Die Attacken des JU-Chefs gegen Langzeitarbeitslose sind dumm. Die wahren Probleme des Sozialstaats liegen woanders. Darüber aber redet Mißfelder nicht.
Der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, hat wieder einmal ein Vollbad im Fettnapf genommen. Nachdem das CDU-Präsidiumsmitglied schon einmal künstliche Hüftgelenke für 85-Jährige in Frage stellte, ließ er nun wissen, dass die Erhöhung der Hartz-IV-Bezüge für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren "ein Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie" sei.
Vollbad im Fettnäpfchen: JU-Chef Philipp Mißfelder. (© Foto: AP)
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Mißfelder erweckt damit den Eindruck, alle Langzeitarbeitslosen würden ihre Kinder schlecht behandeln und stattdessen rauchen und saufen. Das ist dumm und unerträglich. Trotzdem helfen die rituellen Proteste von Wohlfahrtsorganisationen nicht weiter. Besser wäre es, offen darüber zu diskutieren, was im Sozialstaat schiefläuft.
Ein Sprichwort besagt: "Kaum ist das Gesetz gemacht, fängt der Missbrauch schon an." Im Hartz-IV-System liegen die Missbrauchsquoten offiziell bei zwei bis drei Prozent - das sind diejenigen, die die Ermittler der Jobcenter bei Schummeleien ertappen, wenn sie in Schränke gucken oder Kontodaten prüfen. Tatsächlich dürfte die Missbrauchsquote größer sein. Praktiker wie der Bürgermeister des Berliner Problemviertels Neukölln taxieren sie "zwischen 15 und x Prozent", auch wegen der Schwarzarbeit.
Kontrollen sind deshalb richtig, auch wegen ihrer abschreckenden Wirkung. Am Missbrauch wird dies allerdings nichts ändern. Wo es um Geld geht, wird betrogen. Und in einem System, das jährlich 50 Milliarden Euro verteilt, werden bedürftige Menschen immer versuchen, jede Lücke und Möglichkeit zu nutzen, um möglichst viel Geld zu ergattern. Das ist ihr gutes Recht, und das muss ein Sozialstaat in Kauf nehmen. Doch dies ist auch nicht der Kern des Problems.
Hunderttausende Langzeitarbeitslose tun alles für eine feste Stelle. Aber es gibt auch welche, die lieber Hartz IV beziehen, als einen Job anzunehmen, weil sich das Arbeiten für sie kaum lohnt. Dies hängt damit zusammen, dass die Löhne für Tätigkeiten, für die keine oder nur eine geringe Qualifikation verlangt wird, stark gesunken sind. Und das spricht nicht für eine Senkung der knapp bemessenen Hartz-IV-Sätze, sondern eher für Mindestlöhne und einen Kampf gegen schlechtbezahlte Leiharbeit.
Besonders hilflos zeigt sich die Gesellschaft bei denjenigen, die ganz unten sind. Sie sind Hartz-IV-Dauerkunden, oft ohne Abschlüsse, unvermittelbar und ohne Aussicht, wieder hochzukommen. Sie glauben nicht mehr an sich selbst und haben sich in dem System eingerichtet. Ihre Kinder sagen auf die Frage, was sie einmal werden wollten: "Hartz IV". Und manche dieser Kinder haben tatsächlich nichts von höherem Sozialgeld, weil der Vater die paar Euro versäuft.
Deswegen alle Hartz-IV-Empfänger zu diskriminieren und ihnen nur noch Essensgutscheine auszuhändigen, ist aber falsch. Mit Ganztagssschulen, in denen es ein gesundes Essen gibt, wäre zumindest den Kindern geholfen. Davon gibt es in Deutschland viel zu wenige. Aber darüber hat Herr Mißfelder nicht geredet.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 23.02.2009/cag)
Zu der Akte Mißfelder fällt mir spontan nur ein, dass er wirklich dumm ist, wie der Autor des Kommentars feststellt. Es gibt - immer noch und zum Glück - eine Staatsräson, denen auch Politiker verpflichtet sind. Und wenn der Herr zum wiederholten Male belegt hat, dass er kein Benehmen hat, dann wäre es an der Zeit, sich mal über sich selbst Gedanken zu machen. Wahrscheinlich geht das aber nicht so ohne weiteres, weil seine Gedanken rund um die Uhr nur um die Karriere in seiner Partei kreisen. Damit sind die Neuronen in Vollbeschäftigung.
Sehr interessant ist, dass vor allem die Sozialromantiker wie Sie alle Andersdenkenden als Zyniker und Ignoranten bezeichnen und jedweder sachlichen (!) Dikussion aus dem Weg gehen. Bleibt zu hoffen, dass die Linksradikalen (genauso wie die Rechtsradikalen) eine (kleine) Oppositionsgruppe bleiben und in diesem Land nie wieder was zu sagen haben werden. Danke!
Sehen Sie, ich brauche keine Gurus, um mir meine eigenen Gedanken zu machen und zu meinen eigenen Schlußfolgerungen zu kommen.
Lafontaine ist kein bisschen populistischer, als Schröder, Westerwelle oder Seehofer. Und ich goutiere keineswegs alles, was er sagt oder alle Positionen, die die Linke vertritt.
Zufälligerweise kommt die Linke aber zur Zeit meinen Vorstellungen einer menschenwürdigen Gesellschaft am nächsten...
Ich weiss ja nicht, wie das bei Ihnen ist, aber ich benötige keine politischen Vorbeter, um mir selbst eine Meinung über die Verhältnisse in unserem Lande zu machen. Und das laß ich mir auch nicht von solchen Ignoranten und Zynikern, wie Ihnen, absprechen.
Und das war mein letztes Wort an Sie - verbale Heckenschützen wie Sie ignoriert man am besten...
...dann ist es um so erstaunlicher, dass so ein Highflyer wie Sie auf den Populismus von Lafo und Konsorten hereinfällt. Vielleicht sehen Sie auch den Wald vor lauter Bäumen nicht ;-)
Keineswegs - ich hab an einer kleinen aber feinen Hochschule studiert, wo die Professoren ihre Studenten noch persönlich kannten.
Und wenn Sie als nächstes anführen wollen, ich hätte meine Examen wohl nur mit Ach und Krach gescahfft, darf ich Ihnen mitteilen, dass ich erstens zu den schnellsten und zweitens zu den Besten meines Jahrgang gehört habe....
Lassen Sie es also - Ihr unqualifiziertes Geschwätz entlarvt sich selbst!
Paging