Von TV-Studio zu TV-Studio eilt Minister Guttenberg in diesen Tagen. In der ARD redet er über Eiertänze, einen Krieg - und wo er dilettiert.
Da saß er wieder. Der Minister, der fast täglich die Schlagzeilen der deutschen Presse ziert. Der mal eben nach Kundus jettet, um den deutschen Soldaten die Heimatfront zu erklären und den Afghanen den Krieg. Und der in Fernsehstudios augenscheinlich eine zweite Heimat gefunden hat.
Hat in den Fernsehstudios eine zweite Heimat gefunden: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (links) parliert mit ARD-Talker Reinhold Beckmann. (© Foto: dpa)
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Deutschlands Talkshow-Minister Nummer eins hatte erst am Donnerstag im ZDF bei Maybrit Illner sein Lavieren in der Kundus-Affäre erklärt, die unglückliche Nachbereitung des Bombardements zweier Tanklastzüge nach dem Geheiß eines deutschen Offiziers. Vier Tage später beglückte Karl-Theodor zu Guttenberg die Konkurrenz der ARD, nachdem er zwischendurch unter anderem bei RTL zitable Statements abgegeben hat.
Er macht Eindruck
Der fränkische CSU-Politiker ist als Bester seiner Gilde vollkompatibel mit jeder Gesprächs-Konfiguration. Bei ARD-Talker Reinhold Beckmann parlierte er in Gegenwart des Altpräsidenten Richard von Weizsäcker und der Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter aufs Schönste. Irgendwann gestand der Dirigentensohn: "Ich dilettiere", aber das war nur auf sein Klavierspiel bezogen. Aus den Fingerübungen des kleinen "KT" hätte nach zwischenzeitlicher Familienplanung einmal professionelle Einkommenserzielung werden sollen, dafür aber reichte es nicht ganz.
Stattdessen besetzt der sympathisch lächelnde Kommunikationskünstler jede Bühne, die das Fernsehen bietet. Andere machen Druck, er macht Eindruck. Guttenberg hat es geschafft, in wenigen Wochen seit Amtsantritt als Verteidigungsminister weit mehr gefühlte TV-Präsenz zu erreichen als sein ungelenker Vorgänger Franz Josef Jung in vier Jahren. Der Christdemokrat aus Eltville tat sich schwer mit dem Formulieren verständlicher Sätze, vom gehobenen Smalltalk des deutschen Salonwesens ganz zu schweigen.
Da ist Karl-Theodor zu Guttenberg von ganz anderem Kaliber. Da mag der Spiegel noch so hämisch titeln ("Der Entzauberte"), da mögen die Kommentatoren noch so häufig Schwächen und Widersprüche beim gegelten Neu-Minister ausmachen, der die Luftschläge von Kundus erst als "angemessen" bezeichnete und sich dann korrigierte - dieser smarte Freiherr des gesprochenen Wortes dampfplaudert auch das größte Dilemma klein.
Im Video: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Vorwürfe der Opposition zurückgewiesen, er habe die Öffentlichkeit über den umstrittenen Luftangriff bei Kundus getäuscht. Weitere Videos finden Sie hier
"Ich kneif nicht, generell nicht", sagt er im Hinblick auf seine Ausdauer, im Moment des größten Trommelfeuers das Mobiliar der deutschen Talkshow-Studios zu testen. Die Strategie sieht dann so aus, die Aufmerksamkeit weit weg von sich auf andere zu lenken.
Auf die Leute von der Opposition (Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel) zum Beispiel, denen er Unterlagen sogleich zur Verfügung gestellt habe. Auf seine Chefin, die Bundeskanzlerin Angela Merkel selbstredend, denn er frage sich, ob es nach dem Angriff Anfang September "auch schon Hinweise bei der Bundesregierung gab, worum es tatsächlich ging". Und schließlich auf die deutsche Öffentlichkeit, in der afghanische Realitäten allzu oft verschwiegen worden seien. "Wir müssen sehr viel deutlicher werden." Die Bundeswehr brauche eine "ganz klare Beschreibung dessen, was dort stattfindet".
In diesem großen Gesamtbild wird die Rolle des zuständigen Ministers ganz klein, der in der Zeit von Kundus als Wirtschaftsminister noch mit der Wahrheit über Opel beschäftigt war. Guttenberg gibt sich makellos, wo andere verdrängen. Moderator Beckmann machte es ihm leicht.
