Am 16. April hat Westerwelle den nächsten Boersch-Termin in seinem Kalender stehen. Dann wird er eine Key Note auf dem von Boersch organisierten Unternehmertag im luxuriösen Seehotel Überfahrt am Tegernsee halten. Manche in Berlin fragen sich inzwischen, ob Westerwelle eigentlich noch Zeit für sein Hauptamt als Außenminister bleibt.
Bild vergrößern
Drei Freunde und Chinas Regierungschef: Premier Wen Jiabao (re.), Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP, Mitte), dessen Lebensgefährte Michael Mronz (unten links) und der FDP-Großspender Cornelius Boersch (hinten Mitte) in Peking. Das Foto entstand am 15. Januar 2010 während Westerwelles erster Asienreise. (© Foto: dpa)
Anzeige
Als Bundesminister darf Westerwelle für solche Auftritte kein Geld verlangen. Das war früher anders. In den Jahren 2006 und 2007 hielt Westerwelle für jeweils wenigstens 7000 Euro mehrere Vorträge im Auftrag der Eutop Speaker Agency GmbH mit Sitz in München, die zum Firmenkonglomerat des schillernden Lobbyisten Klemens Joos gehörte. Joos wiederum war auch Inhaber der Internet-Politiksuchmaschine Polixea. Guido Westerwelle hatte zweitweise einen Polixea-Link auf seiner persönlichen Website.
Danach bekam Polixea einen neuen Namen: Trupoli. Das Unternehmen hat - wie kann es anders sein - Westerwelle-Spezi Cornelius Boersch gekauft. Das Unternehmen scheint jedoch eher zu den Flops unter Boerschs Beteiligungen zu gehören: Die Webseite www.trupoli.com ist seit einem halben Jahr offline.
Mronz beteuert, er sei als Vorstand von "Ein Herz für Kinder" dabei
Auch ein ehemaliger enger Mitarbeiter von Guido Westerwelle ist zeitweise bei Boersch untergekommen. Jörg Arntz, bis 2007 Westerwelles Assistent, zeichnete bis vor kurzem als Vizepräsident von Boerschs Mountain Business Angels AG verantwortlich.
Bleibt noch Michael Mronz, Lebenspartner und wie Boersch aktiver Begleiter von Außenminister Guido Westerwelle auf dessen Auslandsreisen. Der erfolgreiche Manager großer Sportveranstaltungen beteuert, er sei als Vorstandsmitglied der Springer-Aktion Ein Herz für Kinder aus sozialem Interesse und auf eigene Kosten mit dem Außenminister "Herrn Westerwelle" nach Lateinamerika geflogen.
Wie der Zufall es will, findet aber 2014 in Brasilien, eine der Stationen auf Westerwelles Reise, die Fußballweltmeisterschaft statt. Für einen Sportevent-Manager wie Mronz ein durchaus lohnendes Ereignis. Kürzlich managte Mronz mit seiner Firma MMP Veranstaltungs- und Vermarktungs GmbH die Eröffnung eines Bonner Luxushotels. Gastredner unter anderem der Bonner FDP-Bundestagsabgeordnete Guido Westerwelle.
Mronz war auch Aufsichtsrat und Aktionär der Arygon AG, einer Technologiefirma mit Sitz in Mainz. Im vergangenen Jahr ist dort ein Technik-Unternehmen Namens ACIG, ebenfalls mit Sitz in Mainz, eingestiegen. ACIG wiederum gehört zum Firmennetz von Cornelius Boersch.
Auf der amtlichen Südamerikareise seines Lebenspartners Westerwelle konnte Mronz einen weiteren alten Bekannten begrüßen: Ralph Dommermuth, Gründer der United Internet AG. Dommermuth ist, wie der Spiegel schreibt, auch ein alter Kumpel von Westerwelle - und wie Boersch fleißiger Spender für die FDP: 48.000 Euro waren es 2005.
Westerwelle weist Vorwürfe zurück
Dommermuth und Mronz haben zusammen schon Geschäfte gemacht. Der Internetmann war über seine Firmen 1&1 und gmx.de Hauptsponsor der Segelcrew vom Team Germany. Vor drei Jahren hatte es am America's Cup teilgenommen hat. Vermarkter des weltgrößten Segelevents: Michael Mronz.
Die Brüder Westerwelle, Michael Mronz, Clemens Boersch - die vier scheinen ein eingespieltes Businessteam zu sein. Wäre Westerwelle nicht Außenminister und FDP-Chef, wäre das vermutlich gar kein Problem. So aber stellt die Opposition die Frage, ob Westerwelle unter diesen Umständen überhaupt geeignet ist, Deutschland in der Welt zu vertreten.
Guido Westerwelle selbst weist die Vorwürfe zurück. "Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versuchen sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie", konterte der FDP-Chef am Donnerstag am Rande seiner Südamerika-Reise. Ein Sprecher des Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe der Vetternwirtschaft als "haltlos".
