Ein Kommentar von Ralf Wiegand

Die Grünen verstanden es als ihren Auftrag, eine umweltpolitische Todsünde an der Elbe zu verhindern. Macht das Mitregieren noch Sinn, wenn sie existenzielle Anliegen nicht durchsetzen können?

Die Hamburger Grünen sind gescheitert. Das Kohlekraftwerk Moorburg ist aus Sicht der Grün-Alternativen Liste (GAL) ein Dinosaurier aus dem energiepolitischen Jurassic Park und sollte um jeden Preis verhindert werden.

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Die Partei hat die Koalition mit der CDU ja nicht trotz des drohenden 1620-Megawatt-Klotzes abgesegnet, sondern wegen Moorburg. Die Grünen verstanden es als ihren Regierungsauftrag, eine umweltpolitische Todsünde am Elbufer im Genehmigungsverfahren zu verhindern. Sie waren sich sehr sicher, dass das gelingt.

Sie waren sich zu sicher - Moorburg wird gebaut, zwar unter Auflagen, aber das Kraftwerk kommt. Die GAL und Umweltsenatorin Anja Hajduk können ihren selbst gestellten Regierungsauftrag nicht erfüllen.

Aber welchen Sinn hat die Beteiligung der Grünen an dieser Regierung noch, wenn sie ein für sie als Umweltpartei existenzielles Anliegen nicht durchsetzen können?

Der GAL kann in dieser noch sehr langen Legislaturperiode kaum noch ökologisch effektive Politik machen, weil ihnen das klimawirksamste Werkzeug schon zum Start aus der Hand gerutscht ist.

Die Debatte um den Verbleib in einer Regierung, die Politik gegen die ureigenen Partei-Interessen durchsetzen muss, wird für die GAL sehr schmerzhaft werden - eine Ende mit Schrecken für das so erwartungsfroh gestartete Modellbündnis ist dabei nicht mehr ausgeschlossen.

Bei der Regierungsbildung herrschte noch großer Druck aus Berlin, weil ein neues Farbenspiel für den Bund getestet werden sollte.

Jetzt ist klar: Schwarz-grün ist durch die Moorburger Kohle so viel schwärzer geworden, dass es für die Grünen als glänzendes Modell im Bund kaum noch taugt.

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(SZ vom 1. Oktober 2008/odg)