Politischer Eiertanz
Dass andere aus dem berühmten Isaf-Bericht - anders als der Minister - sofort herauslasen, dass in Kundus nicht Tanklastzüge, sondern Taliban-Führer getroffen werden sollten, geht in dem Rechtfertigungs-Geplaudere unter. Es seien ihm ja acht, neun Berichte vorenthalten worden, so Guttenberg. Dass in einem steht, die Aufständischen sollten "vernichtet" werden, stört den Guterzogenen schon von der Wortwahl her. Das sei eine "bemerkenswerte Formulierung". Natürlich, es ist Krieg, aber objektiv war falsch, was subjektiv richtig war. Nun brauche es neue Verfahrensregeln, ein Soldat ist kein THW-Helfer. Aber wird im Krieg nicht "vernichtet"? Guttenberg redet so lange um den Kreis herum, bis er viereckig ist.
Es geht ihm schließlich auch um die "Zeit vor meiner Zeit", um das Aufarbeiten alter Strukturen im Verteidigungsministerium, in dem ein Minister offenbar eine Art Alien war. Dann wieder regt er sich auf über das "politische Bohei", das in Folge der Kundus-Affäre entstand und gibt kund, sich auf den Untersuchungsausschuss am Mittwoch zu freuen.
Andererseits macht sich Guttenberg im Gespräch mit Weizsäcker ein wenig über die politischen "Meister des Eiertanzes" lustig. Der Altpräsident spricht über den Zweiten Weltkrieg als "wahren Krieg", in dem Länder gegeneinander zu Felde zogen. Die Erinnerung daran sei eine schwere Last für aktuelle militärische Fragen und die derzeitige "Parlamentsarmee". Dazu hat der amtierende Verteidigungsminister nichts zu sagen. Er ist selbst eine Art politischer Eiertänzer.
Von den Ausführungen der Violinistin Mutter zeigt sich Guttenberg sichtbar angetan. Die Künstlerin spricht von ihrer Stradivari wie von einer Person, die vor 300 Jahren geboren wurde, sie preist ihre Familie und eine kurze Besinnungspause in ihrer Karriere. "Die Themen lassen sich gut verbinden", befindet der CSU-Mann über Politik und Musik. Maestro Guttenberg, der sich in seiner Partei vom Superstar zum Sorgenkind entwickelt hat, kann sich ein "politisches Sabbatical" gut vorstellen, "das würde dem ganzen Geschäft nicht schaden".
Bis es soweit ist, betreibt Deutschlands derzeit erster Talkshow-Minister das Geschäft einfach selbst fleißig weiter. Seine ebenfalls omnipräsente Frau Stephanie ist für alle bunten Blätter und Ereignisse zuständig, er selbst unterhält die politische Szenerie mit Grundsatzbetrachtungen und atemberaubenden Volten. Er redet. Er redet zu viel, einen Rücktritt aber lehnt er ab. Guttenberg hat schließlich auch seine regierungsamtliche Isolation als Wirtschaftsminister während der Opel-Rettung überlebt. Seine Heldenrolle definiert er als fränkischer Siegfried im Kampf mit dem Drachen Mediengesellschaft.
Nur allzu oft sollte er im politischen Bohei nicht sagen: "Ich dilettiere."
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(sueddeutsche.de/aho)
Sie sagen u.a.: ".............Und wer die Propaganda-Lüge gegen den..........für den AFG-Überfall (Das sollten Sie doch weiterhin als Kreigsverbrechen nennen, wenn schon, denn schon) benutzt, der ist ein bedauernswertes Opfer (gottgottgott) der von A-Z verlogenen Propaganda bestimmter Kreise, die zu benennen mich die sogenannte nettiquette hindert".
Warum sollte Ihre "wahre" Aufdeckung die Nettiquette hindern? Wer behindert Sie in der Aufdeckung der Wahrheit? Warum nennen SWie denn nicht die bestimmte Kreise. Aufklärung ist alles, ansonsten wäre es ratsam, nichts zu sagen. Eine Wahrheit wurde bisher von der Einhaltung einer Nettiquette nicht unterdrückt.
Mal abgesehen von den Inhalten Ihrer Kommentare, in denen u.a. "hochspurig" von Kriegsverbrechen die Rede ist, fragen Sie ob man Sie für selbstgerecht, herablassend oder überheblich nennen könne, geben darauf selbst die Antwort: "Ich meine nein, aber kann mich natürlich täuschen". Wie könnte man solch eine Haltung beurteilen? Man hört doch eine Selbstgerechtigkeit, eine Überheblichkeit heraus, oder sehe ich das falsch.
Hallo Carolynne!
ich bewundere und beneide Sie!
