Eine wieder aufgeflammte Diskussion über Rot-Rot-Grün kommt den Grünen auf ihrem Parteitag und im Wahlkampf höchst ungelegen.
Für das Wochenende haben sich die Grünen etwas vorgenommen: Sie wollen "optisch und physisch" in den Wahlkampf starten. Die Formulierung stammt von Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, die damit sagen will, dass es schöne Fernsehbilder geben wird aus dem Berliner Velodrom, wo die Grünen von Freitagabend bis Sonntag ihren 30. Parteitag veranstalten.
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Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick plädierte für Rot-Rot-Grün auf dem Parteitag. Die Reaktion auf Schicks Vorschlag glich einem Gewitter. Später sagte Schick, er sei missverstanden worden. (© Foto: dpa)
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Geplant ist die Verabschiedung eines Programms für die Bundestagswahl namens "Der grüne Neue Gesellschaftsvertrag" und der Beschluss eines Wahlaufrufes. Zwar lassen 1241 Änderungsanträge - auch für grüne Verhältnisse Rekord - langwierige Debatten über das Programm erwarten, der wahre Sprengstoff aber steckt im vierseitigen "Aufruf zur Bundestagswahl".
Das Papier ist Ergebnis eines mühevollen Kompromisses verschiedener grüner Köpfe und Strömungen. Vorausgegangen war eine schwere Schlappe für die Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin, deren Überlegungen zu einer Ampel-Koalition mit SPD und FDP Aufruhr in Teilen der Basis ausgelöst hatte. Im Aufruf ist nun von einer Ampel nicht mehr die Rede, dafür von der Unmöglichkeit einer Jamaika-Koalition mit CDU/CSU und FDP.
Die Erleichterung über den Text, der "auf einem breiten Konsens fußt", wie Künast es formuliert, war groß und hielt ungefähr bis Anfang der Woche. Als die Spitzengrünen am Montag zur Sitzung des Parteirates zusammenkamen, hatten sie alle die Lektüre eines Papiers ihres Parteirats-Kollegen Gerhard Schick hinter sich. Unter der Überschrift "Nötig wäre eine ökologisch-soziale Koalition" beschreibt der Finanzexperte Schick, dass er "derzeit nur eine Konstellation für eine überzeugende Antwort auf die Wirtschaftskrise" sieht, nämlich Rot-Rot-Grün.
Die Reaktion im Parteirat glich einem Gewitter. Vorbei an den grünen Kernthemen gehe das Papier, monierte Spitzenkandidatin Künast und warnte vor neuerlicher Spaltung. Andere aus dem Realo-Lager wurden deutlicher, warfen Schick vor, er habe sich "vergaloppiert". Seine Überschrift, verteidigte sich Schick, sei doch im "Konjunktiv irrealis" gehalten.
Schick fühlt sich missverstanden, macht geltend, ihm gehe es vor allem darum, aufzuzeigen, dass trotz der Verantwortung von historischem Ausmaß die SPD "große Schwächen" in der Wirtschaftspolitik zeige und die "Linke sich gleichzeitig auf eine fundamental-oppositionelle Position zurückzieht". Die Grünen müssten sich nun auf Inhalte konzentrieren. Die Empörten konnte Schick dennoch kaum beschwichtigen. In der Fraktionssitzung am Dienstag stellte Künast gar klar, dass sie sich für eine rot-rot-grüne Aussage im Wahlkampf nicht einsetzen werde.
Quelle des Grolls der Reformer ist das Gefühl, der Parteilinken mit dem kategorischen Nein zu Jamaika schon weit entgegengekommen zu sein. "Ich bin stinksauer auf die rot-rot-grüne Initiative", sagt Daniel Mouratidis, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg, aus dem auch Schick kommt. Der Landesvorstand habe einen klaren Beschluss gefasst, auf Koalitionsaussagen zu verzichten, was auch von der Basis getragen werde. "Ein Lagerwahlkampf verprellt gerade im Südwesten viele Grünen-Wähler. Gerhard Schick spielt mit dem Feuer, wenn er an dieser Stelle Debatten im Alleingang aufmacht", warnt Mouratidis.
Auch der Chef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, bekennt: "Ich bin relativ erbost." Realitätsfern sei die Meinung, "man könnte mit einer zusammengezimmerten rechnerischen Mehrheit eine linke gesellschaftsverändernde Regierung aufbauen". Das Parteiratsmitglied fügt hinzu: "Wir brauchen einen gesellschaftlichen Aufbruch. Dieser wird nicht von der Linkspartei repräsentiert." Das zeige auch die Erfahrung in Berlin, wo die Linkspartei mitregiert.
