Verzweifelt suchen die Menschen in Haiti weiter nach Verschütteten, während das Trinkwasser knapp wird und Plünderungen drohen. Immer mehr internationale Hilfstrupps treffen in dem verwüsteten Land ein. Trotzdem könnte die Katastrophe noch größer werden - es drohen massive Nachbeben.
Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti müssen die Menschen nach Einschätzung von Experten mit teils erheblichen Nachbeben rechnen. "Die Gefahr ist groß. Bei einem so starken Hauptbeben über Magnitude 7 muss man in den nächsten Tagen und Wochen und auch in den nächsten Monaten leider noch mit starken Nachbeben rechnen", sagte der Seismologe am Deutschen Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ), Jochen Zschau, dem Sender n-tv.
Von überall auf der Welt - im Bild die Feuerwehr von Los Angeles - werden Hilfslieferungen in die Erbebenregion Haitis entsandt. (© Fotos: AP/AFP)
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Es habe bereits eine Vielzahl von Nachbeben mit Stärken um den Wert 6 herum gegeben. "Das sind immer noch Stärken, die katastrophal sein können", sagte Zschau. Auch in den nächsten Wochen und Monaten seien durchaus Ereignisse der Magnitude 5 oder 6 möglich. Die Stärke des Hauptbebens habe "etwa der Energie von acht Hiroshima-Bomben" entsprochen, wird der Experte zitiert.
Verzweifelt suchen die Menschen in dem verwüsteten Land noch immer nach Verschütteten, viele graben mit bloßen Händen in den Trümmern. Inzwischen wird das Trinkwasser knapp wird und vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince drohen Plünderungen. Im Nachbarland Dominikanische Republik sammeln sich indes die Hilfsteams aus aller Welt. Nahrungsmittel, Medikamente, Zelte und Suchhunde sind auf dem Weg nach Port-au-Prince.
Doch der Weg ist mühsam. Haiti ist auch am zweiten Tag nach dem verheerenden Erdbeben weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Die Infrastruktur ist zerstört. Auf dem Flughafen, dessen Tower bei dem Beben schwer beschädigt wurde, können größere Transportmaschinen noch nicht landen. Zum Drehkreuz für alle Helfer wird deshalb Santo Domingo im Nachbarstaat.
Noch immer ist das ganze Ausmaß der Schäden nicht absehbar. Über die Zahl der Todesopfer herrscht Unklarheit - haitianische Regierungsmitglieder befürchteten zuletzt bis zu 100.000 Todesopfer.
Im Video: Haiti liegt in Trümmern - doch Hilfe kommt: Die USA und die EU haben mehrere Millionen Euro an Soforthilfe zugesagt, die Weltbank gibt zusätzlich 100 Millionen Dollar.
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Tausende Menschen werden noch unter den Trümmern in der weitgehend zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince vermutet. Die Weltbank sagte 100 Millionen Dollar Soforthilfe zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich beeindruckt von der internationalen Hilfsbereitschaft. Erste Priorität müsse nun die Rettung Überlebender haben, sagte er. Dabei zähle jede Stunde.
"Unvorstellbare Katastrophe"
US-Außenminister Hillary Clinton nannte das Erdbeben eine Katastrophe von "unvorstellbarem" Ausmaß und verglich es mit dem verheerenden Tsunami, der Weihnachten 2004 den Südost- und Südasien heimgesucht und mehr als 220.000 Menschen in den Tod gerissen hatte. Sie brach eine Asienreise ab, um die US-Hilfen von Washington aus zu koordinieren. Präsident Barack Obama hatte Haiti zuvor bereits jegliche nötige Hilfe zugesagt.
UN-Generalsekretär Ban kündigte an, mit Clintons Ehemann, dem früheren US-Präsidenten und UN-Sondergesandten für Haiti, Bill Clinton, ins Erdbebengebiet reisen zu wollen. "Wir werden auf jeden Fall die Hilfsarbeiten inspizieren, allerdings nicht gleich jetzt", sagte Ban in New York. Clintons Hilfe werde dringend benötigt: "Er hat als Gouverneur, als Präsident und auch bei der Flutkatastrophe in New Orleans bewiesen, wie er mit seiner Reputation Hilfe organisieren kann."
