Genau ein Jahr nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, um halb eins in der Nacht, sind die Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition über die Reform der Hartz-IV-Sätze gescheitert. Am Ende taten alle nur noch so, als würde ernsthaft verhandelt, dabei ging es längst nicht mehr um Inhalte - sondern allein um Macht.
Nach fünfeinhalb Stunden ist die Luft raus. Vielleicht haben die Unterhändler von Regierung und Opposition die Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform aber auch nur künstlich in die Länge gezogen. Damit es wenigstens den Anschein hat, sie hätten sich ernsthaft um einen Kompromiss bemüht.
Hartz IV-Verhandlungen gescheitert
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Es ist also halb ein Uhr nachts, als die Regierungsseite die Gespräche für beendet erklärt. Der 9. Februar ist angebrochen und damit jährt sich auf den Tag genau jenes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, weswegen sie heute in der Landesvertretung des Saarlandes zusammensitzen. Das Gericht hat damals die Berechnungsmethode der Hartz-IV-Sätze kassiert und dem Gesetzgeber bis zum 1. Januar 2011 Zeit gegeben, die Sache zu regeln.
Nach sieben Verhandlungsrunden ist jetzt, Anfang Februar, gar nichts geregelt. Und es sieht nicht danach aus, als würde sich daran so schnell etwas ändern.
In einem beispiellosen Geschacher haben den Abend über die Spindoktoren von Opposition und Regierung versucht, die andere Seite für ein mögliches Scheitern verantwortlich zu machen. Nur, um am Ende sagen zu können, dass sie keine Schuld trifft.
So stellt sich nach Mitternacht eine müde Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor die Presse und tut kund, die Regierungsseite hätte lauter "großzügige" Angebote gemacht, die aber leider die Opposition nicht habe annehmen wollen, weil sie sich lieber mit Maximalforderungen "überfrachtet" habe.
Wenig später bedauert SPD-Verhandlungsführerin Manuela Schwesig, die Regierung zeige, dass sie nicht bereit gewesen sei "Armut zu bekämpfen". Das wäre nämlich nur mit dem Paket von SPD und Grünen gegangen, auf das aber die Regierung nicht habe einsteigen wollen.
Richtig ist, dass von der Leyen bis 2015 zusammen zwölf Milliarden Euro an die Kommunen geben will. Dafür sollen sie die Bildungsausgaben für Kinder organisieren. Richtig ist aber auch, dass das Geld den Kommunen längst versprochen war, damit die ihre maroden Haushalte auf Vordermann bringen können. "Unseriös", findet Grünen-Unterhändler Fritz Kuhn das.
Kein Einigungswille auf beiden Seiten
Die Opposition wiederum fordert eine verfassungsfeste Berechnungsrundlage für die Hartz-Sätze, macht dafür aber einen Vorschlag, bei dem selbst Laien den Kopf schütteln. Erst sollen die Mobilitätskosten im Hartz-IV-Satz um 16 Euro gekürzt werden. Und dann statt der unteren 15 die unteren 20 Prozent der Einkommensbezieher als Referenzgröße hergenommen werden.
Das klingt nicht nur kompliziert, sondern auch nach noch mehr Willkür als die Opposition der Regierung vorwirft. Unterm Strich hätte das keinen Cent mehr für die Hartz-IV-Empfänger gebracht.
Die Regierung wiederum verspricht gleichen Lohn für gleiche Arbeit, etwa in der Zeitarbeitsbranche. Tatsächlich aber sollen die Tarifpartner ein Jahr schauen, ob sie es alleine hinkriegen. Und wenn nicht, soll sich eine Kommission darum kümmern, wie das geregelt werden kann. Da hätte ein Blinder mit Krückstock der Opposition geraten, auf gar keinen Fall zuzustimmen.
Einigungswille war wohl auf keiner der beiden Seiten des Verhandlungstisches vorhanden. Es muss aber eine Lösung her, das Verfassungsgericht ist da deutlich.
So schnell jedoch wird sie nicht kommen. Erst mal wollen Regierung und Opposition ihre jeweiligen Pakete an diesem Mittwoch im Vermittlungsausschuss, und am Freitag in Bundestag und Bundesrat abstimmen lassen. Im Vermittlungsausschuss und Bundestag hat Schwarz-Gelb die Mehrheit, im Bundesrat nicht. Da fehlt der Regierung eine Stimme.
Schafft sie es nicht, etwa das schwarz-gelb-grün regierte Saarland ins Boot zu holen, beginnt das ganze Spiel von vorne. Neues Gesetz, neues Vermittlungsverfahren, neue Verhandlungen. Ob die Bürger dieses Totalversagen der politischen Klasse honorieren, werden wohl die nächsten Wahlen zeigen.
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(sueddeutsche.de/olkl)
Protest gegen dritte Startbahn
ist beim "Kuhhandel" Hartz IV ist absolut "verfassungswidrig.
