Hauszerstörung in Jerusalem Bulldozer vor der Tür

Weil er in Ostjerusalem schwarz gebaut haben soll, hat die israelische Polizei ohne Vorwarnung das Haus von Abu Aisha gesprengt. Recht oder Rassismus?

Von Billi Bierling, Jerusalem

Dort, wo gerade noch ein ansehnliches vierstöckiges Luxushaus stand, ist nur noch ein großer Haufen Trümmer. Hunderte von Menschen stehen fassungslos vor dem Haufen aus gerissenem Beton, Fensterrahmen und losen Steinen in Beit Hanina, einem Vorort von Jerusalem. "Das war das Haus meines Bruders," sagt ein Mann, der mit Tränen in den Augen auf dem Schutthaufen steht. "Die Israelis haben seiner Familie und fünf anderen Familien alles genommen, was sie sich über Jahre mühevoll aufgebaut hatten." Die israelischen Behörden ließen das Haus innerhalb weniger Sekunden in die Luft fliegen.

Der Besitzer des Hauses in Beit Hanina heißt Majed Rashed Abu Aisha. Der Geschäftsmann schildert das, was an jenem Montagmorgen Ende Juli in Ostjerusalem geschah, so: "Um halb vier Uhr wurden wir von einem lauten Knall aus dem Bett gerissen," erzählt der 47-Jährige. "Dutzende von maskierten und bewaffneten Polizisten des israelischen Grenzschutzes stürmten mit ihren Hunden unser Schlafzimmer, rissen uns aus den Betten und befahlen uns, sofort das Haus zu verlassen." Das Gebäude sollte noch am gleichen Tag abgerissen werden.

Haus zerstört, Identität verloren

Nachdem die Polizei Abu Aisha, seine Frau und seine drei Kinder im Alter von 16, 11 und sechs Jahren brutal aus dem Haus geworfen hat, räumt sie die restlichen Wohnungen. "Sie schossen in die Luft und gaben uns nicht einmal Zeit, unsere persönlichen Dinge mitzunehmen," so der Diabetiker, dem sogar verweigert wird, seine Medikamente einzunehmen, bevor man ihn in Handschellen abführt.

Um 17.38 Uhr erschüttert eine Explosion sein Haus, Sekunden später haben sechs Familien nicht nur ihr Hab und Gut verloren, sondern auch ihre Identität. "Für uns Palästinenser ist das Haus das Ein und Alles", beschreibt Abu Aisha den Verlust. "Meine Frau hat sich bis heute nicht von dem Schock erholt. Sie geht fast jeden Tag zu den Trümmern und sucht weinend nach Überresten. Unsere Vergangenheit ist uns genommen worden." Am Abend desselben Tages wird Abu Aisha wieder freigelassen und kann das zerstörte Haus erstmals mit eigenen Augen sehen.

Vor neun Jahren verlor Abu Aisha seinen fünfjährigen Sohn bei einem Autounfall. "Das war der schwierigste Moment in meinem Leben. Als ich jedoch am Abend nach der Zerstörung vor dem Trümmerhaufen stand, fühlte ich mich genauso traurig. Ich hatte das Gefühl, dieses Mal meine ganze Familie verloren zu haben."

Was muss man machen, um so hart bestraft zu werden? In Jerusalem reicht dafür ein Schwarzbau. "Die Zerstörungsanordnung dieses Hauses liegt wegen einem der eklatantesten Verstöße gegen das israelische Baugesetz vor. Von den errichteten 1400m² wurden 1000m² illegal und ohne Genehmigung gebaut" - so erklärt die Stadtverwaltung von Jerusalem diese Hauszerstörung.

Lesen Sie auf Seite zwei, was der Hausbesitzer zu diesem Vorwurf sagt.

Bulldozer vor der Tür

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