Andererseits: Ohne Guido Westerwelle würde vermutlich einiges in dem Team nicht so laufen, wie es sich die Geschäftsleute Mronz und Boersch wünschen mögen. Boersch hat kürzlich über das Erfolgsgeheimnis von jungen Start-up-Unternehmen gesagt: "Man braucht einen im Team, der ein Autoverkäufer ist."
Mit anderen Worten: eine Rampensau. In dieser Rolle hat sich Guido Westerwelle schon immer wohlgefühlt.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Guido Westerwelle RSS
- Außenminister Westerwelle Reisen mit Guido 11.03.2010
- Vorwürfe gegen Westerwelle Firma des Bruders an Bord 11.03.2010
- Außenminister auf Reisen "Zweifel, ob Westerwelle ministrabel ist" 10.03.2010
- Berliner FDP-Politiker wechselt zur SPD Herr Lehmann fröstelt 09.03.2010
- Außenminister in der Kritik Der Tross von Guidos Gnaden 07.03.2010
- Bundesregierung Jeder gegen jeden 15.05.2010
- FDP Leise Revolte der Sozialliberalen 13.05.2010
(sueddeutsche.de/gba/odg)
Youtube-Hit aus USA
Man kann sich auch in einer Demokratie über Missstände aufregen. Ich denke sie habe da ein ganz falsches Demokratieverständnis. Gerade dann wenn Politiker erkennbar sich für eine Minderheit von Gutbetuchten einsetzen ist es fast schon Pflicht als Bürger solche Zustände nicht hinzunehmen. Es mag ja sein das sich in der ehemaligen DDR keiner gerührt hat, in der BRD gehört es fast zur Pflicht sich zu Wort zu melden. Auch die Presse ist hier verpflichtet. Aber auch in den Medien haben wir verschiedene Strömungen die absolut einseitig berichten. Sie werden in der BILD nie etwas schlechtes über Herrn Westerwelle und die FDP lesen, im Gegenteil, genau dieses Blatt versuchte vor ein paar Wochen mit zwei ganzen Seiten die Hetze auf Hartz IV zu schüren. Ich denke eher das ihnen die meisten Kommentare gegen Westerwelle oder der FDP politisch nicht in den Kram passen. Die Geschichte mit der Mehrheit des Volkes stimmt so auch nicht, lesen sie bitte die Wahlergebnisse und die Wahlbeteiligung nach. Dann könne sie entscheiden von welcher Mehrheit der wahlberechtigten Bundesbürger sie reden.
"Dafür ist Boersch ein fleißiger Parteispender. Zwischen 2002 und 2008 hat er der Partei seines Freundes Westerwelle die stolze Summe von 164.200 Euro überwiesen"
Korruption allenthalben und erwiesen
Hauptstadtjournalisten,selbsternannte Politik-experten und besserverdienende Waehler haben schlicht und einfach die besonderen Beziehungen des Herrn W. zum verunglueckten Herrn Moellemann und dessen zahlreiche Skandale vergessen.Westerwelle war ein enger politischer Vertrauter,sein Stellvertreter,politischer Ziehsohn und,wie man sieht,ein gelehriger Schueler.Alles war vorhersehbar .Wahrscheinlich reiben sich die Geheimdienste der vom Aussenminiister besuchten Laender die Haende.
Hallo SZ-Interessierte, als altgelernter Ostdeutscher sehe ich Ort und Klima der politischen Diskussion bereits dort, wohin Ideologen sie hingesteuert haben. Demokratie heisst doch wohl, dass man es akzeptieren muss, wenn jemand mit der Mehrheit gewählt wurde - hier liegt wohl die Ursache des "Rumpelstielzchen"-Verhaltens von vielen, die Westerwelle nicht akzeptieren wollen. Wenn man die Ebene der sachlichen Diskussion verlässt und Emotionen schürt, kann man mit unterschiedlichen Methoden arbeiten (Vielleicht macht sich einer der - zu zahlreichen - Journalisten mal ernsthaft die Mühe und arbeitet mal das Handbuch des DDR-Stasi durch im Hinblick auf ideologische Zersetzung --- wir sind im vereinten Deutschland leider in dieser Ebene angekommen!!). Immer häufiger sehe ich, dass sich Journalisten in ihren Beiträgen nicht mehr zu eigener Meinung bekennen, sondern Formulierungen wählen wie "man hat gehört bzw.geschrieben" oder "die Opposition hat behauptet" oder "in der Bevölkerung wird bemängelt" .... . Leider wird auch in der SZ der Tribunal-Journalismus betrieben und anstelle einer weiterführenden Logikreihe Fakten-Diskussion-Schlussfolgerung die Folgereihe Zielstellung-Schuldfrage-was nützt mir hierfür an Einzeldaten-wie kann ich emotional Leute auf meine Linie führen- Bestätigung meines vorher schon gehabten Meinungsbildes.
Lass doch die Spiele: 1.Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen! 2.Richtig an Thema, Wort, Polemik und Schlussfolgerung ist alles das, was mir (meiner Position und Meinung) nützt. 3. .... .. 4. ..... .
Liebe Journalisten, werdet bitte wieder seriös - einen Teil der Jugend habt ihr schon verloren.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging