Karl-Theodor zu Guttenberg, einst Lieblingspolitiker der Deutschen, hat alle getäuscht. Seine Wähler, seine Parteifreunde und vor allem sich selbst. Hat er eine zweite Chance verdient? Eindeutig ja. Doch der CSU-Politiker weigert sich, die dafür notwendige Voraussetzung zu erfüllen.
Selbstsicher wie eh und je lehnt er sich zurück in seinem Sessel auf dem Podium im kanadischen Halifax. Gekonnt pariert er die wohlwollenden Fragen der Moderatorin der dortigen Sicherheitskonferenz. Es ist, als wäre nichts gewesen. Als hätte er nicht acht Monate zuvor mit Schimpf und Schande alle seine Ämter in der CSU und in der Bundesregierung fallen lassen müssen. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg hat seine Wähler, seine Parteifreunde, das Land und vor allem aber sich selbst getäuscht. Und macht es noch immer.
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Beim "Halifax International Security Forum" gab Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Weltenerklärer. (© dpa)
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Weite Teile seiner Doktorarbeit hat Guttenberg einfach abgekupfert. Die Universität Bayreuth kommt zu einem eindeutigen Schluss: Das war Vorsatz. Eine andere Erklärung wäre nur möglich, wenn die geistige Verfassung des Autors insgesamt in Frage gestellt werde. Die Uni hat Guttenberg folgerichtig den Titel aberkannt.
Guttenberg ist zu jung, als dass er seine Karriere jetzt einfach für beendet erklären könnte. Er hat eine zweite Chance verdient, wie jeder, der einen Fehler gemacht hat. Dazu muss er eine elementare Voraussetzung erfüllen. Er muss Reue zeigen. Guttenberg weigert sich.
Sämtliche wissenschaftliche Kriterien, die man bei einer solchen Arbeit einhalten muss, zu missachten, ist das eine. Das andere, weitaus schwerwiegendere aber ist es, dass er mit seinem Verhalten nach der Veröffentlichung des Skandals in der Süddeutschen Zeitung Wissenschaft und Politik gleichermaßen und nachhaltig in Verruf gebracht hat. Von "abstrusen" Vorwürfen hat er gesprochen. Selbst als die Beweislast erdrückend war, tat er noch so, als sei alles in Ordnung.
Sein Verhalten erschütterte die Universitäten: Bis heute müssen sich Doktoranden mitunter belächeln lassen, wenn sie sich auf den oft mühevollen Weg zum akademischen Grad machen.
Festhalten an der Legende
Guttenberg hat seine Schuld nie anerkannt. Er hält an der alles andere als glaubwürdigen Legende fest, er sei mit Familienstress und Doktorarbeit überfordert gewesen. Das seien ihm halt "ungeheuerliche" Fehler passiert. Aber das sei "kein Betrug".
Mögen jetzt viele schreien, zu Guttenberg sei Unrecht widerfahren. Nein, Unrecht ist all jenen Millionen Menschen widerfahren, die ihm vertraut haben. Guttenberg hat sie alle belogen und getäuscht. Nur sind viele nicht bereit, das zu akzeptieren.
Ohne Reue keine zweite Chance. Guttenberg wird auch diesen Grundsatz brechen und ohne echtes Schuldeingeständnis einen zweiten Anlauf nehmen. Seine ersten Äußerungen in der Wochenzeitung Die Zeit lassen vermuten, dass ihm dabei jede Form von Demut abhanden gekommen ist. Er werde sich "alles offen halten", sagt er. Als sei es lediglich an ihm, ob er erneut Minister oder Staranwalt oder Wirtschaftskapitän werde.
Der 39-Jährige maßregelt die aktuelle politische Klasse, weil die den Bürgern ihre Politik nicht erkläre. Er spricht über Außenpolitik, als sei er der Weltenretter schlechthin. Er kokettiert gar mit der Gründung einer eigenen Partei.
Das alles offenbart ein derart gehöriges Maß an Selbstüberschätzung, dass vor diesem Mann gar nicht oft genug gewarnt werden kann. Viele haben sich von ihm blenden lassen. Auch wir Journalisten. Auch der Autor dieser Zeilen. Erst nach seinem Abgang hat sich in voller Breite die Substanzlosigkeit seiner bisherigen Arbeit gezeigt.
Als Wirtschaftsminister war er ein Phrasendrescher, kaum in der Lage, mehr über soziale Marktwirtschaft zu berichten als in ein paar Broschüren nachzulesen ist. Seine Bundeswehrreform: Murks. Seinem Nachfolger im Verteidigungsministerium, Thomas de Maiziere, ist zu verdanken, dass Guttenbergs chaotische Planungen jetzt geräuschlos abgeschlossen werden konnten. Bei den Soldaten und bei den Menschen im Land war der CSU-Politiker beliebt wegen seines markigen Auftretens.
Im Schein der Kameras glänzte Guttenberg stets. Er gab den Anti-Politiker. Sein Erfolgsrezept war, den Eindruck zu erwecken, keiner von denen da oben zu sein. Dabei war er mehr einer von denen da oben als alle anderen. Hinter seinem Schreibtisch aber versagte er.
