Guttenberg-Affäre Wie er in seiner Vita angibt

Dass Guttenberg einen kreativen Umgang mit der Wahrheit pflegt, zeigt auch eine neue Biographie über den Minister: Er soll nicht nur bei der Dissertation geschummelt haben - er schönte offenbar auch Passagen in seinem Lebenslauf.

Von Rudolf Neumaier

Obwohl Karl-Theodor zu Guttenberg - zunächst vorerst, dann dauerhaft - darauf verzichtete, den Doktortitel zu führen, bleibt er - vorerst - Doktor. Die Entscheidung, ob er ihn abgeben kann, darf oder muss, obliegt aber allein den Gremien der Universität Bayreuth. Wäre man böswillig, dann könnte man dem Freiherrn also eine Manipulation seiner Identität unterstellen, da er die Streichung des "Dr." auf seinen Internet-Seiten veranlasste.

Der Mitarbeiter, der diese Aufgabe übernahm, machte es sich ähnlich einfach wie Leute, die wissenschaftliche Arbeiten mit Strg+C zusammenstopseln: Er gab im Computer den Befehl "Suche" ein und ließ alle "Dr." aufspüren, dann gab er im Feld "Ersetzen" ein Leerzeichen ein und führte den Befehl "Alle ersetzen" aus. Zurück blieb auf Guttenbergs Homepage unter dem Stichwort "Biographie (bis 2002)" allerdings folgende Zeile: "Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen, Promotion im Jahr 2007 zum jur. (summa cum laude)". Macht sich immer noch gut.

Die beiden FAZ-Korrespondenten Eckart Lohse und Markus Wehner veröffentlichen Anfang März eine Guttenberg-Biographie. Eine Kostprobe ihrer Erkenntnisse gaben sie in der jüngsten Sonntags-FAZ preis. Diese lassen darauf schließen, dass der CSU-Politiker seine Vita gelegentlich gehörig aufpolierte: Beispielsweise führt Guttenberg "Berufliche Stationen in Frankfurt und New York" an, obwohl er dort lediglich Praktika absolviert habe, wie Lohse und Wehner herausfanden.

Keine Frage, solche Übertreibungen sind zulässig, womöglich nicht einmal unüblich. Allerdings lassen sie unmissverständliche Rückschlüsse auf den Charakter von Personen zu, die davon Gebrauch machen. Auch seine Tätigkeit als "Freier Journalist bei der Tageszeitung Die Welt", wie er in seiner Vita vollmundig angibt, beschränkt sich laut Lohse und Wehner auf ein Praktikum. Das Buch über Guttenberg soll gut 400 Seiten umfassen, ist also fast so dick wie die Dissertation des Protagonisten. Und die Autoren arbeiten mit Fußnoten.

Daneben führt der Verteidigungsminister in seiner Vita ein Mandat im Kreistag von Kulmbach an. Bei der letzten Wahl erhielt er dort die mit Abstand meisten Stimmen. Dass er das Mandat nicht wahrnehme, verärgert die Vertreter anderer Parteien. Zwei Kreisräte, die regelmäßig dem Kreistag beiwohnen, berichten, sie hätten den Mann seit der konstituierenden Sitzung nicht mehr gesehen. Die Hoffnung, dass er als Verteidigungsminister zurücktritt, um wieder mehr Zeit für Kulmbach aufzubringen, wagen sie nicht zu äußern.

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