Niedrige Arbeitslosenzahlen, hohes Wirtschaftswachstum, dazu hat der Staat noch nie so viele Steuern eingenommen wie derzeit - eigentlich ideale Voraussetzungen, um den Staatshaushalt zu sanieren. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen von Finanzminister Schäuble glänzend aus, doch vor allem im Boomjahr 2010 hat er die Gelegenheit zum Sparen versäumt. Ein Fehler, der sich im kommenden Jahr rächen könnte.
Wie eine Martinsgans ist das Jahr 2011 vollgestopft mit guten Nachrichten: Das höchste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Den sozialen Sicherungssystemen geht es nicht nur gut, sie schwimmen im Geld. Der warme Segen zwingt die Rentenversicherung, ihren Beitragssatz zu senken, die Arbeitslosenversicherung schlägt Hilfskredite des Bundes aus, im Gesundheitssystem sammeln sich Reserven von 16 Milliarden Euro und sogar die Pflegeversicherung schließt wider Erwarten ohne Defizit ab.
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Wolfgang Schäuble gilt als Sparminister. In der Tat sind seine Haushaltszahlen für 2011 relativ gut, doch bereits nächstes Jahr droht ein Konjunktureinbruch und der Finanzminister wird wieder höhere Schulden machen müssen. (© dpa)
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Seit 1994 sind die Steuereinnahmen nicht mehr so stark gestiegen. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat der Staat mehr eingenommen. Was für ein Jahr! Gäbe es nicht die europäische Finanzkrise, das Land müsste sich im kollektiven Freudentaumel in den Armen liegen.
Nur: Wer sehen möchte, ob sich diese goldenen Zeiten auch im Bundeshaushalt niederschlagen, muss eine Lesehilfe zur Hand nehmen. Nötig ist genau genommen eine Relativ-Brille, die bevorzugtes Lese-Werkzeug aller Selbstbetrüger ist: Relativ betrachtet ist die Neuverschuldung niedrig. Relativ gesehen bewegt sich der Haushalt in großen Schritten auf das Ziel zu, keine neuen Schulden mehr zu machen. Das alles ist - relativ richtig. Wer genau hinschaut, erkennt ein weitaus weniger schönes Bild.
Mangelhafte Sparbemühungen
Die Neuverschuldung sinkt 2011 dramatisch, das stimmt. Sie ist sogar deutlich niedriger als ursprünglich geplant, auch das ist richtig. Allein, mit der Haushalts-Politik der Regierung hat das wenig zu tun. Der Effekt entsteht fast ausschließlich durch die gute Konjunktur. Wegen der mangelhaften Sparbemühungen wird der Bund schon 2012 wieder mehr Kredite aufnehmen müssen. Die sich selbst als fiskalisches Vorbild für Europa preisende Bundesrepublik bläht ihr Defizit inmitten der schlimmsten Schuldenkrise seit den dreißiger Jahren auf üppige 26 Milliarden Euro auf.
Leider geht die Wachstums-Party 2012 schon zu Ende. Die Konjunktur wird um fast zwei Prozentpunkte einbrechen. Die Zeit der einfachen Einschnitte ist damit vergangen. Im Boomjahr 2010 wäre es möglich gewesen, die als Konjunkturpaket verteilten Milliarden wieder einzusammeln. Doch das großspurig angekündigte Sparvorhaben der Koalition ist verpufft und nur noch die Hälfte Wert. Die mittelfristige Etat-Planung steckte ohnehin voller Finanzlöcher und Risiken und soll nun durch Steuersenkungen, Betreuungsgeld und Pflege-Riester zusätzlich belastet werden.
Verantwortlich ist Wolfgang Schäuble. Aufgabe des Finanzministers wäre es gewesen, in der Boom-Zeit einen radikalen Sparkurs vorzulegen. Er ließ die Gelegenheit wie so viele andere verstreichen . Die Koalition mag es noch nicht wissen, aber sie ist haushaltspolitisch gescheitert. Wer bislang glaubte, Union und FDP könnten besser mit Geld umgehen als die Linke, muss einen Irrtum einräumen: Sie kann es nicht.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 12.11.2011/olkl)
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entweder sind Sie noch nicht alt genug oder haben einfach die 90er Jahre verpennt.
Wenn ich nur an die "blühenden" jetzt eher "braunen" Landschaften denke, die Helmut Kohl versprochen hat, wenn ich nur an die Vergewaltigung der Sozialkassen durch den Mann mit dem "Mantel der Geschichte" denke, wenn ich an die Versprechungen zum Thema Soli denke....
dann kann ich gar nicht so viel fr... wie ich ko... könnte.
Und jetzt behaupten Sie bloß nicht, das hätten alles die Roten oder Grünen verbrochen. Die haben nur da weitergemacht wo er aufgehört hat und sein "Mädchen" setzt diese Tradition mit Schwung, Elan und willfährigen Helfershelfern fort.
Eins haben sie alle gemeinsam: Sie möchten vom Volk geliebt und mit Wiederwahl belohnt werden.
In seiner Rede im Bundestag zum Haushalt 2012 sagte Volker Kauder u.a. :"...wir senken die Neuverschuldung..."
Die Neuverschuldung 2011 ist zwar gesunken auf 22 Mrd., die Neuverschuldung 2012 steigt aber auf 26 Mrd.
Kauder belügt den Bundestag, belügt das Volk:
Mit Verlaub, das ist hanebüchener Unfug!
Denn auch die Staatsschulden am Finanzmarkt gehören zum Haushalt - sie werden aber, wie bei Trickbetrügern halt üblich - totgeschwiegen.
Und da haben die Schwarz-Gelben alles bisher Dagewesene um LICHTJAHRE abgehängt.
Schwarzgelb hat zwar eine Chance vertan, aber kann immernoch deutlich besser mit Geld umgehen als Rotrotgrün.
Unter den Blinden ist und bleibt der Einäugige der König!
Und zum Stichwort Wachstumsparty: wenn man vor 2 Jahren um knapp 5% einbricht und jetzt langsam das Vorkrisenniveau erreicht hat (auch dank der Konjunkturspritzen, der Jahre 2009 und 2010, die noch nachwirken), dann ist noch längst nicht alles wieder in Butter.
Aber wir können ja mal die Defizite von Rotgrün ohne UMTS mit den Defiziten von Schwarzgelb vergleichen .