Niederlage für die Anklage im US-Militärprozess gegen den ehemaligen Fahrer von Terroristenchef Osama bin Laden: Das Gericht im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba erklärte einige der Aussagen des Angeklagten Salim Ahmed Hamdan für nicht verwendbar, weil sie unter "Anwendung von Zwangsmitteln" entstanden seien.
Der Richter im ersten US-Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten Weltkrieg hat Beweismittel gegen den Angeklagten Salim Hamdan, einen ehemaligen Fahrer Osama bin Ladens, zurückgewiesen, da sie unter "Anwendung von Zwangsmitteln" entstanden seien. Militärrichter Keith Allred erklärte aus diesem Grund alle Aussagen Hamdans für nicht verwertbar, die er bei Verhören in Afghanistan nach seiner Festnahme im November 2001 abgegeben hatte.
Nicht alle Aussagen Salim Hamdans dürfen verwendet werden, weil sie unter Zwang gemacht wurden. (© Foto: AP)
Anzeige
Er ließ der Anklage beim Prozessauftakt am Montag aber die Möglichkeit, Aussagen zu verwenden, die Hamdan als Häftling im Gefangenenlager Guantanamo gemacht hat. Diese Aussagen sollen laut Verteidigung allerdings unter Druckmitteln wie Schlafentzug und Einzelhaft zustandegekommen sein.
Der aus dem Jemen stammende Hamdan hatte zum Auftakt die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert. Sollte er wegen Verschwörung und Beihilfe zum Terrorismus verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess dauert voraussichtlich drei bis vier Wochen.
Richter Allred wies aber Anschuldigungen zurück, in Guantanamo habe eine Kultur des Zwangs geherrscht. Hamdan hatte unter anderem ausgesagt, die Leute, die ihn befragt hätten, hätten auch über seinen Zugang zu ärztlicher Behandlung entschieden.
Der Zusammenhang zwischen medizinischer Versorgung und Hamdans Zusammenarbeit mit den Ermittlern sei "die natürliche Folge, wenn Agenten die Hilfe von Insassen suchen, um eine Verbindung aufzubauen", sagte Allred. Der Richter gab den Anwälten Zeit, um rund 600 Seiten Haftakten durchzusehen, die die Regierung erst am Sonntag bereitgestellt hatte.
Hamdan wurde im November 2001 an einer Straßensperre in Afghanistan festgenommen und rund ein halbes Jahr später ins Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht. Ihm wird vorgeworfen, Bin Laden dabei geholfen zu haben, sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen.
Die Anklage will 22 Personen in den Zeugenstand rufen. Der vom Pentagon eingesetzte Verteidiger, Korvettenkapitän Brian Mizer, bemüht sich um Zugang zu drei ranghohen mutmaßlichen al-Qaida-Mitgliedern, die in Guantanamo inhaftiert sind, darunter Khalid Sheikh Mohammed, der als Drahtzieher der Terroranschläge gilt.
Deren Aussage werde zeigen, dass Hamdan lediglich ein rangniederer Beschäftigter von Bin Ladens Fuhrpark gewesen sei, erklärte Mizer.
Prozesse gegen 20 Häftlinge geplant
Das Verfahren begann am Montag mit der Auswahl der Geschworenen. Als potenzielle Jury-Mitglieder ließ das US-Verteidigungsministerium 13 Offiziere nach Guantanamo fliegen. Aus ihren Reihen wurden sechs Offiziere und eine Ersatzperson ausgewählt.
Die Ankläger planen für die kommenden Monate Prozesse gegen 20 Guantanamo-Insassen - darunter fünf Männer, die unmittelbar an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sein sollen. Diese wurden erst 2006 aus geheimen Gefängnissen der CIA nach Guantanamo verlegt. Letztlich sollen etwa 80 Häftlinge vor das Militärtribunal gebracht werden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(AP/dpa/segi)
Protest gegen dritte Startbahn