Guttenberg in Afghanistan: Staatsschauspieler ohne Gespür

So empört sind die Reaktionen auf seinen Afghanistan-Besuch, dass Verteidigungsminister Guttenberg zur Rechtfertigung antritt. Doch Kritik kommt auch vom eigenen Koalitionspartner.

Die Afghanistan-Reise von Karl-Theodor zu Guttenberg erntet Spott von den Medien und Kritik aus der Opposition - und aus den Reihen des Koalitionspartners. Es war der medienwirksamsteTruppenbesuch des Verteidigungsministers, als er am Montagmorgen samt Gattin und Johannes B. Kerners Talkshow-Set zu einem Überraschungsbesuch am Hindukusch eintraf. Guttenberg hat gemeinsam mit dem Sat1-Moderator im Feldlager in Masar-i-Scharif eine Talkshow aufgezeichnet.

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Das Echo war wie erwartet enorm, kaum eine Tageszeitung, auf deren Titelseite am Montagmorgen kein Bild des Guttenberg'schen Familienausflugs prangte. Doch auch der Spott war groß: "Familienbesuch in Afghanistan", titelte der Tagesspiegel, "Operation Stephanie" die Berliner Zeitung und "Paar-Lauf am Hindukusch" die TZ. Nach Art eines patriotischen Hollywoodfilms bearbeitete die Frankfurter Rundschau die Aufnahmen aus Afghanistan und überschrieb es mit "Die Schönen und der Krieg".

Weitaus weniger ironisch ist die Kritik aus der Opposition: SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte das Programm "absolut unangemessen", Generalsekretärin Andrea Nahles den Verteidigungsminister einen "Staatsschauspieler". Auch Fachpolitiker griffen Guttenberg an. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte "Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen."

So langsam gehe ihm "jegliches Gespür" für Grenzen ab, so Arnold in der Mitteldeutschen Zeitung. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion meldete sich zu Wort: "Taliban und Talkshows passen nicht zusammen", sagte Thomas Oppermann der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Die Grünen-Chefin Claudia Roth warf Guttenberg vor, die Kulisse in in Masar-i-Scharif und Kundus "für plumpe Eigen-PR" zu nutzen. Der "extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio" werde dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen, sagte Roth dem Hamburger Abendblatt. Ähnlich lautete die Kritik von Linke-Fraktionschef Gregor Gysi: "Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet", sagte Gysi dem Berliner Tagesspiegel. Die "ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross" verbessere weder die Lage in Afghanistan noch mache sie den Bundeswehreinsatz richtig.