshalb zur FDP, aus gleichem Grund. Die Gruppe 20+ gingen zuhauf zur SPD rüber, weil Koch nicht das Thema bediente das auf den Nägel brannte.Koch hat einen Wahlkampf geführt der in den 50er und 60er sich richtige gewesen wäre, jedoch heute nicht mehr verstanden wird.
Dann, die Linke, wurde nur deshalb gewählt, weil die SPD vielen "Linken" keine Heimat mehr bietet.
Ich denke die Parteien in Hessen sollten eine neue Wahl ausrufen.
Thema: Die Parteien wählen sich ihr Volk selber.
Umgekehrt ist ja die Unzufriedenheit zu groß.
Zitat: "Noch was: Ich denke, die Wahl ist geheim. Wer will denn wem nachweisen können/dürfen, wen er gewählt hat."Zitat end
In der hessischen Verfassung gibt es noch eine Besonderheit, wonach der MP danach in offener Wahl bestätigt werden muss. Also erst geheime Wahl des MP und dann offene Wahl die den MP bestätigt.
ist es den Wählerwillen umzusetzen. Ich denke man kann davon ausgehen, daß die Mehrheit der Wähler(SPD,GRÜNE, LINKE) Herrn Koch nicht mehr als Regierungschef sehen wollen. Hier wird gerne den Linken-Wählern ein Frustpotential zugeordnet, jedoch sind auch die "Frustwähler" der Ansicht, daß man von Koch genug hat. Wenn man dann noch den Bodensatz der CDU-Wähler, die auch die CDU wählen würden, wenn die einen Besenstiel als Spitzenkandidaten aufstellen würden, ins Kalkül zieht, kann man sicher sagen, daß die überwältigende Mehrheit der Hessen findet:
Schon ein Kochs verdirbt den Brei.
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