Der Fall Brender im ZDF zeigt: Im Kampf um TV-Bilder haben die größten Parteien Platzvorteil. Muss eine Auszeit her? Die Kolumne zum Medienwahlkampf.
Um es gleich vorneweg zu sagen: Der Vorschlag ist charmant, aber vollkommen unrealistisch. Ein Jahr lang vor wichtigen Wahlen sollten sich Politiker in den Gremien der öffentlich-rechtlichen Sender zurückhalten, also eine richtige "Auszeit" nehmen - das forderte Nikolaus Brender kürzlich auf der Jahrestagung des Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche.
ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender (rechts) will Politikern eine Sendepause verordnen - das hätte ihn wohl vor dem Konflikt mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geschützt. (© Foto: dpa)
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Ein Jahr Auszeit - das hätte den ZDF-Chefredakteur womöglich gerettet, denn es waren nur noch sieben Monate hin bis zur Bundestagswahl, als der hessische Ministerpräsident und ZDF-Verwaltungsrat Roland Koch (CDU) im Februar 2009 zum großen schwarzen Befreiungsschlag ausholte und ankündigte, man wolle den im März 2010 auslaufenden Vertrag Brenders nicht verlängern.
Man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass Spitzenpolitiker das Mobiliar der einschlägigen Talkshows von ARD und ZDF häufiger abwohnen, je näher der große Wahltermin rückt. Auch sitzen sie gern in der ersten Reihe bei Unterhaltungsshows.
Die relevante Gesellschaft schlechthin
Wo es keine intellektuelle Hoheit mehr über politische Programme gibt, oder so etwas wie ein inneres Ordnungssystem, da soll es wenigstens eine Hoheit über Bilder geben - am besten in jenen gebührenfinanzierten Sendern, in denen man in Gremien ohnehin etwas zu sagen hat.
Der Intendant will wiedergewählt und das von ihm ausgesuchte Personal bestätigt werden - das macht ihn regelmäßig abhängig von den Räten, also von Fernsehräten, Rundfunkräten oder Verwaltungsräten. Bei den elektronischen Medien gibt es noch eine Rätedemokratie, und dabei begreifen sich die Parteien als wichtigste "gesellschaftlich relevante Gruppe", ja manchmal sogar als relevante Gesellschaft schlechthin. Der "Meute", den in Berlin überall lauernden Reportern, setzen sie ihre "Beute" entgegen.
So kommt es am Ende, dass die über das Wohl und Wehe von Sendern entscheidenden Politiker im Gegenzug bei Beckmann, Kerner, Anne Will, Maybrit Illner und Sandra Maischberger, wie all die Spitzenmarken des deutschen Politainments heißen, freien Zugang haben. Das ist ihre Plattform, um Sympathiepunkte zu holen. Die im TV geradezu mütterliche Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer, so trocken wie wagemutig, überbieten sich derzeit mit Soloshownummern, die dem großen Robert Lemke alle Ehre gemacht hätten: "Was bin ich?"
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. . . mal wieder ein Artikel in der SZ, der den Wert der Pressefreiheit aufzeigt. Kommt ja leider nicht mehr so oft vor. Deshalb Gratulation!
Ich würde mir allerdings wünschen, dass dies des öfteren passiert. Z. B. bei den seltsamen Vorgängen bei der BLM. Zwei bescheidene Berichte und dann ist wieder Ruhe. Kann dann der Prof. wieder in aller Ruhe auf Promi-Parties gehen?