Der Ex-US-Präsident sagte bei CNN, am meisten gebraucht würden jetzt Bergungs- und Ärzteteams sowie Räumgerät.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schätzte die Zahl der Betroffenen auf ein Drittel der insgesamt neun Millionen Einwohner. Die Bergungsarbeiten dürften aufgrund der desolaten Lage schwierig werden. "Eingestürzte Häuser und beschädigte Autos erschweren das Durchkommen in den Straßen", sagte der Leiter der Welthungerhilfe in Haiti Michael Kühn im ZDF.
Nach Angaben Bans kamen bei dem Beben mindestens 16 UN-Mitarbeiter ums Leben. Berichte, wonach auch der Chef der UN-Mission in Haiti, der Tunesier Hédi Annabi, unter den Toten sei, konnte er zunächst nicht bestätigen. Unter den getöteten UN-Mitarbeitern sind zehn Blauhelmsoldaten aus Brasilien, drei aus Jordanien und einer aus Haiti. 56 Mitarbeiter wurden verletzt, aber lebend aus den Trümmern geborgen. Weitere 150 Mitarbeiter der Vereinten Nationen werden noch vermisst.
Unter den zahlreichen Gebäuden, die bei dem Beben der Stärke 7,0 am Dienstagnachmittag in der Millionenstadt Port-au-Prince dem Erdboden gleichgemacht wurden, ist auch das UN-Hauptquartier. Auch der Präsidentenpalast und die Kathedrale wurden schwer beschädigt. In der Stadt herrschen chaotische Zustände. Vereinzelt wurden Plünderungen gemeldet. Überlebende versuchten an diesem Mittwoch mit bloßen Händen, Verschüttete aus den Trümmern zu retten. Auf den Straßen lagen Tote, die behelfsmäßig mit weißen Laken zugedeckt wurden.
Zahl der Todesopfer weiterhin unklar
Offizielle Angaben über das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Opfer gab es weiter nicht. Präsident René Préval sagte dem US-Sender CNN, er habe von 30.000 und auch 50.000 Toten gehört. Es gebe "viele Opfer, vielleicht Tausende", sagte er. "Alle Krankenhäuser und Leichenhallen sind voll." Da die Untersuchungen aber noch liefen, sei es noch zu früh für genaue Angaben. In einem Interview mit dem Miami Herald betonte der Staatschef, er habe über Leichen steigen müssen und die Schreie von Menschen gehört, die unter Trümmern begraben seien.
Ministerpräsident Jean-Max Bellerive sprach von 100.000 Toten. Der Botschafter Haitis bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) trat diesen Angaben jedoch entgegen. Er gehe von nicht mehr als 30.000 Toten aus, sagte Duly Brutus in Washington vor der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation.
Zahlreiche Länder darunter die USA, Frankreich und mehrere südamerikanische Länder entsandten Bergungsteams und Hilfslieferungen nach Haiti. Die Vereinten Nationen haben nach eigenen Angaben etwa 30 internationale Hilfsteams mobilisiert. Die medizinische Versorgung in Haiti ist katastrophal. Viele Krankenhäuser sind eingestürzt. Dutzende Schwerverletzte wurden in das Nachbarland Dominikanische Republik gebracht.
Unter den Hilfsbedürftigen seien auch viele Kinder, die zum Teil schwere Kopfverletzungen und Verstümmelungen erlitten hätten, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP aus dem Krankenhaus von Jimani, einer kleinen Grenzstadt im Westen der Dominikanischen Republik. Die Menschen würden in Bussen aus dem rund 280 Kilometer entfernten Port-au-Prince gebracht. Besonders schwere Fälle werden nach Behördenangaben in besser ausgestattete Krankenhäuser im Landesinnern überwiesen.
FBI warnt vor Spenden über Internet
Der US-Flugzeugträger USS Carl Vinson ist auf dem Weg nach Haiti. Er bringe weitere Hubschrauber für die Rettungsarbeiten und könne zudem als zusätzlicher Landeplatz für Hilfsgütertransporte dienen, da der Flughafen von Port-au-Prince überlastet sei, teilte das US-Militär mit. Frankreich entsandte mehrere Flugzeuge in die Region. An Bord sind rund 100 Gendarmen, Feuerwehrleute und Mediziner aus französischen Karibikinseln. Außerdem schickt Paris aus Südfrankreich ein Flugzeug mit 65 Mann für die Bergungsarbeiten. Dazu kommen Notärzte und Katastrophenhelfer.
