Die Anfrage der USA an Deutschland, Guantanamo-Häftlinge aufzunehmen, sorgt für Zwist zwischen Union und SPD.

In der Großen Koalition sorgt die Bitte der US-Regierung zur Aufnahme ehemaliger Guantanamo-Häftlinge in Deutschland für Streit. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach lehnte eine Aufnahme ab.

Guantanamo Häftlinge AP

Im Gefangenenlager Guantanamo werden die Häftlinge inzwischen kategorisiert in Gruppen. Dieser Mann gehört zu der Gruppe, der am meisten Annehmlichkeiten gewährt werden. Die Aufnahme entstand Ende 2008 (© Foto: AP)

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"Ich sehe die USA weiter in der Verantwortung. Deutschland hat Guantanamo nicht errichtet und auch nicht betrieben", sagte er der Berliner Zeitung.

Wenn jemand völlig unschuldig sei, "warum ist er dann nicht längst aus Guantanamo entlassen worden?", Sagte der CDU-Politiker. Außerdem müssten die Bundesländer mit einer Aufnahme einverstanden sein. Bosbach: "Bei den meisten Innenministern hält sich die Begeisterung doch sehr in Grenzen."

Dagegen forderte der SPD-Außenpolitiker Niels Annen die Union auf, Guantanamo aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Es sei nicht nur aus humanitären Gründen wichtig, dass Deutschland Ex-Gefangene aufnehme.

"Es liegt auch im deutschen Interesse, weil wir etwa in Afghanistan in Mithaftung für die verfehlte Politik des früheren US-Präsidenten George W. Bush genommen werden", sagte Annen.

Die Aufnahme von Häftlingen könne diese falsche Wahrnehmung ändern. "Wir haben alle ein großes Interesse daran, dass Guantanamo endlich geschlossen wird", betonte Annen.

Innenministerium bestätigt US-Anfrage

Zuvor war bekannt geworden, dass die US-Regierung der Bundesregierung eine Liste mit Namen von Guantanamo-Häftlingen überreicht und um die Aufnahme der Inhaftierten in Deutschland gebeten.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Wochenende, es liege "eine konkrete Anfrage" vor. Nicht bestätigen konnte er Medienberichte, wonach es sich um rund zehn im US-Gefangenenlager inhaftierte Uiguren handeln soll, also Angehörige eines Turkvolks in China.

Der Ministeriumssprecher sagte weiter, für die Aufnahme seien aus Sicht der Bundesregierung zunächst die Heimatländer zuständig und im zweiten Schritt die USA. Bei der nun anstehenden Prüfung nach dem Aufenthaltsrecht spielten auch Sicherheitsaspekte eine Rolle und die Frage, ob die Betroffenen Bezüge nach Deutschland hätten.

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(AP/odg)