Von Hans-Jürgen Jakobs

Mit viel Weißraum und Nivea-Blau: Die deutschen Parteien verfallen dem kollektiven Werberausch. Doch die Plakate sind so bunt wie einfallslos. Die Kolumne zum Medienwahlkampf.

Es gibt einige sichere Anzeichen, dass es sich bei 2009 um ein "Superwahljahr" handelt. Die Frequenz der veröffentlichten Umfragen zu den Parteien steigt, in Talkshows sitzen immer häufiger Politiker - und dann sind da natürlich noch die vielen Plakate, die auf alten Papptafeln oder an Wänden kleben.

Wahlplakate

Wahlkampf im Valium-Modus (© Foto: CDU)

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Weil in Kürze Europawahl ist, glaubt keine politische Vereinigung, die etwas auf sich hält, auf diese Art der Parolen-Propaganda verzichten zu können - auch wenn die Texte meist alles andere als plakativ sind.

Natürlich wäre es besser, den Strategen und ihren kreativen Helfern würde schon zur Europa-Wahl so etwas einfallen wie eine prägnante Werbeaussage. Meist aber handelt es sich um typische Abverkaufswerbung der einfachen Art. Die Menschen sollen zahlreich kommen, wenn der große Ministerpräsident im Bierzelt redet oder der Abgeordnete in der Vereinsgaststätte. Und überhaupt: Hauptsache, sie machen ein Kreuzchen am 7. Juni.

Das ist besonders für die CSU, die einzige bayerische Partei von Weltrang, überlebenswichtig. Also wirbt sie mit viel Weißraum und ihren bisherigen Volksvertretern in Straßburg und Brüssel.

Die größte Berliner Regierungspartei CDU wiederum scheint sich schon beim Thema Europa so sehr auf ihre Chefin und Kanzlerin Angela Merkel zu verlassen, dass sie Wahlkampf ganz im Valium-Modus macht. Sicher, die Erste unter lauter Männern redet im Fernsehen beim allgegenwärtigen Emotainment noch jeden Moderator und jede Moderatorin platt - aber ist das ein Grund, auf Plakaten so staatstragend bieder daherzukommen?

Auf blauem Grund, garniert mit güldenen Sternen und Deutschland-Fahne, versprechen die Christdemokraten: "Wir sind in Europa". Die Partei garniert ihren Hackbraten mit etwas Petersilie, also Zieraussagen wie: "Arbeit schützen und schaffen" oder: "Für den Weg aus der Krise."

Europa ist mit Sicherheit weitaus an- und aufregender, als es die Werbeabteilung des Hauses CDU vermuten lässt. Dafür schlägt der Koalitionspartner SPD ein wenig über die Stränge. Die Nummer Zwei im Bundestag muss unbedingt aus dem langen Kanzlerschatten der Angela Merkel heraustreten. Die Sozialdemokraten setzen daher auch auf negative campaigning, wie das so schön heißt. Da würden "Dumpinglöhne" die CDU wählen, "heiße Luft" die Linke und "Finanzhaie" die FDP, verbreiten die dezent krawalligen Plakate.

Weil das den Liberalen gewidmete Plakat einen stilisierten Geschäftsmann mit rosa Krawatte und Haifischmaul zeigt, tat Focus-Chef Helmut Markwort den Planern aus der "Nordkurve", wie das Kreativcenter der SPD in Berlin heißt, den Gefallen und ließ sich zu einem Goebbels-Zitat hinreißen. Vermutlich weil der Focus im politischen Berlin ein wenig aus demselbigen geraten ist, unterblieb der sonst bei solchen verunglückten Nazi-Vergleichen geäußerte Ruf nach Rücktritt des Schuldigen.

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