In Haiti hat sich die Revolte gegen Präsident Jean-Bertrand Aristide auf mindestens elf Städte ausgeweitet. Nach sporadischen Schießereien erlangte die Polizei wieder die Kontrolle über die Hafenstadt St. Marc, 70 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince.

Seit Beginn der Rebellion am 5. Februar kamen mindestens 41 Menschen bei den Zusammenstößen ums Leben, wie aus Berichten von Augenzeugen, des Roten Kreuzes und Radiomeldungen hervorging.

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Ministerpräsident Yvon Neptune rief Bevölkerung und Aufständische bei einem Besuch in St. Marc zur Ruhe auf.

Die Polizei allein könne die Ordnung nicht wieder herstellen, sagte er. Der Oppositionspolitiker Himler Rebu sprach von einem "bewaffneten Volksaufstand".

Rebu führte 1989 einen Putschversuch gegen General Prosper Avril an.

In Gonaives, der viertgrößten Stadt Haitis, und anderen Ortschaften wurden in den vergangenen Tagen Polizeiwachen in Brand gesteckt und die Sicherheitskräfte vertrieben.

Menschen errichteten auf den Zufahrtsstraßen nach Gonaives, St. Marc und Cap Haitien Blockaden mit brennenden Reifen, gefällten Bäumen und Autowracks.

Da Tankwagen zur Versorgung von Generatoren die Städte nicht mehr erreichen können, droht ein Stromausfall.

Die 200 000 Einwohner zählende Stadt Gonaives liegt im Nordwesten von Haiti und ist seit Monaten ein Zentrum des Widerstands gegen den Präsidenten.

Aristide lehnt Rücktritt ab

Aristide lehnt einen Rücktritt ab und hat angekündigt, er werde bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2006 an der Macht bleiben.

Die Widerstandsfront Gonaives war einst mit Aristide verbündet. Im vergangenen Jahr wandte sie sich gegen ihn mit dem Vorwurf, die Regierung habe ihren Führer Amiot Metayer getötet, damit dieser keine Informationen über den Präsidenten preisgeben könne.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York, die Lage werde beobachtet. Die USA verurteilten die Welle der Gewalt.

Die Probleme Haitis müssten im Dialog gelöst werden, hieß es. Außenamtssprecher Richard Boucher rief die Regierung Aristides auf, die Menschenrechte der Bürger zu achten.

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(sueddeutsche.de/AP)