Empörung über die neue Anordnung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Urananreicherung: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Kurs der iranischen Regierung scharf kritisiert - und Konsequenzen gefordert.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die nationale Atomenergiebehörde seines Landes angewiesen, mit der Herstellung von hochangereichertem Uran zu beginnen. Gleichzeitig merkte Ahmadinedschad jedoch an diesem Sonntag in Teheran an, dass sein Land im Atomstreit mit der Weltgemeinschaft weiterhin offen für Kompromiss-Verhandlungen bleibe.

Verärgert: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg; dpa

Verärgert: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (© Archiv-Foto: dpa)

Anzeige

Iran werde aber - für die Nutzung in einem Forschungsreaktor bei Teheran - mit der Anreicherung auf ein Niveau von 20 Prozent starten, wenn der Westen nicht aufhöre, mit seinem Land "Spielchen zu spielen", sagte der Präsident. "Wir werden nicht zulassen, dass Iran von Wachstum und Fortschritt ferngehalten wird."

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisierte den Vorstoß scharf. Die Ankündigung Ahmadinedschads zeige, dass die ausgestreckte Hand des Westens von Iran "nicht nur nicht ergriffen, sondern weggeschlagen wird", sagte Guttenberg am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.

Nun sei der UN-Sicherheitsrat gefragt, darauf zu reagieren. Dabei könne es auch sein, "dass die Sanktionsschraube angezogen werden muss". Guttenberg appellierte an Russland und China, sich notwendigen Maßnahmen im UN-Gremium nicht zu verweigern. Iran müsse "deutlich gemacht werde, dass die Geduld nun wirklich am Ende ist", sagte der CSU-Politiker.

"Gemeinsam Stellung beziehen"

US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte die internationale Gemeinschaft zu mehr Härte gegenüber Iran auf. Es müsse gemeinsam Stellung bezogen werden, "um Druck auf die iranische Regierung auszuüben", sagte Gates in Rom nach einem Gespräch mit seinem italienischen Kollegen Ignazio La Russa.

Die internationale Gemeinschaft habe Teheran "zahlreiche Gelegenheiten" gegeben, die Ziele seines Atomprogramms transparent zu machen, sagte Gates. "Die Ergebnisse waren sehr enttäuschend", fügte er hinzu. Wenn die internationale Gemeinschaft zusammenarbeite und Druck auf Teheran ausübe, dann, "glaube ich, bleibt immer noch Zeit, damit Sanktionen und Druck Wirkung zeigen können. Aber wir müssen alle zusammenarbeiten", forderte Gates.

Die Weltgemeinschaft will, dass der Anreicherungsprozess nicht in Iran, sondern unter internationaler Kontrolle in Russland und Frankreich erfolgt.

Im Grunde ist Teheran damit einverstanden, stellt aber unter anderem Bedingungen hinsichtlich des Übergabeortes, des Zeitraums für Rücklieferungen und der Menge. Für den Fall des Scheiterns drohen die USA und die EU ihrerseits mit verschärften Sanktionen gegen Iran.

Irans Außenminister Manuchehr Mottaki hatte mit seinem Auftritt in München weitere Verwirrung ausgelöst. Der Besuch war zunächst als Zeichen der Hoffnung für einen Weg aus dem jahrelangen Atomstreit mit Iran gewertet worden.

Westliche Politiker hatten sich jedoch nach den Gesprächen in München enttäuscht über die Ergebnisse geäußert. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: "Unsere Hand bleibt ausgestreckt, aber bisher greift sie ins Leere."

Unverbindlicher Meinungsaustausch

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der Japaner Yukiya Amano, hatte am Samstag nach seinem Treffen mit Mottaki gesagt, es sei nicht um neue Vorschläge, sondern nur um einen Meinungsaustausch gegangen. Iran beschuldigte seinerseits die westlichen Diplomaten in München, mit ihren öffentlichen Äußerungen die Lage nur komplizierter zu machen.

Das islamische Land reichert Uran bisher nur auf einen Grad von 3,5 Prozent des spaltbaren Isotops U 235 an. Ahmadinedschad hatte vor wenigen Tagen erklärt, sein Land sei bereit, das schwach angereicherte Material im Ausland auf den Grad von 20 Prozent bringen zu lassen, um es dann in dem medizinischen Forschungsreaktor bei Teheran einsetzen zu können. Den Kompromiss hatte die IAEA im vergangenen Oktober ausgearbeitet.

Der Westen verdächtigt Iran, die Uranreicherung für militärische Zwecke nutzen zu wollen. Für den Einsatz als Waffe muss Uran jedoch nicht nur auf 20 Prozent, sondern mindestens auf 85 Prozent U 235 angereichert werden. Für den Fall, dass der Atomdeal scheitern sollte, drohte der US-Senator Joe Lieberman Iran sogar mit militärischem Eingreifen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/ddp-bay/AFP/plin)