Allerdings etwas weniger für Ihre letzten beiden Beiträge, sondern für Ihre absolut perfekten Kenntnisse der deutschen Sprache!
Zu Ihrem posting gegen die Pseudo-Gutmenschen lautet meine Antwort:
1. Ich bin gewiss kein "Gutmensch", sondern ein Realist, der sich allerdings bemüht, URSACHE und deren WIRKUNG bestmöglich zu unterscheiden, d.h.ich frage zuerst WHO fired first?
Und wenn meine Antwort darauf "der Westen" und/oder "die kriegs-geilen USA" lautet, dann ist DAS die Basis für meine Beurteilungen der jeweils in Rede stehenden Sachverhalte!
2. Hier geht es um Afghanistan, eines der ärmsten Länder der Erde, dessen Einwohner mehrheitlich noch nicht einmal wissen, WO die USA auf der Landkarte zu suchen sind, von New York garnicht erst zu reden!
DESHALB halte ich den Überfall der USA auf Afghanistan für ein Kriegsverbrechen! Und dass dafür ausgerechnet der Terroranschlag "9/11" als Hauptgrund herhalten musste, von dem inzwischen immerhin soviel bekannt ist, dass kein einziger Afgane auch nur das Geringste damit zu tun hatte, dann nenne ich DAS ein -ebenso grosses- VERBRECHEN der Bush-Gheney-Gang wie den durch rein garnichts gerechtfertigten Überfall derselben US-Gang auf den IRAK!
3. Wenn bei diesen eindeutigen Kriegsverbrechen (= URSACHE) auch Amerikaner und andere "Westler" zu tode kommen, dann ist das nach meinem Rechtsverständnis eindeutige FOLGE (= Wirkung) des jeweiligen US-Kriegsverbrechen!
Bin ich deshalb "selbstgerecht", "herablassend" oder gar "überheblich"?
Ich meine NEIN, aber kann mich natürlich täuschen!
Ich habe einige Ihrer Kommentare und Stellungnahmen gelesen, darunter auch Ihre Antwort auf den Beitrag von svogt: Meinen Sie nicht, dass Ihnen etwas weniger selbstgerechte Herablassung und Überheblichkeit gut zu Gesicht stünden?
Als in Deutschland lebende US-Amerikanerin bin ich immer wieder bestürzt, wie weltfern und heuchlerisch die SPD-Linke, die neue Linke und ihre Anhänger doch sind.
Glauben diese Pseudo-Gutmenschen allen Ernstes, man könne die Taliban mit Worten bekehren? Der Hass gegen Christen und die westliche Lebensart sitzt doch viel zu tief, gedanklich befinden sich diese Extremisten ohnehin im tiefsten Mittelalter. Um einen Konflikt friedlich zu lösen, bedarf es immer beider Seiten: wie naiv und weltfern muss man eigentlich sein, um allen Ernstes zu glauben, man können die Taliban mit Worten zur Einsicht oder gar zur Umkehr zu bewegen? Fighting fire with fire - manchmal muss das leider sein - und der Krieg in Afghanistan gehört wohl auch in diese Kategorie.
Seltsamerweise meldet sich die linke Gutmensch-Fraktion nie zu Wort, wenn unschuldige Zivilisten, Rotkreuzhelfer oder deutsche Soldaten von den Taliban getötet werden. Zählen diese Leben nicht? Anstatt die deutschen Soldaten, die einen verdammt harten Job machen, zu unterstützen, werden sie beschimpft, vorzugsweise von linken Maulhelden, die schon unters Bett kriechen, wenn ein Kind im Fasching mit Platzpatronen schiesst.
Was die Diskussion um die Person des deutschen Verteidigungsminister zu Guttenberg betrifft: wenn ich in manchen Beiträgen lese, dass man sich über das Klavierspiel des Ministers, sein Outfit oder seine adelige Herkunft mit sehr viel Häme lustig macht, dann frage ich mich, welchen Geistes Kind man sein muss, um eine Diskussion um die politische Kompetenz und Glaubwürdigkeit eines Mannes mit solchen "Argumenten" zu führen. Übrigens haben sich bei einer Umfrage von Pro 7 achtzig Prozent der Befragten für zu Guttenberg ausgesprochen...
Die Deutschen kennen anscheinend nur Extreme. Zuerst wollen sie die ganze Welt in Schutt und Asche legen; 60 Jahre später lassen sie sich von jedem Fundamentalisten auf der Nase herumtanzen. Wie sagte schon Heinrich Heine: Denk in an Deutschland in der Nacht, werd ich um den Schlaf gebracht. Wie recht er doch hatte.
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