Hartz-IV Kaum Ein-Euro-Jobs

Für Langzeitarbeitslose werden im Zuge der Hartz-IV-Reform anfangs offenbar erst wenige Ein-Euro-Jobs entstehen. Die Wohlfahrtsverbände kündigten am Montag an, im nächsten Jahr zunächst nur 15.000 solcher Tätigkeiten in Pflege- und Betreuungseinrichtungen anzubieten.

Von Von Andreas Hoffmann

Berlin - Nach Ansicht von Sozialministerin Ulla Schmidt und Familienministerin Renate Schmidt (beide SPD) könnte die Zahl schnell wachsen, Renate Schmidt sprach allein von 60.000 unbesetzten Zivildienststellen, auf denen teilweise auch Langzeitarbeitslose arbeiten könnten. Bislang schätzt die Bundesregierung, dass Kommunen und Wohlfahrtsverbände rund 600.000 solcher Stellen anbieten können.

Wie der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Manfred Ragati, sagte, würden die Ein-Euro-Jobs vor allem in den sozialen Einrichtungen entstehen.

Dazu zählt er etwa die Altenhilfe, die Behindertenbetreuung oder Kindertagesstätten. Daneben seien auch Arbeiten bei Umwelt- und Kulturprojekten möglich. Es sei aber nötig, dass die Bewerber entsprechende Fähigkeiten hätten.

"Wer Kinder groß gezogen hat, ist qualifiziert für die Kinderbetreuung, auch wenn er keine Pädagogik studiert hat", sagte Ragati. Ungeeignete Bewerber müssten die Verbände ablehnen können.

Nach den Plänen sollen die Wohlfahrtsverbände für jeden Langzeitarbeitslosen 500 Euro erhalten. Diese Pauschale soll die Kosten der Träger, etwa für die Qualifizierung, und die Löhne der Betroffenen abdecken.

Nach den bisherigen Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit soll der Arbeitslose 200 Euro und der Träger 300 Euro bekommen. Dies hänge aber vom Einzelfall ab, hieß es. Ein qualifizierter Langzeitarbeitsloser könne mehr erhalten, eventuell werde auch die 500-Euro-Pauschale gestaffelt.

Beide Ministerinnen bekräftigten, dass die neuen Jobs nicht mit herkömmlichen Tätigkeiten konkurrieren sollen; vielmehr sollten es Zusatzjobs sein, die bisher nicht angeboten würden.

Dies müssten die entsprechenden Gremien sicherstellen. Die DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer hält die Ein-Euro-Jobs nur bei Langzeitarbeitslosen "mit erheblichen Defiziten" für sinnvoll. Für Qualifizierte seien sie eine Sackgasse, sagte sie.