Mit einem Internetfilm schafft Stefan Petzner eine persönliche Hommage an seinen "Lebensmenschen" Jörg Haider - und setzt sich selbst auffallend in Szene.
Seit ein paar Wochen sagt Stefan Petzner überhaupt nichts mehr. Er müsse sich vor sich selbst schützen, ließ er ausrichten, seither lehnt der frühere Pressesprecher des verunglückten österreichischen Rechtspolitikers Jörg Haider Interviewanfragen ab.
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Kurz nach dem Tod Haiders im Oktober hatte Petzner, 27, allerdings eine ganze Menge Interviews gegeben. Mit tränenerstickter Stimme erzählte er da, dass Haider sein "Lebensmensch" gewesen sei und dass dieser sich immer Sorgen gemacht habe "wegen des großen Altersunterschieds zwischen uns". Auch seriösen Beobachtern fiel es schwer, das als die Worte eines besonders loyalen Mitarbeiters zu interpretieren. Spekulationen über eine Liebesbeziehung kamen auf.
In Haiders Partei BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) reagierte man peinlich berührt. Petzner wurde in die BZÖ-Zentrale nach Kärnten abgeschoben - in der Hoffnung, das öffentliche Interesse an ihm und seiner Beziehung zu Haider würde erlöschen.
Jetzt aber hat Petzner in seiner Eigenschaft als Parteimanager in Kärnten einen Film produziert und ins Internet gestellt. Der Titel: In seinem Geist mit neuer Kraft. Man kann ihn als Hommage an das Idol der Rechten in Österreich sehen, als Imagefilmchen einer orientierungslosen Partei, aber auch als Stefan Petzners trotziges Bekenntnis zu einem Nahverhältnis, das seine Parteikollegen jetzt so gerne vergessen machen wollen.
In knapp 15 Minuten zeichnet Petzner Haiders Karriere nach, großteils rasant geschnitten wie ein Musikvideo, unterlegt mit poppigen Beats. Tiefpunkte wie Haiders Spruch von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" der Nazis werden ausgelassen. Manches ist unfreiwillig komisch: Etwa Haiders bemerkenswerte optische Wandlungsfähigkeit, die genauso anschaulich dokumentiert wird wie die beeindruckende Provinzialität des Umfelds, in dem politische Karrieren in Österreich stattfinden.
Der Filmemacher erspart seinen Parteikollegen auch nicht jene Bilder, die ihn und Haider in allzu inniger Umarmung zeigen. Er inszeniert sich als der Mann an seiner Seite und als legitimer Nachfolger an der Parteispitze, er macht sein Statement. Dafür, dass er sich schützen will, tritt Petzner mit diesem Beitrag im Internet ziemlich öffentlich auf.
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(SZ vom 05.12.08/cag)
ICE-Strecke
Das Internet lädt dazu ein sich schneller zum Kasper zu machen als einem lieb ist.
Bestseller, Quotenstar?