Was er kann: Selbstinszenierung und Imagepflege. Das zeigt sich jetzt wieder. Öffentlicher Auftritt in Kanada, Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen 20.000 Euro Geldauflage, Interview in der Zeit, Ankündigung eines Buches mit dem selbstsprechenden Titel "Vorerst gescheitert". Alles in etwas mehr als einer Woche. Wer das alles für Zufall hält, der unterschätzt die wenigen Qualitäten, die Guttenberg zugeschrieben werden müssen.
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(sueddeutsche.de/mati)
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... muss man ihm schon bescheinigen.
Selten habe ich jemanden erlebt, der im politischen Betrieb die mediale Selbstinszenierung so perfekt beherrscht, wie zu Guttenberg.
Durch seine gekonnte, stetige Selbstinszenierung werden allerdings seine hochgerühmten politischen Erfolge als Wirtschafts- und insbesondere letztlich als Verteidigungsminister völlig überlagert.
Wer erinnert sich denn heute noch an die Kundus- oder die Gorch Fock-Affäre? Wer erinnert sich denn noch an die genial vorbereitete Bundeswehr-Reform, deren Scherben dann sein Nachfolger zusammenkehren musste?
Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen; wie er es ständig gebetsmühlenartig zum Besten gibt; ist für Guttenberg stets nur ein Fremdwort gewesen; Verantwortung für sein Handeln und seine Ressorts mussten nämlich stets andere tragen. Beispiele hierfür gibt es zuhauf.
Ich erinnere mich bis heute im Zusammenhang mit Guttenberg leider nur an sein omnipräsentes, mediales Auftreten und die markigen Sprüche, die so wunderbar aus der verklausulierten Phrasendrescherei heutiger Berufspolitiker herausstechen.
Politiker werden allerdings nicht an Sprüchen und gegeltem Haar, sondern an Ergebnissen gemessen; und hier hat er leider nichts, aber auch gar nichts vorzuweisen.
In der Tat hat jeder eine zweite Chance verdient; selbstverständlich auch KTG. Hierzu bedarf es dann allerdings der Voraussetzung, dass Anspruch und Wirklichkeit auch wenigstens ein klein wenig in Einklang stehen sollten.
Nur das ständige, wiederholte mediale Verbreiten von wohlklingenden Worthülsen wie Verantwortungsbewusstsein, Offenheit und Ehrlichkeit; gepaart mit einem schneidigen Auftreten, machen noch keinen glaubwürdigen Politiker aus, wenn es denn letztlich stets an entsprechenden Taten fehlt. Und diesen Einklang zwischen Worten und Taten konnte ich bei zu Guttenberg noch nie feststellen. Sein Verhalten in und nach der Plagiats-Affäre ist da letztlich nur eine weitere, bestätigende, wenn auch unbedeutende Randnotiz.
Für mich ist und war zu Guttenberg schon immer ein synthetisches Produkt einiger Medien. Einfach grandios überbewertet!!!
Richtigerweise müßte es heißen "Liebling einiger Deutscher". Nur weil Medien versuchen ihn zu etwas zu machen das er nicht ist, heißt das noch lange nicht das diese Medien für die Allgemeinheit sprechen.
Es geht in der Politik nur um die Interessen Einzelner aber nie des Volkes. Repräsentative Demokratie setzt vorraus das wir repräsentative Politiker haben. Ich sehe jedoch keine...
Das wird es nie geben. Guttenberg war das Aushängeschild der Jägerschaft, sie prahlten mit ihm als einer der Ihren. Wenn wundert die Plagiatsaffäre und auch daß das Verfahren eingestellt wurde, er sogar noch mit der gleichzeitigen Vorstellung seines Buches womöglich Profit aus dem Mediensksandal (der eigentlich keiner ist) zieht. Wer bitte glaubt da an Reue? Jemand der sich einfach wie viele andere Lobbyisten mit dem entprechenden finanziellen Background für ein Taschengeld (für ihn) freikaufen kann, muss doch keine Reue zeigen..
Es lebe die Bananenrepublik. Er soll ruhig weiter Karriere machen aber bitte ohne Machtposition, denn dazu ist er menschlich wenig geeignet. Ich würde es fehlende soziale Kompetenz nennen. Da er einer absteigenden Lobbyistenpartei angehört dürfte die Gefahr für einen Schadens eher gering sein. Ich jedenfalls würde nie so eine Partei wählen in der Politiker sitzen denen man nicht trauen kann und die bei Fehltritten weder Reue zeigen noch die Konsequenzen ziehen. Dennoch hat Guttenberg gezeigt wieviel ein Doktortitel wirklich wert ist. Ich möchte nicht wissen wieviele seiner GEnossen auf gleiche Weise an dieses für sie so wichtige Aushängeschild kamen.
Ich wagte es kaum mehr zu hoffen, Herr Denkler, dass auch Sie einmal erkennen, dass dieser "Kaiser" eben doch keine Kleider an seinem vom Ehrgeiz zernagten Gebein trägt.
Allerdings wäre es angemessen, den (Presse)Spiegel, in dem sich der Urtyp der Chuzpe höchstselbst täglich bewundert, zu zerschlagen und seiner narzistischen Hülle ohne charakterliche Substanz einmal die kalte Schulter zu zeigen.
Drehen wir uns doch einfach alle um! Und entziehen dem Wiedergänger eben die Aufmerksamkeit, die er zur Wiederbelebung so sehr braucht.
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