Haftbefehl gegen ägyptischen Satiriker Washington äußert "schwere Bedenken"

Dies nun sieht man in Washington nicht mehr ganz so. Der Haftbefehl gegen den einstigen Herzchirurgen und heutigen Star-Satiriker Jussef sei "Beweis für eine beunruhigende Tendenz, die Meinungsfreiheit einzuschränken", sagte Victoria Nuland, Sprecherin des State Department. Außenminister John Kerry äußerte "schwere Bedenken" über Ägyptens Weg, nachdem er erst vor ein paar Tagen ein paar Millionen Dollar Finanzhilfe versprochen hatte: "Dies ist ein Schlüsselmoment."

Die amerikanische Botschaft in Kairo goss Öl ins Feuer und verbreitete den Link mit der Jon-Stewart-Show (Anm. der Red.: Die US-Botschaft entfernte den Tweet noch am Mittwoch aus ihrem Account, wie die Nachrichtenagentur AFP meldete).Und das alles vor der Ankunft von Delegierten des Internationalen Währungsfonds, der einen dringend benötigten Milliardenkredit bewilligen soll.

Für die Muslimbrüder in und um die Regierung waren die Mahnungen aus Amerika eine "himmelschreiende" Einmischung, "dreist" und grundlos. Amerika übe zu viel Nachsicht angesichts der Verleumdung des Islam. "Wieder ein undiplomatischer und unkluger Zug der amerikanischen Botschaft in Kairo, ergreift Partei in einer laufenden Ermittlung, ignoriert ägyptische Gesetze und Kultur", twitterte die Muslimbruder-Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" säuerlich.

Es ist ein seltener Dissens. Die amerikanische Regierung, so kritisieren nämlich Ägyptens Liberale, habe sich mit den Muslimbrüdern viel zu gut arrangiert. Im begreiflichen Bemühen, einen gewählten Präsidenten zu respektieren, übergehe Washington die Opposition.

Der liberale Abgeordnete Amr Hamsawi beispielsweise wirft Amerika vor, alte Fehler zu wiederholen: Wie unter Mubarak schweige Washington zu Menschenrechtsverletzungen und politischer Unterdrückung. Wie damals behandele Washington die Regierungspartei als alternativlos, schreibt er. Für Hamsawi ist das eine Katastrophe. Für den Satiriker Jussef ein Fest.