Von Renate Meinhof

Zwölf Kilometer Eisen und Stacheldraht sollen im Juni die Politik vom Rest der Welt trennen, die Anwohner fühlen sich schon jetzt als Zaungäste.

Um eine Ahnung zu bekommen, muss man von Vorder Bollhagen über Hinter Bollhagen nach Klein Bollhagen fahren, die Straße zwischen den Äckern entlang, deren Schollen jetzt aufgeworfen im Regen liegen, blank und abgewetzt wie alte Möbelstücke. Von der Straße aus sieht man den Zaun, der vor Hinter Bollhagen ein Wäldchen verlässt und am Ortseingang eine schöne Schleife macht. Nun ist die Schleife noch nichts als ein reifenzerwühlter Platz, aber die Leute im Dorf nennen ihn schon Checkpoint Charlie, weil dort bald Autos kontrolliert werden, und Menschen auch. Mitte Mai wird der Zaun zwölf Kilometer lang sein, er wird in weitem Bogen die weißen Villen am Strand umschließen, in denen sich an drei Tagen im Juni die Regierungschefs der größten Industrienationen der Erde zum G-8-Gipfel zusammenfinden. Angela Merkel hat sie nach Mecklenburg-Vorpommern eingeladen, in das älteste Bad an der deutschen Ostseeküste, nach Heiligendamm.

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Auch der Zaun soll dafür sorgen, dass es schöne Bilder sind, die von hier in die Welt gehen, sechstausend Journalisten werden kommen, heißt es. Dass Zäune gezogen werden, um Schönes von weniger Schönem, Arm von Reich oder Gipfelgegner von Gipfeltreffen fernzuhalten, ist nun gar nichts Neues. Man muss eine Weile durchs Land reisen, mit Menschen reden, um eine Ahnung zu bekommen, dass es aber ein Unterschied ist, in Seattle, Gleneagles oder Genua einen Zaun zu ziehen, oder eben hier, in Ostdeutschland.

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