Nach Guttenbergs Rücktritt Die Sehnsucht nach dem Gesalbten

Die Guttenberg-Festspiele sind vorbei. Mit all seinen Krachern, Böllern und Raketen war es ein erregendes Schauspiel, aber eben nur ein Schauspiel. Nun folgt mit de Mazière das Gegenteil der vermeintlichen Lichtgestalt.

Ein Kommentar von von Heribert Prantl

Jede politische Macht braucht einen Zauber. Der Zauber der Demokratie ist der Zauber des trockenen Brots. Das Brot ist nahrhaft, aber es fehlt ihm der Belag. Der Zauber der Demokratie ist von so karger Art, dass sie sich immer wieder nach mehr Schein sehnt: nicht nach mehr Schein als Sein, aber nach mehr Schein zum Sein. Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein, zwei Jahre lang diese Sehnsucht befriedigt. Deswegen waren die vergangenen zwei Guttenberg-Wochen zwei besondere Wochen, weil in dieser Zeit die Sehnsucht nach dem schönen Schein, verkörpert durch Guttenberg, mit der Erkenntnis über die Zwielichtigkeit dieses Scheins machtvoll gerungen hat. Es siegte die Erkenntnis.

Gesalbte, Geheiligte und Gewählte

Die Sehnsucht nach dem schönen Schein ist nicht nur eine Sehnsucht der kleinen Leute, zu deren Sprecher sich die Bild-Zeitung immer wieder zu machen versucht. Es ist auch eine Sehnsucht derer, die sich früher die besseren Stände nannten und die heute bisweilen von besseren Zeiten träumen. Auch diese Sehnsucht hat ein Organ: Die Zeit, das wurde in den Guttenberg-Wochen deutlich, ist eine Bild-Zeitung der Gebildeten. Die Sehnsucht nach dem schönen Schein ist gleich, findet nur verschiedenen Ausdruck. Hier schreibt man "Den finden wir gutt", dort redet man vom Charisma; und dass man dieses in der Demokratie im Allgemeinen sehr vermisst, es aber im Besonderen in Guttenberg findet - weshalb man an ihm, seiner Fälschereien zum Trotz, im Ministeramt festhalten wollte. Das ihm attestierte Charisma hob Guttenberg offenbar über das Gesetz, welches verlangt, ihn zu behandeln wie alle anderen auch. Das Wort Charisma ist im Zusammenhang mit der Suche nach Schein und Glanz für die Demokratie ein bezeichnendes Wort: In "Charisma" steckt das "chrisma", das heilige Öl der Königssalbung. Der Politikwissenchaftler Philip Manow hat darauf in seinem klugen Buch über die politische Anatomie demokratischer Repräsentation hingewiesen. Das Chrisma machte in der Monarchie einen adligen Menschen zum Auserwählten, zum Herrscher, zum König - zur gesalbten und geheiligten Personifizierung seines Volkes und Staates.

Guttenberg, Weizsäcker, Brüderle

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