Von Birgit Kruse

Bundesverteidigungsminister Guttenberg reist mit einer klaren Botschaft an Präsident Karsai nach Afghanistan. Doch auch für ihn selbst geht es bei der Reise um mehr als einen Antrittsbesuch.

Eines möchte Karl-Theodor zu Guttenberg um jeden Preis vermeiden: schlechte Presse. Der Verteidigungsminister will gut dastehen, will ernst genommen werden in seiner neuen Rolle, will um Vertrauen werben - und Akzente setzen.

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Weg nach Afghanistan. (© Foto: AP)

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Gut sind die schlechten Schlagzeilen noch in Erinnerung, mit denen sein Amtsvorgänger Franz Josef Jung umgehen musste. Als Jung 2005 sein Amt antrat, war er für viele nicht mehr als eine Verlegenheitslösung - eine schnell verfügbare Alternative zu Roland Koch, der lieber Hessen regieren als ein Bundesressort leiten wollte. Die Kanzlerin rüffelte ihn immer wieder wegen ungeschickter Äußerungen. Seine politischen Gegner führten gerne als Kritikpunkt mangelnde Nähe zur Truppe an.

Deutliche Worte

All das soll Guttenberg nicht passieren. Bislang ist seine politische Karriere rasant, steil und vor allem reibungslos verlaufen. So soll es bleiben. Er kündigt - wie schon in seinen Positionen zuvor - deutliche Worte an. "Ich versuche, in diesem Amt eine klare Sprache zu finden und ein Höchstmaß an Transparenz an den Tag zu legen", sagt er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Und Guttenberg fand rasch klare Worte: Kaum im Amt, brach er mit einem Tabu seiner Vorgänger Jung und Peter Struck und sprach im Zusammenhang mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan von "kriegsähnlichen Zuständen". Bei seiner Rede im Bundestag warnt er eindringlich davor, das Engagement am Hindukusch zu verharmlosen.

Die Soldaten stünden häufig in zum Teil intensiven Gefechten. Gefahr, Verwundung und auch Tod seien allgegenwärtig. "Das dürfen wir nicht mit bürokratischen Formeln weichzeichnen", forderte er und plädierte dafür "zu sagen, was ist. Und die Menschen in unserem Lande können mehr Wahrheit vertragen, als wir uns bisweilen trauen, ihnen zuzutrauen."

Keine 48 Stunden später sitzt der Minister im Flugzeug auf dem Weg zu einem "nicht angekündigten Besuch" nach Afghanistan. Mit im Gepäck: deutliche Worte. Diesmal für den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

"Wir müssen Erfolge sehen"

Von ihm fordert er klare Zielmarken für die weitere Entwicklung des Landes. "Wir müssen Erfolge sehen", sagte er kurz nach der Landung in Kabul. Deutschland stehe zu seinem Einsatz am Hindukusch, die Bundesregierung wolle aber wissen, welche Schritte die afghanische Führung als Nächstes plane und welche Ziele sie sich zu setzen bereit sei. Zugleich bekräftigte Guttenberg, dass er Verständnis für das Gefühl der Soldaten habe, sich in einigen Gebieten in Afghanistan im Krieg zu befinden.

Bei einem Treffen mit Präsident Karsai spricht Guttenberg über die weit verbreitete Korruption und Karsais Regierungsführung. "Wir haben die Erwartung, dass geliefert wird", betont er und fügt hinz: Das sei "nicht nur ein Wunsch, den wir haben", sondern auch der internationalen Gemeinschaft und der Nato-Bündnispartner. "Wir stehen zu unserem Einsatz, aber wir wollen wissen, was die afghanische Regierung als nächste Ziele plant." Weitere Verpflichtungen Deutschlands müssten mit Ergebnissen der Ende Januar geplanten internationalen Afghanistan-Konferenz sowie mit weiteren Schritten der afghanischen Regierung verbunden sein.

Bei den deutschen Soldaten in Kabul kommt Guttenberg gut an - auch wegen solcher Äußerungen. Die Beschreibung des Ministers komme der Realität am nächsten, sagt einer von ihnen. "Die Politiker in Deutschland haben den großen Vorteil, dass sie weit weg sind von Afghanistan. Wir sind der Gefahr hier jeden Tag ausgesetzt, deshalb ist es zu begrüßen, wenn das auch so benannt wird."

Auch in einem anderen Fall fand Guttenberg klare Worte: Bei dem von Oberst Klein angeordneten Luftangriff auf Tanklastzüge bei Kundus. Diesen bezeichnete er als "militärisch angemessen" - und forderte für ähnliche Situationen mehr Rechtssicherheit für die Soldaten.

Vorgesetzter und Kamerad

Für einen Verteidigungsminister ist es wichtig, von der Truppe respektiert zu werden. Nicht nur ihr Vorgesetzter, sondern auch ihr Kamerad will er sein. In einem Interview mit dem Magazin Stern erzählt er dann auch von seinem eigenen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald.

Er habe nur die "besten Erinnerungen" und habe "Kameradschaft kennengelernt, wie ich sie in dieser Form noch nicht kannte". Sogar, dass eine seiner Töchter sich später einmal freiwillig zur Bundeswehr melde, hält Guttenberg "durchaus für vorstellbar".

Über einen möglichen Abzugstermin der deutschen Truppen schweigt sich Guttenberg jedoch aus. Es gehe nicht darum, ob er der Minister sei, der die Soldaten zurück in die Heimat hole. Das sei eine "von Eitelkeit getriebene Politik", findet er. Und eitel wahrgenommen werden wollte Guttenberg noch nie - weder als CSU-Generalsekretär noch als Wirtschaftsminister. Nach nur drei Monaten im Amt hatte er sich die Wertschätzung der Kanzlerin erarbeitet.

Wichtiger Rückhalt

Doch Guttenberg weiß, dass die Gunst der Kanzlerin und der Respekt der Soldaten alleine nicht reicht, um als Verteidigungsminister bestehen zu können. Schnell kann aus einem Ministersessel ein Schleudersitz werden.

Er braucht also auch den Rückhalt aus den eigenen Reihen. Und hier ist bei weitem nicht jeder davon überzeugt, dass sich die Partei mit dem Verteidigungsministerium einen Gefallen getan hat. Denn es wird der Tag kommen, an dem der CSU-Minister Guttenberg den Tod deutscher Soldaten erklären muss, die im Afghanistan-Einsatz gefallen sind.

Vor der Bundestagswahl hat es ein CSU-Mitglied einmal so auf den Punkt gebracht: Es sei "kriegsentscheidend" das Verkehrsministerium zu bekommen. Es sei aber ebenso "kriegsentscheidend", das Verteidigungsministerium nicht zu bekommen. Jetzt werden beide Ressorts von CSU-Ministern geführt.

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(sueddeutsche.de/gba/plin)