sueddeutsche.de: Auch nach der Waffenruhe zwischen Russland und Georgien gehen "ethnische Säuberungen" in der Provinz Südossetien offenbar weiter. Die finnische Chefin der OSZE-Mission (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Tiflis, Terhi Hakala, sagte, sie bekomme "weiter beunruhigende Berichte von verschiedenen Seiten". Verfügen Sie über genauere Informationen?
Eine Bewohnerin der georgischen Stadt Gori ist verzweifelt. Ihre Wohnung wurde während eines russischen Bombardements zerstört. (© Foto: AP)
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Klose: Das ist angesprochen worden im Auswärtigen Ausschuss. Aber wir haben keine belastbaren Informationen darüber. Das ist ein großes Problem. Wir befinden uns im Augenblick in der Phase, dass von beiden Seiten der Versuch unternommen wird, den Krieg der Worte und Bilder zu gewinnen - aus jeweils innenpolitischen und internationalen Gründen. Es ist sehr schwierig, zu durchschauen, was da wirklich vor sich gegangen ist und vor sich geht. Ich glaube, auch die Bundesregierung hat noch immer kein völlig klares Bild.
sueddeutsche.de: Trotz seines Himmelfahrtskommandos in Südossetien und des verlorenen Kampfes mit Russland, der Georgien viel Leid gebracht hat, genießt Georgiens Präsident Saakaschwili bei US-Präsident Bush noch immer hohes Ansehen. Wie kommt das?
Klose: Saakaschwili hat in den USA studiert und hat von Anfang an einen guten Draht gehabt zu den Amerikanern. Die haben sich um Georgien sehr bemüht - und das wiederum in einer Weise, von der einige Beobachter sagen, das habe eher zum Verstärken der Spannungen als zu deren Minderung beigetragen.
sueddeutsche.de: Vor einigen Monaten wollte US-Präsident Bush sogar Georgien den Weg zur Nato-Mitgliedschaft bahnen. Ein schwerer politischer Fehler?
Klose: Es war jedenfalls richtig, im Zuge der Nato-Osterweiterung den Schritt der Aufnahme Georgiens in das Programm "Membership Actionplan" nicht zu machen; unter anderem wegen der ungelösten Konflikte. Stellen Sie sich mal vor: Georgien wäre heute Mitglied der Nato - dann hätten wir eine unmittelbare militärische Konfrontation zwischen Russland und der Nato.
Lesen Sie auf Seite drei, wie die USA und Russland miteinander um Respekt ringen und wie wichtig die Europäer als Vermittler zwischen den beiden Supermächten sind.
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Die ostfranzösische Zeitung LAlsace kommentiert den Konflikt im Kaukasus folgendermaßen: Die Russen haben im militärischen Bereich gewonnen. Aber sie haben eine Mücke mit einem Vorschlaghammer erschlagen und erneut die Sympathie der internationalen Gemeinschaft verspielt. Putin ist das egal, und das ist das Drama: Russland wird nicht das große und respektierte Land werden, von dem es träumt, wenn es sich auf sich selbst zurückzieht. (...) Frankreich und die EU haben wenigstens den Verdienst, den Kontakt zwischen den (Konflikt-)Parteien gehalten und vielleicht einige Stunden Kämpfe verhindert zu haben.
Das ist konstruktiver als die Prahlereien eines (US-Präsidenten George W.) Bush, der seit Jahren die nationalistischen Gefühle in Georgien schürt und sich von der Krise vollkommen überrollt zeigte.
SZ: Sofort energischer einschreiten und Russland zum Stopp der militärischen Aktionen in Georgien auffordern.
Die einzig mutigen Frontkämpfer exerzieren in den Redaktionsstuben mit abschreckendem Wortarsenal-rette sich wer kann!
SZ: Einige Kommentatoren sagen, Moskau habe "eine Mücke mit dem Vorschlaghammer erschlagen ..."
Zu dem Zynismus, den georgischen Angriff, der vermutlich 2000 zivile Opfer kostete, als "Mücke" zu bezeichnen wollte sich der Fragesteller nicht bekennen, weshalb er sich der gebräuchlichen rhetorischen Finte bediente, eine wissentlich dämliche oder polit. unkorrekte Behauptung im Namen eines (anonymen) Dritten zu stellen. So erspart er sich die unangenehme Gegenfrage, von welcher Mücke er gestochen wurde oder ob er eins mit dem Hammer abbekommen hat. Beim Vulgärkanal Foxnews beginnt dann auch jeder zweite Satz mit: "Some people say..." So behaupten einige Medienanalysten, die Artikel der SZ werden vor der Veröffentlichung in Langley korrektur gelesen.
Peinlich nur, dass selbst der bekennende Transatlantiker Klose diese vermeintliche Steilvorlage zurückwies und Seriosität in der Hofberichterstattung an mahnte.
Klose: Es scheint so zu sein, dass es zunächst in Südossetien Schießereien gegeben hat, die dann auf georgischer Seite dazu führten, dort massiv einzumarschieren - das hat dann zu einer Reaktion auf der russischen Seite geführt. Man sollte sich aber nicht auf der Grundlage von Spekulationen äußern.[!] Das sind keine Fakten.[!]
SZ:Auch nach der Waffenruhe zwischen Russland und Georgien gehen "ethnische Säuberungen" in der Provinz Südossetien offenbar weiter. ["offenbar" ein russischer Hufeisenplan?]
Klose:Aber wir haben keine belastbaren Informationen darüber. Das ist ein großes Problem. Wir befinden uns im Augenblick in der Phase, dass von beiden Seiten der Versuch unternommen wird, den Krieg der Worte und Bilder zu gewinnen - aus jeweils innenpolitischen und internationalen Gründen.
Mit "innenpolitischen Gründen" dürfte Klose den durchschaubaren Versuch gemeint haben ein äußeres Feindbild zu konstruieren um systemimmanente Probleme zu kaschieren. Hartz IV -Empfänger und Ackermann, vereint im Kampf gegen den russischen Bolschewismus.
@ fair-play
genau so ists - aber die Huldigungen an die Freiheit des Finanzmarktes bzw. seiner Protagonisten versperren die einfachsten logischen Zusammenhänge.
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