Ein Kommentar von Thorsten Denkler

Finanzminister Steinbrück glaubt, er könne erst ab 2011 ohne Schulden auskommen. Er könnte es jetzt schon - wenn ihn seine Kollegen ließen.

Der Finanzminister scheint der Letzte zu sein, der sich Kritik gefallen lassen muss. Kein Wunder: Dank hoher Steuereinnahmen darf sich Peer Steinbrück als erfolgreicher Finanzminister sehen.

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Finanzminister Peer Steinbrück (© Foto: dpa)

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Was Vorgänger Eichel immer wollte - aber nie geschafft hat -, Steinbrück könnte es gelingen: Bis spätestens 2011 will er einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren. Es wäre das erste Mal seit 1969.

Doch so ehrgeizig, wie das Ziel klingt, ist es wohl gar nicht. Derzeit sind es nur noch 12,7 Milliarden Euro Neu-Schulden, die Steinbrück für den Haushalt 2008 aufnehmen will. Der niedrigste Stand seit 1974.

Klingt gut, doch jeder neue Schulden-Euro ist ein schlechter Euro. Denn allein für Zinsen wird der Bund im kommenden Jahr mehr als 43 Milliarden Euro aufbringen müssen. Neue Schulden zu machen, bedeutet also nur eines: Wir leben nach wie vor über unsere Verhältnisse.

Ohne Schulden genauso viel Geld wie 2007

Dabei könnte der Schuldenirrsinn sofort beendet werden. Geld dafür ist da. Ohne neue Schulden hätte der neue Bundeshaushalt ein Volumen von 270 Milliarden Euro. Das wäre der Stand von 2007.

Außerdem sprudeln die Steuern wie lange nicht: Im ersten Halbjahr 2007 hat der Bund 15 Milliarden Euro mehr eingenommen als im gleichen Zeitraum 2006. Wenn das so weiter geht, könnte sich Steinbrück über 30 Milliarden zusätzliche Euro freuen.

Wo also ist das Problem?

Es liegt in den Begehrlichkeiten seiner Kabinettskollegen: Mehreinnahmen machen jede Spendierhose eine Nummer größer. Und: Welcher Politiker geriert sich nicht gerne wie der Weihnachtsmann im Kindergarten? Die pure Freude!

Schulden für Kinder

Dabei wäre auch so reichlich Luft für wirklich vernünftige Investitionen vorhanden. Beispiel Kinderbetreuung. Bis 2013 will der Bund vier Milliarden Euro investieren. Ein Grund für die neuen Schulden.

Dabei pumpt der Staat jetzt schon jährlich 185 Milliarden Euro in die Familien. Mehr Kinder werden deshalb dennoch nicht geboren, die Bildungsqualität ist nach wie vor unterdurchschnittlich, und die Probleme in den Familien nehmen zu.

Da darf man ja vielleicht auch mal nach der Effizienz der bislang schon verteilten Mittel und Zuwendungen fragen. Vier Milliarden wären dann doch sicherlich bald gefunden, die Kindern wirklich zugutekommen könnten. Und das ganz ohne neue Schulden.

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(sueddeutsche.de)