Der Völkerrechts-Professor Andreas Paulus hofft, dass die USA nach den Lehren aus Guantanamo zu gerechten Prozessen finden.
SZ: Der neue US-Präsident Barack Obama hat die Tribunale im Gefangenenlager Guantanamo suspendiert. Darf er das?
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Nach seiner Amtseinführung hat US-Präsident Barack Obama erste Schritte eingeleitet, um das Gefangenenlager Guantanamo aufzulösen. (© Foto: ddp)
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Andreas Paulus: Ja. Denn das sind keine Gerichte im eigentlichen Sinn, sondern spezielle Militärtribunale, die der Präsident einrichten und wieder auflösen kann.
SZ: Kommt es da nicht zu einer Vermengung zwischen Justiz und Regierung?
Paulus: Das ist richtig, aber die Militärtribunale unterstehen der Befehlsgewalt des Präsidenten. Dafür besteht das Gericht ausschließlich aus Soldaten.
SZ: Warum?
Paulus: Weil sich das oft militärfreundlich auswirkt. Denken Sie an die Verfahren wegen Übergriffen von US-Soldaten im Irak. Die endeten oft wie das Hornberger Schießen.
SZ: Die Guantanamo-Häftlinge wurden dagegen alles andere als privilegiert behandelt. Was wird jetzt aus ihnen?
Paulus: Es ist noch nicht klar, wie die Regierung Obama vorgehen wird. Manche fordern ein neues Sonder-Verfahren mit einem besseren rechtsstaatlichen Schutz. Das wäre "Guantanamo light" - und würde das Ansehen Amerikas kaum heben. Andere verlangen, die Häftlinge entweder vor ordentliche Gerichte zu stellen oder freizulassen. Mir scheint, die Diskussion läuft in diese Richtung - aber vielleicht bin ich da zu optimistisch.
SZ: Was macht den Umgang mit den Guantanamo-Häftlingen so schwierig?
Paulus: Da gibt es solche Gefangenen, die die Amerikaner vor Gericht stellen wollen, weil sie zum Beispiel an Anschlägen beteiligt waren. Falls diese Häftlinge jedoch gefoltert wurden, wären ihre Aussagen vor einem normalen Gericht unverwertbar. Dann gibt es diejenigen, denen man mangels Beweisen nicht den Prozess machen kann. Man möchte sie aber auch nicht in ihre Heimat zurückschicken. Sei es, weil sie dort misshandelt würden, oder, weil sie sich wieder Terrorgruppen anschließen könnten.
SZ: Wie sollten die USA mit solchen Menschen umgehen?
Paulus: Es ist mit rechtsstaatlichen Gründen kaum vereinbar, solche Leute einfach wegzusperren. Deswegen sollte man sie in ihre Heimat zurückschicken und dafür sorgen, dass sie dort überwacht werden.
SZ: Haben die Vereinigten Staaten auf Guantanamo Völkerrecht gebrochen?
Paulus: Ohne Frage. Das gilt insbesondere für die Vernehmungs-Methoden und das Festhalten ohne Prozess. Außerdem waren die Sondergerichte nicht wirklich unabhängig.
SZ: Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele fordert, George W. Bush wegen Folter in Amerika den Prozess zu machen.
Paulus: Dies wäre grundsätzlich möglich. Zu erwarten ist es nicht.
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(SZ vom 22.01.2009/akh)
Stockender Kita-Ausbau
Die Sitzen da weil man sie weder Terroristen oder Soldaten nennen will. POW (Prisoner of War) können sie nicht genannt werden weil sie nach Genfer Konventionen keine Uniformen tragen und keiner Armee angehören. Terroristen will man sie nicht nennen weil man somit den Gedanken des Märtyrtums beitragen würde. Enemy Combatant hat keinen Rechtlichen Status- das seine guten und schlechten Seiten:
- als Kriegsgefangener "Soldat" kann man bis zum Kriegsende in "Verwahrsam" sein- und dieser Krieg wird noch einige Zeit dauern.
- als Terrorist kann man in den USA gleich hingerichtet werden.
- Enemy Combatant- wenigstens nach langer Zeit die Chance lebend raus zukommen
Was ist nun besser?
Folter: was in Gitmo abgegangen sein sollte ist gerade zu lächerlich; schon mal in Afghanistan Policharki mit 25 K Gefangenen gesehen??? Oder ein irakisches Gefängnis unter Sadam? Gitmo dagegen ist ein Paradis.
Proteste gabs. Hier wie dort. Sie wurden zur Kenntniss genommen und von der Presse geflissentlich herunter gespielt, von der Politik ignoriert. Naja, nicht ganz ignoriert, nicht wenige fanden sich auf der schwarzen Liste die mit dem Patriot Act geboren wurde. Und was Schröder angeht, diese Geschichte wird noch aufgearbeitet, aber soviel ist klar, der BND hat mitgemischt. Und die deutsche Regierung hat damals bereits die Flüge der CIA über Deutschand, die Gefangene nach Guantanamo brachte, stillschweigend geduldet. Allesamt haben sich nicht mit Ruhm bekleckert.
Das alles ist eigentlich auch ein Schandfleck für unsere Demokratie !
Während wir immer lauthals das Geschrei der Politiker, Presse und Medien hören, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in China oder Rußland geht, verstumte dies zu Zeiten Bush´s.
Unsere Merkel war ja immer auf gute Beziehungen aus anstatt auch mal die Menschernrechte auf der anderen Seite anzuprangern, aber da fehlt wohl bei den meisten Politikern der Mum dazu, auch was die reflexartige Freundschaft zu Israel anbetrifft !
Eines muß man Schröder lassen, er hat als einziger den Amerikanern "NEIN" gesagt, die Geburt von "old Europe"
Toni64
Am ende hängt die rechtsstaatliche Ausrichtung der USA von den Amerikanern ab. Solange weite Teilen der Bevölkerung noch der Meinung sind, Amerika darf als "God's own country" eh alles, ist die Regentschaft Obamas bestenfalls ein Zwischenhoch.
Es sollten also in Amerika Guantanamo-Gedenkstätten gebaut werden, deren Besuch für alle Schüler Pflicht ist. Parallelen zu anderen Teilen der Geschichte in diesem Kommentar sind beabsichtigt.
wenn gefangenen gefoltert wurden, ist es nur recht und billig, dass die damit gewonnen aussagen vor gericht wertlos sind und die gefangenen freizulassen und zu entschädigen sind. sie hätten einen anderen, rechsstaatlich unanfechtbaren weg finden müssen, aber was erwartet man von einfallslosen militärs...
g.w. wird vielleicht nicht jetzt der prozess gemacht, aber seinen ruf hat er weg, sowas hält sich lange über den tod eines expräsidenten hinaus
Paging