Die US-Bundespolizei FBI warnte indes vor Spenden über das Internet. Wie schon bei Naturkatastrophen in der Vergangenheit müsse mit Betrügern gerechnet werden, die Not und Spendenbereitschaft in krimineller Absicht ausnutzen, erklärte die Behörde. Persönliche Daten oder Bankdaten sollten nicht preisgegeben werden. Internetnutzer sollten sich bemühen, die Rechtmäßigkeit karitativer Organisationen und deren Spendenaufrufe möglichst genau zu prüfen.
Außerdem warnte das FBI davor, Weblinks oder E-Mail-Anhänge mit Spendenaufrufen zu öffnen, weil auf diese Weise Computerviren verbreitet werden könnten. Der Internetdienst Twitter etwa wurde am Mittwoch nach dem Erdbeben mit Spendenaufrufen für Haiti regelrecht überschwemmt.
Haiti liegt im kleineren westlichen Teil der zu den Großen Antillen gehörenden Karibikinsel Hispaniola. Im Osten liegt die Dominikanische Republik. Das Erdbeben der Stärke 7,0 hatte den Inselstaat am Dienstag um 16:53 Uhr Ortszeit (22:53 Uhr MEZ) erschüttert, das Epizentrum lag nur 15 Kilometer von Port-au-Prince entfernt. Zuletzt war Haiti - das ärmste Land des gesamten Kontinents - am 7. Mai 1842 von einem ähnlich folgenschweren Beben heimgesucht worden. In dem rund neun Millionen Einwohner zählenden Land sind seit 2004 UN-Friedenstruppen in Einsatz.
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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP/dgr/aho)
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"Experten warnen vor Nachbeben"
Meine Güte - gut das wir hier in Deutschland für jede Lebenslage die richtigen "Experten" haben. Und somit ist ja nun auch alles super, denn die Menschen im dunklen amerikanischem Hinterhof Haiti ja gewarnt.
"Ist doch selbstverständlich, dass Paris Hilfsgüter aus Frankreich schickt, oder wo liegt Paris? In Deutschland? Somit hätte der Satz folgend heißen müssen: "Paris schickt..." oder "Frankreich schickt...". Darauf bezog ich mich. Aber scheinbar möchten Sie sich hier nur als Moralapostel profilieren, dann lass ich Ihnen den Spaß. "
Achso, Sie wollten nur etwas kleinkariert durch die Gegend motzen. Abgesehen davon, dass der Terminus "Paris tut dies", "Berlin macht jenes" durchaus gebräuchlich ist, wenn von bestimmten Tätigkeiten der jeweiligen Regierungen gesprochen wird, finde ich es als "Moralapostel" (und das aus Ihrem Mund!) tatsächlich etwas befremdlich, dass man sich, auch wenn man wie Sie aus alter Gewohnheit agiert, bei dem Ausmaß dieser Katastrophe unverdrossen daran macht, mit dem "Textmarker" die Artikel auf sprachliche Schwächen abzuklopfen.
"Ich darf die Qualität der Medien anprangern, wann ich will."
mimimimimi....Sie dürfen! Und ich darf Ihnen sagen, wie lächerlich ich das Ganze finde, was Sie hier veranstalten. Vor dem Internet-Zeitalter haben Menschen wie Sie zumindest noch etwas Frischluft genossen, als sie auf dem Kissen gelehnt aus dem Fenster geschaut und kleine Kinder angeklefft haben. Frischluft täte vermutlich mal wieder ganz gut.
Das muss er noch lernen, wer austeilt muss auch einstecken können. Aber mit dem Problem steht er nicht alleine. Die am meisten austeilen können überhaupt nichts einstecken. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Aber machen Sie sich keine Sorgen, das ist so bei mir, bin schwer von Begriff. So wie Ihr/e Kollege/in Poker_Face reklamiert, dass ich seine Kommentare nicht lesen könne. Lesen kann ich zwar, habe aber bei ihm Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Wird schon werden mit mir, verspreche Besserung - "politisch gesehen" an Poker_Face gerichtet, aber bitte nicht alles nachplappern, ein bischen Phantasie kann man schon erwarten.
Genau so ist es. Westerwelle und Merkel fühlen sich dazu halbherzig gezwungen, während Obama wirklich Hilfe leisten möchte.
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