Ein Kommentar von Charlotte Frank

Diamorphin ist für manche Heroinsüchtige der letzte Ausweg aus schwerster Abhängigkeit. Dass die kontrollierte Abgabe nun erlaubt ist, macht den Staat nicht zum Dealer.

Bis zuletzt hatten Gegner aus der Union versucht, die Abgabe von Diamorphin auf Rezept, künstlich hergestelltem Heroin, zu verhindern; sie hatten vor dem "Staat als Dealer" gewarnt und vor dem "Kick auf Krankenschein" - das Thema bietet sich an für solche Polemik. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der Bundestag die staatlich kontrollierte Abgabe von Diamorphin nun beschlossen hat. Künftig können Schwerstabhängige Heroin vom Arzt verschrieben bekommen.

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Kein Kick auf Krankenschein, sondern notwendige Hilfe für schwerst Süchtige: Diamorphin-Therapie (© Foto: AP)

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Das hatte bei Kritikern zu heftiger Ablehnung geführt, weil sie meinten, der Staat würde Sucht bedienen, anstatt Wege aus ihr zu zeigen. Das wirkt jedoch vor allem ideologisch motiviert.

Denn bei der Diamorphin-Therapie geht es gerade nicht darum, jedem Junkie kostenlos Stoff zu liefern. Vielmehr sieht das Gesetz enge Schranken vor: Zum Zuge kommen sollen nur Süchtige, die seit mehr als fünf Jahren abhängig sind und denen mit Methadon nicht zu helfen war. Modellversuche haben gezeigt, dass Abhängige, die jahrelang scheinbar austherapiert in der Drogenszene steckten, dadurch wieder zurück in ein geregeltes Leben finden konnten - mit einer geringeren Rückfallquote als bei der Methadon-Behandlung.

Dass die Union die Modellversuche dennoch für unzureichend erklärte, liegt wohl auch daran, dass Diamorphin teurer ist als Methadon. Experten schätzen aber, dass sich die Kosten durch verminderte Beschaffungskriminalität und weniger Aids- und Hepatitisfälle amortisieren.

Es ist gut, dass sich die Mehrheit des Parlaments dieser Logik nicht verschlossen hat. Durch die Diamorphin-Abgabe auf Rezept wird der Staat nämlich eben nicht zum Dealer. Sondern er weist Menschen den womöglich letzten Ausweg aus schwerster Drogensucht.

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(sueddeutsche.de/bavo)