Was sind schon Gerüchte gegen schöne Fotos - nur Kinderkram! CSU-Chef Horst Seehofer inszeniert sich mit Frau. Die Kolumne zum Medienwahlkampf.
Die Plakate hängen immer noch, zwei Wochen nach der Europawahl. Sie zeigen einen lachenden Helden. Er hat die ganze Diskussion über die Opa-CSU vergessen gemacht. Die Christsozialen haben es nun mal wieder geschafft, ins Parlament von Straßburg und Brüssel einzuziehen, und deshalb hat der juvenile Horst Seehofer "Danke" auf die alten Plakate kleben lassen.
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Karin und Horst Seehofer - medienwirksam und dekorativ in einem Horch-Cabrio, Baujahr 1939 (© Foto:)
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"Danke" also an das Publikum, das wieder seinen bayerischen Helden hat. Einen wie den Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, der in jede Bütt steigen kann, die ihm die Medien im Wahlkampf hinstellen, in fast jede zumindest. Einer, der Steuerentlastungen fordert und zugleich durchfinanzierte Haushalte, der den Ordnungspolitiker gibt und doch einen Pleitekonzern wie Arcandor retten will, weil der im bayerischen Fürth das Versandhaus Quelle unterhält.
Das alles kann Horst Seehofer. Er ist ein Wahlkampf-Tier. Nichts aber kann so sehr schaden wie eine Schlagzeile à la tageszeitung: "CSU wieder schwanger". Damit sind Gerüchte rund um das Privatleben des verheirateten Familienvaters gemeint, der mit der in Berlin lebenden langjährigen Parteimitarbeiterin Anette Fröhlich außerehelich die kleine Anna-Felicia zeugte. Das sorgte 2007 für einen kleinen Skandal.
Nachdem das auf zwischenmenschliche Enthüllungen spezialisierte Organ Bunte mit Hilfe von Paparazzi-Fotos insinuiert hatte, es gebe nach wie vor eine große Vertrautheit mit der einstigen Geliebten, hat das große Fantasieren in Deutschland über den wahren Seehofer eingesetzt. "Das stille Familienglück in Haus Nr. 139", titelte die Illustrierte.
In einer Partei, die auf christliche Familienwerte erpicht ist und Patchwork sowie Promiskuität nur aus dem Fernsehen zu kennen scheint, sind solche Themen gefährlich. Damit wird intern Politik gemacht - solange, bis extern Schaden sichtbar wird. Ex-Parteichef Theo Waigel, der insgeheim mit dem Skistar Irene Epple liiert war, kann davon Lieder singen. Seehofers Kritiker und Gegner melden sich, es ist Gefahr im Verzug.
"Wenn da etwas dran sein sollte, besteht ein gewisser Aufklärungsbedarf", äußert sich beispielsweise der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus-Dieter Breitschwert. "Hilfreich ist das nicht", so Parteikollege Christian Meißner über die Gerüchte. Man könne als "Ministerpräsident und Parteivorsitzender kein Doppelleben führen", weiß die ehemalige Sozialministerin Christa Stevens.
Horst Seehofer hat sich in dieser Lage für eine einfache Medienstrategie entschieden: Er schweigt und macht Fototermine. Fototermine mit seiner Frau, die belegen sollen, dass es kein stilles Glück in Berlin gibt, sondern ein aufrechtes Glück in Ingolstadt. Und dass Horst Seehofer weit entfernt ist von Umtrieben eines Silvio Berlusconi. Kurzum, dass er passt zu einer traditionsbewussten, modernen CSU, die in der Bundestagswahl bestehen will.
Also hat das Ehepaar Seehofer am Freitagmorgen demonstrativ an einer Oldtimer-Rallye teilgenommen. Sie trugen azurblaue Leibchen, lächelten (selten lächelt Karin Seehofer öffentlich), und saßen dekorativ in einem Horch-Cabrio, Baujahr 1939. Der große Horst am Steuer, die brave Karin auf dem Sozius. Alles in Ordnung, alles wird gut.
"Hören Sie auf mit dem Kinderkram"
Zwar fuhren die beiden nur 30 Kilometer zusammen im Oldtimer und vermieden jede vertraute, zärtliche Berührung. Aber sie produzierten viele gemeinsame nette Fotos von diesem Termin, und die lästige Frage einer aus Berlin angereisten Reporterin, die etwas zu den "Gerüchten" wissen wollte, ließen sich leicht neutralisieren. "Ach komm jetzt", sprudelte es aus Karin Seehofer heraus, und ihr Mann rüffelte: "Hören Sie doch auf mit dem Kinderkram, das wird allmählich lächerlich."
"Kinderkram" - ein gutes Stichwort. Es wäre kindisch, zu leugnen, dass sich hier eine solide Interessensgemeinschaft präsentiert. Auf diese Weise, arbeitsteilig im Cabrio, sind die Seehofers ebenso unangreifbar wie die CSU, die einen unbeschädigten Vorsitzenden braucht.
Die beiden werden, wenn nichts Gravierendes dazwischen kommt, noch viele Paar-Termine im Wahlkampf haben. Und immer werden Bilder der lächelnden Eheleute in die Redaktionsstuben geschickt. In diesen Tagen der Mediendemokratie wirkt das machterhaltender als ein gutes Regierungsprogramm. Es muss ja nicht gleich ein Empfang bei Johannes B. Kerner sein, zur Not reicht auch der Papst.
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