..
wer ernsthaft..., verschiedenen Ansprüche...gegeneinander ausspielen will, sollte nochmal zur Schule gehen. Denn er hat die Grundfesten unserer Demokratie noch nicht verstanden.
Ich hoffe nur, das unsere Verfassungsrichter sich nicht "vera." lassen oder wir gar "italienische" Verhältnisse bekommen
ob aus privaten oder staatlichen Investitionen, Löhnen, Renten oder Transfereinkommen. Jedenfalls solange, wie der Markt die Nachfrage befriedigen kann. Und dieses frühere Kill-und Inflationskriterium ist Dank der Globalisierung fast Null .
Es gibt keine bösen Unternehmer, sondern Wirtschaftssubjekte, die einfach ihre Möglichkeiten und Rechte ausschöpfen. Und weil sie das seit Kohl immer ungezügelter tun dürfen, hat sich die Einkommens- und Vermögensverteilung gegenüber der Erhardschen Zeit enorm in Richtung Kapital und Unternehmen verschoben. Heute halten die oberen 20% mehr als 10 Billiarden Geld- und Immobilienvermögen, 80% haben mehr Schulden als Vermögen.
Unsere enorm gesunkenen Lohnstückkosten, unsere Exportüberschüsse lassen einen Spielraum bei den Löhnen nach oben zu. Und das Verbieten von Dumpinglöhnen - hauptsächlich im Dienstleistungssektor - würde kein Outsourcing nach Bangladesch auslösen. Oder wollen sie ihr Paket aus Kostengründen in Peking ausgeliefert haben? Oder zum Haareschneiden nach Karlsbad fahren?
Logisch denken ?
Wenn man einer Volkswirtschaft einfach dadurch auf die Beine helfen könnte, indem man allen Menschen, auch denen, die nicht arbeiten (Arbeitslose, Rentner), mehr Geld gäbe, dann würden das alle Nationen, die Probleme mit ihrer Wirtschaft haben, tun. So einfach ist es aber logischerweise (!) nicht.
Man muss strikt zwischen Arbeitseinkommen und Transfereinkommen unterscheiden.
Wenn Sie dafür plädieren, dass Arbeitnehmer höhere-, jedenfalls ausreichende - Löhne erhalten sollen und müssen, dann ist da nichts dagegen zu sagen. Wobei auch noch zu berücksichtigen ist, dass sinkende Netto- oder Reallöhne nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Arbeitgeber weniger zahlen.
Die Zeiten, wo Unternehmer "in Saus und Braus" lebten, während ihre Arbeitnehmer in Armut lebten, ist bei uns seit den 50er Jahren im Großen und Ganzen vorbei - auch wenn da jetzt wieder viele "aufheulen" werden (denen sind die Maßstäbe abhanden gekommen - oder sie sollten sich mal in der Welt umsehen).
Dass in den letzten Jahren eher niedrig bezahlte Arbeitsplätze entstanden sind, ist kein Mangel. Besser wenig verdienen als arbeitslos sein, das sollte volkswirtschaftlich klar sein. Natürlich gönnt man jedem Arbeitnehmer einen guten und auskömmlichen Lohn. Wenn das aber nicht immer gelingt, dann sollte man sich mal nach den Gründen erkundigen, anstatt einfach nur die "bösen Unternehmer" an den Pranger zu stellen. Wenn die Konsequenz ist, dass der Arbeitsplatz bei höherem Lohn dann eben wegfällt (ob komplett oder ins Ausland verlagert), dürfte für den Betroffenen egal sein.
um 10% (240 Mrd.€) gesunken, die Einkünfte aus Vermögen und Unternehmen um diesen Betrag gestiegen.
die Gesamtlohnsumme ist kein Durchschnittswert
und wenn in der gesetzlichen RV 2010 eine Million Rentner mit einer Durchschnittsneurente von 650 Euro hinzukamen und 1 Million mit einer Durchschnittsrente von 950 Euro verstarben, dann sinkt das verfügbare Renteneinkommen und damit die Nachfrage um 3,6 Mrd. Euro (300€ x 12 x 1 Mio)
Seit Schröder ist die Gesamtlohnsumme am BSP um 10% (240 Mrd.€) gesunken, die Einkünfte aus Vermögen und Unternehmen um diesen Betrag gesunken. Nun geht die Sparquote bei den Lohnbeziehern gegen 0, die der Reichen gegen 30%. Also gehen dem Binnenkonsum derzeit weitere 72 Mrd./Jahr verloren.
Soviel zu Ihrem: Ist egal, bei wem das Geld sitzt.
Wir haben in Deutschland im Vergleich zu den USA mind. 100Mrd.€/Jahr zuwenig in der Tasche für Konsum- und Dienstleistungsausgaben. Das kostet uns 2 - 3 Millionen Arbeitsplätze. Hätten wir die, wäre das gut für die Renten- und Krankenkassen, den Staatshaushalt und bei unter 4 Millionen machten auch die HartzIV-Bezieher kein Problem mehr.
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