In den Räten aber wird die Präsenz in den volksnahen Shows, die Ausgewogenheit auf dem Schirm, in geradezu unheimlicher Weise begleitet. Die Größen von Union und SPD haben augenscheinlich im ZDF, wo der Staat den direktesten Zugang zu haben scheint, die für sie wichtigsten Journalisten ausgekegelt. Brender muss gehen, weil eine größere Personalrochade ins Laufen kommt, bei der am Ende für die Union offenbar in der Leitung des Hauptstadtstudios eine ihr genehme Person herausspringt, egal, ob die das auch so sieht. So könnte es in dieser Funktion auf Bettina Schausten zulaufen.
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Der Noch-Chefredakteur des ZDF berichtet von Anrufen und Kontakten der Politiker direkt in die öffentlich-rechtlichen Redaktionen, und dass er sich das verbeten habe. Die schlechten Tendenzen von früher seien wieder zu bemerken. Wenn er einen Anruf von Politikern bekomme, dann habe er sich eine einfache Taktik zurecht gelegt, sagt Brender: Er biete an, dass sich der Gesprächspartner schriftlich äußere. Ersatzweise ging Brender dazu über, dem Anrufer selbst einen Brief zu schicken, der die geäußerten Wünsche festhält. Solche Dokumenten mögen die TV-Interventionisten ganz und gar nicht: Der Tatort Fernsehen soll spurenfrei bleiben.
Absage an Söder
Brender ging auch nicht in jene berühmt-berüchtigten schwarzen und roten ZDF-Freundeskreise, obwohl der einstige baden-württembergische Spitzenfunktionär der Jungen Union ja auf dem "roten Ticket" Karriere auf dem Lerchenberg machte. Und Brender erzählt, wie beispielsweise der CDU-Politiker und langjährige ZDF-Fernsehrat Markus Söder um ein Treffen bat, das für ihn wichtig sei - er aber solche intimen Runden ablehne.
Es scheint von Büchsenspannern und Pfeilwerfern nur zu wimmeln, wo es eigentlich um Recherche und Erkenntnis geht. So ist es eine rechte Pein für alle, die auf Unabhängigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk drängen. Es regieren die Lager, nicht fröhlich, aber siegesgewiss. Und weil die Union in den vergangenen Jahren nun einmal mehr Wahlen gewann als die SPD, glaubt sie, auch durchregieren zu können in den Sendeanstalten. Irgendetwas muss man ja davon haben.
Fast den Betrieb lahmgelegt
Auch bei der ARD läuft es offenbar bei vielen Stationen so ähnlich wie im ZDF, wenn auch nicht ganz so nach außen politisiert. Das jedenfalls ahnt Chefredakteur Brender, der vorher im WDR und im früheren Südwestfunk gearbeitet hat. Immerhin kann Werner Hahn, Justitiar des NDR, darauf verweisen, dass in seinem Sender kein Minister mehr im Verwaltungsrat wirkt. Früher hatten sich CDU und SPD in der Hamburger Zentrale gestritten wie Strauß und Wehner im Bundestag und darüber den Betrieb fast lahmgelegt.
Das aktuelle Modell der NDR-Ministerabsenz ist zur Nachahmung empfohlen - auch wenn es beispielsweise einst nichts half, dass die damaligen SPD-Vertreter Wolfgang Clement und Heide Simonis demonstrativ den ZDF-Verwaltungsrat entrückten.
Nikolaus Brender kann jetzt offen über die Kalamitäten reden. Er ist schlau genug um zu wissen, dass es sich bei dem Affront Kochs nicht um einen Amoklauf des Hessen handelte, sondern wohl eher um eine konzertierte Aktion, bei der die Kanzlerin und ihr Vasall im ZDF, der Ex-Parteigeschäftsführer Willi Hausmann, eine Rolle spielten und wohl auch der Noch-Partner in der großen Koalition, die SPD.
Es knisterte im Studio
Die Freunde des Altkanzlers Gerhard Schröder hatten sich über Brenders Widerspenstigkeit in der Elefantenrunde am Bundestagswahlsonntag 2005 geärgert. Der Moderator hatte einfach Vorwürfe wegen einer angeblichen "Medienkampagne" ausgekontert und irgendwann nur von "Herrn Schröder" gesprochen. Es knisterte im Studio.
Auch die anwesende Angela Merkel, damals Herausforderin, empfand das wohl als etwas zu viel Chuzpe vor dem Thron. So mag man öffentlich-rechtliche Journalisten nicht. Nur der damalige ARD-Programmdirektor Günter Struve war von dem Geschehen so angetan, dass er intern halb spöttisch, halb ernsthaft insistierte: "Verlängern, verlängern!" Das aber gab das Sendeschema nicht her.
In der Elefantenrunde 2009 kann Brender nichts mehr verlieren und nichts mehr gewinnen. Sein ZDF-Vertrag wird, nach Lage der Dinge, nicht verlängert. Und so kann Brender noch einmal - ganz wie ein Journalist - die Kontrahenten Merkel und Steinmeier nach Herzenslust befragen. Das ist doch mal was!
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(sueddeutsche.de/jja/mati/mikö)
. . . mal wieder ein Artikel in der SZ, der den Wert der Pressefreiheit aufzeigt. Kommt ja leider nicht mehr so oft vor. Deshalb Gratulation!
Ich würde mir allerdings wünschen, dass dies des öfteren passiert. Z. B. bei den seltsamen Vorgängen bei der BLM. Zwei bescheidene Berichte und dann ist wieder Ruhe. Kann dann der Prof. wieder in aller Ruhe auf Promi-Parties gehen?