Von Bernd Oswald

Deutschlands zurzeit berühmtester Hartz IV-Empfänger hat die Chuzpe, Ministerpräsident Beck abblitzen zu lassen. Den vier Millionen Arbeitslosen in diesem Land erweist er so einen Bärendienst.

Kurt Beck hat Wort gehalten: Er hat dem Arbeitslosen Henrico Frank sowohl Jobangebote vorgelegt als auch Termine für ein persönliches Gespräch angeboten. Einen für Dienstag, einen für Mittwoch. Henrico Frank hat beide abgesagt. Erst mit der Begründung, Beck habe einen "herablassenden Umgangston" gepflegt.

Henrico Frank wollte sich nicht mit Kurt Beck treffen (© Foto: ddp)

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Nun ist ihm eingefallen, dass er auch einen Termin mit Kirchenvertretern hat, die die Wiesbadener Hartz IV-Plattform unterstützen. Zwei völlig zusammenhangslose Gründe, nein Ausreden, die Frank entlarven.

Wer einen Termin mit einem Ministerpräsidenten bekommt, muss alles andere stehen und liegen lassen. Zumal wenn er sich in so einer prekären Situation befindet. Die Kirchen hätten bestimmt Verständnis gehabt.

Auch der Vorwurf, Kurt Beck sei herablassend gewesen, ist Unsinn. Er war vielleicht beim ersten Zusammentreffen etwas forsch ("Waschen und rasieren Sie sich!"), aber danach ein Mann des Wortes. Beck hat Initiative gezeigt und acht Jobangebote für den gelernten Maurer aufgetan.

Henrico Frank sagt selbst nichts zu dem Fall und lässt seine Kollegin vom Hartz IV-Forum sprechen: Die Jobangebote würden geprüft und dann bewertet. Von Dankbarkeit, Enthusiasmus und Aufbruchstimmung keine Spur.

Mit seinem lethargischen Verhalten erweist Frank den vier Millionen Arbeitslosen in diesem Land einen Bärendienst. So werden Vorurteile über mangelnde Initiative von Arbeitssuchenden bestätigt.

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(sueddeutsche.de)