Hamas im Gaza-Krieg Kampf bis zum Untergang

Wenn Raketen die Nacht erleuchten: Gaza-Stadt.

(Foto: AP)

Die Palästinenser im Gazastreifen haben den schlimmsten Beschuss seit Ausbruch der neuen Gefechte mit Israel erlebt. Doch die Hamas kämpft kompromissloser denn je. Den Krieg kann sie nicht gewinnen - aber sie braucht einen politischen Erfolg.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Die Einschläge kommen näher. In der Nacht zum Dienstag bombardierte Israels Luftwaffe das Wohnhaus des Hamas-Anführers Ismail Hanija im Gazastreifen. Der Islamisten-Sender al-Aksa konnte gerade noch vermelden, dass das Gebäude leer gewesen und folglich niemand verletzt worden sei, da schlugen auch dort die Geschosse ein.

Die Nacht des Schreckens, in der sich die Palästinenser dem wohl schlimmsten Beschuss seit Kriegsbeginn ausgesetzt sahen, war damit aber längst noch nicht zu Ende. Auch Regierungsgebäude wurden getroffen. Doch so gewaltig der Druck auch anschwillt - die Hamas zeigt keinerlei Anzeichen des Einlenkens.

Der Staub hatte sich noch nicht gelegt über seinem zertrümmerten Eigenheim, da meldete sich Hanija aus dem Untergrund: Die Israelis könnten vielleicht steinerne Gebäude zerstören, sagte er, "aber sie werden nicht unsere Entschlossenheit brechen".

Das Vorgehen der Hamas kennt keine Kompromisse

Gewiss gehören solche Durchhalteparolen zum Kriegsgeschäft. Doch die Hartleibigkeit der Hamas in dieser Konfrontation scheint auch die Strategen in Israel zu erstaunen. An diesem Mittwoch ist ein trauriger Rekord zu verzeichnen: Der Krieg währt nun schon länger als die Vorgängerkonflikte aus den Jahren 2012 (acht Tage) und 2008/09 (23 Tage).

Und weitgehend ungerührt lässt die Hamas dabei nicht nur immer neue Angriffswellen über sich ergehen, sondern sie tut auch alles dafür, dass dieser Krieg kein Ende findet. Fast jeder Waffenstillstand wird aus dem Gazastreifen heraus gebrochen, und als Israels Militär zu Wochenbeginn ankündigte, man werde bis auf Weiteres nur noch auf Beschuss reagieren, da folgte als Antwort prompt eine Raketensalve.

Die Taktik der Hamas kennt offenbar keine Kompromisse: Es geht um alles oder nichts. Niemals werde es einen Waffenstillstand geben ohne eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel, sagen die Anführer. Die Frage ist nun, ob dies nur Propaganda ist oder ein Pokerspiel - oder ob die Hamas tatsächlich bereit ist, bis zum eigenen Untergang zu kämpfen.

Sie möchte sich dem Volk als Sieger präsentieren

In den vorherigen Kriegen hat sie sich am Schluss mit weit weniger zufrieden gegeben als jetzt. Im Januar 2009 beendete Israel die blutigen Kämpfe nach Gutsherrenart mit einer einseitigen Waffenruhe. Der Hamas blieb nicht viel mehr als die Bilanzierung der Schäden und die möglichst schnelle Wiederbewaffnung.

Im November 2012 dagegen gab es nach dem Ende der Kämpfe in Gaza-Stadt eine bizarre Siegesparade auf den Trümmern, bei der die heldenhaften Anführer aus einer Fajr-5-Raketenattrappe kletterten. Gefeiert wurde auf diese Art, dass erstmals die eigenen Waffen den Feind bis hinauf nach Tel Aviv in Schrecken versetzt hatten.

Doch unter dem Strich war im Waffenstillstandsabkommen nicht viel mehr gewonnen worden als eine Ausweitung der Fischereizone und der Zugang für ein paar palästinensische Bauern zu ihren Feldern im Grenzgebiet. Wenn es die Hamas darauf anlegen würde, dann hätte es auch in diesem Krieg ein paar mehr oder weniger Gelegenheiten gegeben, sich dem Volk als Sieger zu präsentieren.