Nun ist die Parteiführung damit beschäftigt, den Nein-zu-Jamaika-Kompromiss zu retten. Höchstens kleinere Formulierungen bei der Beurteilung von SPD und Linkspartei sollen noch hinzugefügt werden. Nachdrücklich verbreitet Künast den Appell, "die Partei im Ganzen im Blick zu haben".
Nach dem Gerangel um ein ursprünglich gewünschtes und dann doch verworfenes Spitzenteam an der Seite von Künast und Trittin und der innerparteilichen Koalitionskrise ist die Grünen-Spitze nun um gnadenlosen Optimismus bemüht.
Parteichef Cem Özdemir versichert, die ganze Partei werde "leidenschaftlich in den Wahlkampf ziehen" und wertet die vielen Änderungsanträge als "Zeichen der Lebendigkeit". In der Tat dürften Streitpunkte wie Kindergrundsicherung oder Höhe des Arbeitslosengeldes II den Parteitag zwar beschäftigen, aber nicht wirklich bestimmen. Wohl, Wehe und Außenwirkung werden sich am Koalitionskonflikt entscheiden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 08.05.2009/job)
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weil damit nicht nur Zerissenheit uns Streit, sondern durchaus auch konstruktive Diskurse über den Inhalt von "links" stattfinden würde. Für die Demokratie und die Gesellschaft wäre gut und denkbar, dass es in absehbarer Zeit eine RealoLinke (SPD) eine ökologische Linke (Grüne) und eine radikal-demokratische Linke (LINKE) gäbe, die den bürgerlich Parteien in der politischen Ideenfindung Konkurrenz machen und zugleich im Innenverhältnis eines Ausgleichs unterliegen.
Ohne die rechnerische Möglichkeit eines LINKSBündnisses, regiert das Kapital in einer Gesellschaft, deren allermeisten Wähler Lohnempfänger sind.
Es wäre daher gut, wenn die Grünen aufhören würden, sich vor ihrem Linkssein zu ekeln, die SPD zurückfindet auf einen gemütlichen Weg in den demokratischen Sozialismus und die LINKE gesellschaftsphilosophisch klarer argumentieren würde.
Gäbe es diese Struktur, dann hätten wir genauso viel Sozialismus, wie die Wähler es wünschen, weil sie ihn dann ggf. wählen könnten.
Wir aber leben in einer Demokratie, in der echte Richtungswechel an der Mathematik scheitern.
Der Wähler will wissen, was er bekommt, wenn er grün wählt.
Sind die Grünen die Bananenpartei, erst grün, dann gelb, dann schwarz und beschert dem verdutzten Wähler nach der Wahl dieses Bündnis, oder lässt man sich von der durch das Kapital gesteuerten Hetze gegen die Linke nicht beeinflussen?
Ein Bündnis mit der FDP wäre der Gau für die Grünen.
waren mir positiv für Ihre an der Machbarkeit orientierte Politik im Hinterkopf. Schade dass sich dies nun zu ändern scheint :-(
gab es Hartz IV, Statistikbereinigungen und völkerrechtswidrige Kriegseinsätze und Unterstützungen für geheimdienstaktionen, welche für die Opfer vorerst in Guantanamo endeten.
Mit einer Ampel gäbe es definitiv eine Verschärfung von Hartz IV und eine Aufweichung des Atomausstiegs.
Das muß der Wähler wissen.
Übrigens wäre es ein guter Tausch für Grüne und Linke, gäben die grünen Ihren linken Flügel an die Linke ab und die Linke transferierte zumindest ihren Berliner Landesvorstand zu den Grünen. Herr Liebich und Herr Lederer und Frau Pau passen da bestens dazu.
Der, an ökologischen und sozialen Inhalten interessierte, Wähler sollte sich vor Augen führen, wohin Regierungskoalitionen der GRÜNEn mit einer "Volkspartei" bisher geführt haben... Zum Verrat der "grünen" Inhalte, garniert mit einigen kleinen "Trostpflästerchen"... -Kosovo- Krieg gegen Dosenpfand unter Schröder, und unter Schwarz/Grün in Hamburg: Umweltsünden wie die Elbvertiefung und ein dreckschleuderndes Kohlekraftwerk gegen einen, ach so ökologischen Straßenbahn- Neubau! Im Endeffekt schlucken die GRÜNEn jede Kröte um "mitzuregieren", und mutieren zu Krötentunneln ohne Ausgang! Das wäre unter "'Rot'/Rot/Grün" vielleicht anders...
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