Von Arne Boecker

Warten auf die Superreichen: Ende der neunziger Jahre hat die Fundus-Gruppe von Großinvestor Jagdfeld das brachliegende Heiligendamm gekauft. 2003 öffnete das Grand Hotel Kempinski. Dennoch fällt es dem Investmentberater schwer, dem Seebad Leben einzuhauchen. Der G-8-Gipfel soll nun die Wende bringen.

Am Montagabend hatten ein paar Rentner in Windjacken noch Fotos gemacht vor dem Grand Hotel. Ein halbes Dutzend junger Leute in schwarzen Kapuzenpullovern krakeelten auf der Promenade herum: "Wir kommen wieder!" Am Dienstagmorgen dann schloss das Grand Hotel.

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Seitdem bereitet sich das Management auf die sehr speziellen Gäste vor, die von Mittwoch bis Freitag hier logieren. Acht Staats- und Regierungschefs repräsentieren jene Länder, von denen behauptet wird, sie seien - wirtschaftlich gesehen - die wichtigsten der Welt.

Auf der Terrasse sitzt bei einem Cappuccino Anno August Jagdfeld, Wind zaust den Milchschaum. "Dies ist mein Lieblingsplatz", sagt er. Von hier aus hat man halb Heiligendamm im Blick.

Der 60-Jährige ist Steuer- und Investmentberater. Ende der neunziger Jahre hat seine Fundus-Gruppe das brachliegende Heiligendamm gekauft, 2003 öffnete das Grand Hotel Kempinski. Der Fundus-Gruppe fällt es allerdings sehr schwer, dem traditionsreichen Seebad Leben einzuhauchen. Der G-8-Gipfel ist nicht nur eminent wichtig für Afrika, Klimaschutz und Weltwirtschaft. Er ist auch so etwas wie die letzte Chance für Jagdfelds Vision, die Reichen und Reichsten in ein Resort zu locken, das für sie gefühlsmäßig immer noch mitten in der DDR zu liegen scheint.

Jagdfelds Eltern betrieben im rheinischen Jülich eine Tischlerei. Weil der Vater früh starb, musste der Sohn beim Ausliefern der Möbel helfen, noch während er zur Schule ging - eine Klosterschule. Hinterher studierte Jagdfeld unter anderem Betriebswirtschaft und ließ sich zum Steuerberater ausbilden. 1975 gründete er die Fundus-Gruppe. Diese legte Immobilienfonds auf und baute Bürotürme in Berlin, aber auch "Baumärkte in Hückelhoven", sagt Jagdfeld. Die Bauherrenmodelle der Siebziger und Achtziger machten ihn reich, während die Anleger Steuern sparten. Fünf Milliarden Euro hat Fundus bislang eingeworben.

Auch ein paar Tage vor dem Gipfel in seinem Vorzeige-Objekt Heiligendamm wirkt Jagdfeld entspannt. Die Beine übereinandergeschlagen und eine Hand in der Hosentasche doziert er in rheinischem Singsang. Gern zitiert er deutsche, lateinische und fernöstliche Weisheiten.

"Es war Liebe auf den ersten Blick"

Dieser leise, unscheinbare Mann hält sich seit mehr als drei Jahrzehnten in einem Haifischbecken über Wasser, an dessen Rand viele Anwälte gutes Geld verdienen. Auch Jagdfeld ist schon verklagt, aber nie verurteilt worden. Der Vorwurf, er und seine Familie verdienten an den Fundus-Projekten am besten, steht seit langem im Raum, ist aber kaum justitiabel. Er hält auf Distanz, dieser Anno August Jagdfeld; Persönliches, gar Privates verrät er nicht. Was man weiß: Er ist verheiratet und hat fünf Söhne.

Dass Jagdfeld für 7,5 Millionen Euro Heiligendamm gekauft hat, ist sein bisher größter Sieg. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt er. Auf lange Sicht "setzen sich echte Werte durch". Jagdfeld gibt zu, dass unter Umständen erst die Enkel der Anleger finanziell von dem Engagement profitieren. Heiligendamm, dieses Arkadien im mecklenburgischen Sand, funktioniert nämlich bislang nicht. Das Hotel ist schlecht ausgelastet, Banken werden ungeduldig, Fondszeichner verweigern frisches Geld.

Anfangs hatten Anlieger und Durchreisende das Refugium belagert. "Es kamen bis zu 5000 Gaffer pro Tag", seufzt Jagdfeld. Also schottete sich das Hotel ab, was wiederum die Vorbehalte verstärkte. "Wir hätten gleich deutlich machen müssen, für wen das hier gedacht ist", sagt Jagdfeld. "Ja, das war ein Fehler."

Die Rettung sollen George W. Bush, Angela Merkel und ihre Kollegen bringen. Wenn die Großen Acht am letzten Gipfel-Tag vor den schönen Fassaden in die Kameras strahlen, könnte das dem Projekt Heiligendamm helfen. Das weiß Jagdfeld nämlich jetzt schon: "Mehr als eine Milliarde Menschen werden die Bilder aus Heiligendamm sehen."

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(SZ vom 2.6.2007)